„Den Nofi-Lauf mache ich wieder mit dem Sepp“

„Den Nofi-Lauf mache ich wieder mit dem Sepp“
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Bayern
27.03.2015
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Grenzen, Barrieren, lassen sich auch im Kopf überwinden. Erich Forster und Josef Most zeigen, dass „Barrierefreiheit“ auch etwas mit dem Aufeinander-Zugehen von Menschen zu tun hat.

„In meiner Jugend kam es mir komisch vor, wenn ich auf dem Fußballplatz trotz Flutlicht kaum etwas sah“, erinnert sich Erich Forster. Forster leidet an einer degenerativen Erkrankung der Netzhaut, seine Sehkraft verschlechtert sich stetig. Heute kann der 47-jährige Floßer nur noch zwischen hell und dunkel unterscheiden, sieht bestenfalls schemenhaft die Umrisse eines Menschen.

Den Lebensmut ließ er sich trotzdem nicht nehmen. Statt sich zurückzuziehen, ergreift er die Initiative, sucht nach Grenzen, die er trotz körperlicher Einschränkungen überwinden kann. Die hat er im Sport gefunden, genauer im Laufen: „Ich habe mir eine Runde auf dem Feld gesucht. Sieben Kilometer ist sie lang. Die laufe ich momentan so vier-, fünfmal in der Woche.“ Manchmal ist der Hund mit dabei, bei Tempoläufen auch seine Frau Karin. Oft ist er aber auch ganz allein. Das klappe ganz gut, meint er. „Hin und wieder stürze ich auch schon mal.“ Dann rappelt sich Erich Forster wieder auf. Von kleinen Widrigkeiten lässt er sich nicht so leicht aus der Bahn werfen.

Vor einigen Jahren wollte er dann am Nordoberpfälzer Firmenlauf, Nofi, teilnehmen. Schwierig für einen Sehbehinderten, gefährlich sollte er während des Wettkampfes stolpern. Da trat auf Vermittlung der Organisatoren der Weidener Hobby-Läufer Josef Most auf die Bühne seines Jogger-Lebens. „Ich bin gefragt worden, ob ich den Erich als Zugläufer begleiten würde und habe spontan zugesagt“, meint Josef. Seitdem verbindet die beiden mehr als nur das Band zwischen „Guide“ und „Blind Person“. Josef hat Erich bereits mehrere Male über die Ziellinie geführt und auch zu Trainingsläufen trifft man sich gelegentlich. Oder ganz einfach mal zum Essen. „Mit dem Erich zu laufen macht schon Spaß. Man muss sich halt aufeinander einstellen. Für mich ist das aber mit einem Blinden genauso wie mit einem Sehenden, den ich an eine bestimmte Zeit heranführe: Die Chemie muss stimmen.“ Gelebte Normalität.

Der nächste Wettkampf ist schon geplant. „Im Mai macht Erich bei einem Zehn-Kilometer-Lauf in London mit“, freut sich Frau Karin über den Ehrgeiz ihres Mannes. „Josef ist zwar nicht mit dabei, aber über Facebook haben wir da jetzt auch andere, internationale Kontakte zu Guides bekommen.“ Aber auch Josef Most ist bereits wieder fest als Partner eingeplant: „Den nächsten Nofi-Lauf mache ich wieder mit dem Sepp“, versichert Erich. Und später einmal, irgendwann, „will ich dann auch mal einen Marathon laufen.“ Chapeau!