Cosplayerin Sajalyn
Harley Quinn aus dem Kleiderschrank

"Alice im Wunderland" ist eines von mittlerweile mehr als zehn Cosplays, die Svenja Schwan in ihrem Kleiderschrank hängen hat. Fotografisch perfekt in Szene setzt sie ihr Lebensgefährte. Das Bild der Alice entstand im Park der Eremitage in Bayreuth. Professionelle Bilder sind wichtig für die Präsentation im Internet. Bild: Philipp Schertel
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Bayern
30.04.2016
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Wenn du willst, kannst du auch den Bergdoktor cosplayen.
 
Svenja als "Harley Quinn". Bild: Philipp Schertel

Das Auffallendste an Sajalyn: Sie sieht immer wieder anders aus und erinnert an Märchenfiguren oder Comichelden. Ihr Künstlername suggeriert zwar, dass sie aus dem "Land des Lächelns" kommt, doch die 22-Jährige hat über ihr Hobby hinaus nichts mit Japan zu tun.

Marktredwitz. Sie ist in Groschlattengrün geboren und heißt mit bürgerlichem Namen Svenja Schwan. Seit einem Jahr lebt sie mit ihrem Freund Philipp Schertel in Marktredwitz und studiert in Bayreuth Medienwissenschaften. Die ausgebildete Buchhändlerin hat ein ausgefallenes Hobby. Sie ist Cosplayerin. Darin stecken zwei Begriffe, Costume (Kostüm) und Play (spielen). Ein Cosplayer wählt eine Figur aus einem Film, einem Comic oder einem Computerspiel und versucht sie vom Aussehen, wie auch vom Charakter her möglichst authentisch zu verkörpern.

Diese Spielart der Verkleidung basiert auf der japanischen Manga (Comic)- und Anime (Zeichtrickfilm)-Szene. Über die USA schwappte die Welle über den großen Teich herüber und erreichte Mitte der 1990er Jahre auch Deutschland. Derzeit boomt die Szene und immer mehr Interessierte schlüpfen in die Rollen ihrer Helden. Ziemlich genau vor einem Jahr hat Svenja das Feld für sich entdeckt und seither mehr als zehn Cosplays geschaffen. 2010 hat sie die Szene das erste Mal richtig erlebt. Berufsbedingt war sie auf der Leipziger Buchmesse und sah dort viele Cosplayer in Aktion. Buchmessen bieten den Darstellern ein breites Betätigungsfeld.

Viel Zeit und Geld


Weil sie ja praktisch jede Roman-, Zeichentrick- oder Computerspielfigur in ein reales menschliches Wesen verwandeln können, sind sie beliebte "Maskottchen" der Händler. Schon als Kind hat Svenja Animes geschaut und viele Mangas gelesen. Auf den Buchmessen hat sie viele Charaktere sofort wiedererkannt. Sie löcherte die Akteure mit Fragen und beschloss schließlich: "Das mache ich auch."

Sie investiert viel Zeit und Geld in ihr Hobby. Auch wenn Svenja die Cosplays nur für sich macht, freut sie sich selbstverständlich darüber, wenn sie auch andere gut finden. Sie investiert nicht nur viel Zeit in die Charaktere, sondern genauso in die Pflege ihre Facebook-Seite, wo sie ihre Cosplays präsentiert.

Dabei ist ihr Lebenspartner Philipp Schertel gefragt, der professionelle Fotos dafür liefert. Ausgesuchte Plätze, perfektes Licht, das Beherrschen der Technik - drei wesentliche Komponenten, die Bilder entstehen lassen, die sich von den meisten anderen in der Szene äußerst positiv abheben. Seit Juli vergangenen Jahres zeigt Svenja im sozialen Netzwerk unter ihrem Künstlernamen Sajalyn ihre Cosplays und hat schon knapp 2000 Likes aus der ganzen Welt dafür bekommen.

Global sei wichtig, deshalb hat sie ihre Seite auch in Englisch abgefasst. "Wenn die Fanpage eine gewisse Größe erreicht, kann es durchaus passieren, dass einen Firmen sponsern." Das ist Sajalyn schon einmal gelungen. "Ich hoffe, dass ich eines Tages durch Sponsoring wenigstens einen Teil meines Hobbys finanzieren kann." Schon als Kind habe sie sich immer gerne verkleidet und dann fotografieren lassen. Und Theaterspielen in der Grundschule und im Gymnasium hätte ihr ebenfalls stets große Freude bereitet. Mehr als zehn Cosplays hängen mittlerweile im Schrank, das günstigste ist etwa 30, das teuerste rund 200 Euro wert. Dazu kommen noch etwa 20 Perücken.

Kleine Szene in der Region


Wie viele Cosplayer es im Umkreis gibt, weiß Svenja nicht. In Bayreuth gibt es ein monatliches Treffen, zu dem immer rund 20 Leute anreisen. In Weiden gäbe es angeblich auch eine Szene und von einem Waldershofer weiß sie, dass der sich ein Starwars-Kostüm inklusive Lichtschwert gekauft hat. Ob er aber jetzt ernsthaft Cosplay macht oder es nur bei diesem einen Kostüm bleibt, entzieht sich ihrer Kenntnis.

Svenja geht schon davon aus, dass ihre Begeisterung lange anhält. "Eigentlich geht es jetzt erst so richtig los. Was ich unbedingt machen möchte, ist die "Jeanne" aus der Anemi-Serie "Kamikaze Kaito". Die möchte ich auch selber nähen. Sie ist im Prinzip meine Kindheits-Heldin, die gibt es schon sehr lange. Die habe ich immer nach der Schule geguckt und mit einer Freundin auch Szenen daraus nachgespielt." Auch die "Tira" aus dem Computerspiel "Soulcalibur" ist eine Figur, die sie unbedingt machen will. "Aber ich bin in keiner Weise festgelegt. Man sieht Filme anders an, wenn man cosplayt."

Im August kommt der Film "Suicide Squad" in die deutschen Kinos. Zur Vorpremiere am 17. in Marktredwitz und am 18. in Tirschenreuth, will Sajalyn den Zuschauern als Cosplay einer der Titelhelden, "Harley Quinn", die Plätze anweisen.

Nachdem sie eine Meerjungfrauen-Flosse gesponsert bekommen hat, "mit der man sogar schwimmen" kann, schwebt Svenja Schwan auch die Meerjungfrau "Arielle" vor. Für die Figur arbeitet sie derzeit auch an einem Muschel-BH. "Ich habe Pläne ohne Ende".



Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/1664013
www.facebook.com/sajalyncosplay
www.cosvalley.de

Wenn du willst, kannst du auch den Bergdoktor cosplayen.Svenja Schwan alias Sajalyn


Kaufen, leihen oder selber machen?"Comic-Cons" sind spezielle Veranstaltungen für die Cosplayerszene. Dort sind Händlerbereiche eingerichtet, geben sich Stargäste die Ehre und gehen Workshops, wie richtiges Posen beim Fotografieren oder Rüstungenbau, über die Bühne. Deutschlandweit schießen die Veranstaltungen aus dem Boden wie die sprichwörtlichen Pilze. Eine Kleine aber Feine sei die "Frankenmexx", die vierteljährlich in Nürnberg stattfindet, weiß Sajalyn. Ein Fantreffen, bei dem auch Kostüme präsentiert und bewertet werden. Einmal hat Svenja dort den ersten Platz gemacht. Cosplay komme zwar aus Japan, sei mittlerweile aber auch stark durch westliche Comics geprägt. "Wenn du willst, kannst du auch den Bergdoktor cosplayen", sagt Svenja. Die Grenzen seien da sehr fließend, respektive gäbe es eigentlich gar keine mehr. Es gibt auch sogenannte Art-Entwürfe eines Charakters, der dann sogar in seinem Aussehen verändert wird. Auch aus einem männlichen Charakter einen weiblichen oder umgekehrt zu machen, sei möglich. Dann spricht man von "Crossplay". Ein solcher ist Svenjas neueste Figur. Dabei handelt es sich um Nick Wild, den kleinkriminellen Fuchs aus dem Zeichentrickfilm "Zoomania". Das Kostüm hat Svenja gekauft und noch ein wenig modifiziert. Ein großer Streitpunkt in der deutschen Szene. Werden in Japan Kostüme ausschließlich gekauft oder geliehen, existiere in Deutschland ein Lager, dass ein Cosplay nur akzeptiert, wenn es gänzlich selbst hergestellt ist. Das sieht Svenja lockerer. "Warum soll ich ein Hemd nicht kaufen? Zudem sind meine Nähkünste noch nicht so gut, dass ich alles machen könnte." Die Mutter, die Industrienäherin ist, hilft bei größeren Baustellen. Für das Cosplay der Sally aus "The Nightmare before Christmas" von Tim Burton hat Svenja die Teile für das Grundkostüm gekauft und solange modifiziert, bis es ihren Ansprüchen genügte. Aktuell arbeitet sie an der Facebook-Katze "Pushin". Für Sajalyn zählt nur das Endergebnis. "Und das muss einfach nur gut aussehen." (tr)
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