Dekanat Kemnath-Wunsiedel begeht ersten Kapiteljahrtag in Kirchenlaibach
Barmherzigkeit mehr als Almosen

Priester und Gläubige des Dekanats Kemnath-Wunsiedel feierten den Kapiteljahrtag in Kirchenlaibach Bild: hia
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Bayern
19.07.2016
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Pfarrer Sven Grillmeier hängt Dr. Josef Graf ein Geschenk um: Ein Bischofskreuz mit persönlichen Bezug zu dem Weihbischof. Bild: hia

Kirchenlaibach. "Geistliche Impulse zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit" gibt Weihbischof Dr. Josef Graf beim ersten Kapiteljahrtag des Dekanats Kemnath-Wunsiedel in Kirchenlaibach. Dabei zeigt sich, dass er ein Kirchenmann der klaren Worte ist, wenn es ums Christsein geht.

Er stellte Predigt und anschließenden Vortrag unter das Leitwort "Barmherzig wie der Vater". Barmherzigkeit sei die Wesensmitte des göttlichen Geheimnis und der gelebten Nächstenliebe eines jeden Christen, meinte der Würdenträger. Papst Franziskus stehe mit dem Jahr der Barmherzigkeit in einer Tradition, die bis auf den Konzilspapst Paul VI. Wie der Prediger im Pontifikalamt, das er mit den Priestern des Dekanats zelebrierte, betonte, sei Barmherzigkeit untrennbar mit Gerechtigkeit, Wahrheit und Wahrhaftigkeit sowie Freiheit verbunden. Barmherzigkeit dürfe nicht als Almosengeben missverstanden werden. Dazu gehöre, nicht zu verurteilen und das Unrecht, die Lüge, den Missbrauch der freien Entscheidung, die Verletzung, den Schaden und verursachten Nachteil des Nächsten anzusprechen und Konsequenzen einzufordern.

"Wenn der Wert und die Würde des Menschen mit Füßen getreten werden, müssen das Unrecht und der Missstand beim Namen benannt werden", so Graf. Jeder habe das Recht, seine freie Entscheidung einzufordern. Wenn sie aber die Würde des Nächsten verletzt, müsse er damit konfrontiert werden. Eine richtig verstandene Barmherzigkeit nötige zu einer solchen Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit.

Entlastungshypothesen wie die Gesellschaft oder eine verkorkste Kindheit seien schuld, ließ Graf nur bedingt gelten. Es sei zu billig, alles dadurch zu rechtfertigen, mahnte er. Man dürfe Ungerechtigkeit auch nicht etwa nur deshalb auf sich beruhen lassen, weil es schwierig und aussichtslos erscheint, etwas zu ändern. Noch mehr: Der Christ müsse gegen Unrecht und Missstand kämpfen. So zum Beispiel, dass Waren billigst aus Dritte-Welt-Ländern aufgekauft würden, dass Menschen in Südamerika durch einen Staudamm ihres lebensnotwendigen Wassers beraubt würden.

"Wir müssen mit der Wahrheit und Wahrhaftigkeit konfrontieren und sagen, was nicht in Ordnung ist", forderte der Weihbischof. All das müssten die Verantwortlichen in der Kirche und die Gläubigen leben und weitertragen. "An uns und euch wird's liegen, ob in künftigen Generationen noch christliches Leben sein wird."

HintergrundAnders als die monatlichen Dekanatskonferenzen dient der Dekanatstag der Begegnung der Pfarrer, Pfarrvikare, Kapläne, Diakone und kirchlichen Beschäftigten um Dekan Hans Klier aus Selb und der ehrenamtlichen Pfarrgemeindemitglieder aus 25 Pfarreien. Pfarrer Sven Grillmeier und ein Helferteam bereiteten ihren rund 60 Gästen einen angemessenen Empfang.

Die Familien Walter, Busch, Stahl und Schmidt aus der Mozartstraße hatten vor dem Kirchenportal das bischöfliche Wappen als Blumenteppich gelegt. Zudem zierte das von Kunstmaler Johannes Schmidt auf Leinwand gemalte Wappen den Platz von Weihbischof Dr. Josef Graf. Vollends verblüffte den hohen Gast Pfarrer Sven Grillmeier mit dem Willkommensgeschenk der Dekanatsgeistlichen.

Stellvertretend hängte er dem "neuen" Weihbischof ein irisches Kreuz als Pektorale (bischöfliches Brustkreuz) um. In dessen Schnittpunkt war ein Stein von der irischen Insel Inis Cathaig, dem gleichnamigen Titularbistum des Weihbischofs, eingearbeitet. "Zum Andenken an diesen Tag und damit du deine Diözese immer bei dir hast", meinte der Kirchenlaibacher Seelsorger. Beide kennen sich aus der Zeit im Priesterseminar in den 1990er Jahren, Grillmeier seinerzeit Priesteramtskandidat und Graf Spiritual. Für ihn als "Hilfsbischof" sei so ein Empfang fast eine Nummer zu groß, zeigte sich Graf von den Ehrerbietungen fast etwas beschämt.

Nach der Vesper in der Pfarrkirche zogen sich die Geistlichen und pastoralen Mitarbeiter zur Konferenz und zum Abendessen ins Pfarrheim zurück. Zum Stehempfang im Foyer des Pfarrhauses waren auch die Bürgermeister und Gemeinderäte eingeladen. Dabei trug sich Graf in das Goldene Buch der Gemeinde ein.

Wie Bürgermeister Manfred Porsch dem Würdenträger erläuterte, halten sich in der Gemeinde zahlenmäßig die evangelischen und katholischen Christen die Waage. Ihre Pfarrer seien Vorzeigeseelsorger. Sie seien kirchlich und privat nicht nur bei den Feierlichkeiten in der Gemeinde dabei. Sie leben auch die Ökumene. Wie Porsch dem Regensburger Würdenträger erklärte, leben in der Gemeinde auch 18 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. (hia)
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