Der Fall Peggy
Polizei stellt Grabungen im Wald ein

Der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, Jürgen Stadter (links), und Oberstaatsanwalt Herbert Potzel äußern sich zum Fund von Knochenteilen in Thüringen vor der Presse. Bild: dpa
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Bayern
06.07.2016
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Vier Tage lang haben Hundertschaften der Polizei ein Waldstück in Thüringen durchkämmt und Kinderknochen gesucht. Der Fund brachte die traurige Gewissheit: Die seit 15 Jahren vermisste Schülerin Peggy ist tot. Doch die Polizisten fanden nicht nur die Überreste des Mädchens.

Lichtenberg. Die Polizei hat nach dem Fund von Peggys Knochen die Grabungen in einem Wald in Thüringen vorläufig eingestellt. Der Fundort sei aber weiter abgesperrt und werde von Polizisten bewacht, erläuterten die Beamten am Mittwoch. "Das soll verhindern, dass einer das Graben anfängt", sagte eine Polizeisprecherin mit Blick auf mögliche Aktionen Unbefugter. Die Ermittlungen der Soko Peggy mit rund 30 Mitarbeitern laufen aber nach wie vor auf Hochtouren.

Keine Details


Über Details machten jedoch weder Staatsanwaltschaft noch die Polizei in Oberfranken Angaben. Auch über die Todesursache gab es am Mittwoch zunächst keine Informationen.

Die neunjährige Schülerin aus Lichtenberg (Landkreis Hof) war am 7. Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule spurlos verschwunden. Seit Dienstag - also mehr als 15 Jahre später - besteht die Gewissheit, dass das Mädchen tot ist. Ein Pilzsammler hatte erste Knochen des Kindes am Samstag in dem Waldstück im Saale-Orla-Kreis entdeckt.

Hundertschaften der Polizei und Experten der Sonderkommission hatten bis einschließlich Dienstag das Gebiet um den Fundort in einem Umkreis von mehr als 100 Metern akribisch abgesucht.

Auch Gegenstände gefunden


Neben Skelettteilen fanden sie unter anderem Gegenstände, die die Kriminalbeamten Peggy zuordnen. Die Ermittler schweigen allerdings auch dazu, worum es sich bei den Gegenständen handelt und was sie gegebenenfalls noch vermissen, um einem möglichen Täter nicht in die Hände zu spielen.

Ob inzwischen die komplette Leiche der Schülerin gefunden wurde, konnte Oberstaatsanwalt Herbert Potzel am Mittwoch zunächst nicht sagen. "Es wurden auch Tierknochen gefunden. Das muss jetzt noch sortiert werden", sagte er. Zuständig dafür sind Fachleute am rechtsmedizinischen Institut der Universität Jena.

Das Schicksal von Peggy zählt zu einem der rätselhaftesten Vermisstenfälle in Deutschland. In den vergangenen 15 Jahren hatten die Ermittler mehrere Verdächtige im Visier. 2004 hatte ein Gericht sogar einen geistig Behinderten als Mörder verurteilt, zehn Jahre später wurde er aber in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

Das Rätsel um den Tod des Mädchens ist noch lange nicht gelöst, vielleicht können manche Fragen überhaupt nicht mehr geklärt werden. Nun beginnt jedenfalls eine mühselige Puzzle-Arbeit der Sonderkommission "Peggy", der gut 30 Beamte angehören. Mit Spannung wird erwartet, ob die weiteren Untersuchungen in der Rechtsmedizin klären können, ob Peggy einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel oder ob auch ein Unfalltod denkbar ist.

Sollte ein Verbrechen vorliegen, ist offen, ob der Fundort der Knochen auch der Tatort ist - und deutet dann der Fundort in einem Waldstück in Thüringen, nur rund 15 Kilometer von Peggys bayerischem Heimatort entfernt, möglicherweise darauf hin, dass der Täter vielleicht gar nicht aus Bayern stammt?

Erleichterung in Lichtenberg


In Peggys Heimatstadt Lichtenberg zeigte sich der Bürgermeister Holger Knüppel am Dienstag bei aller Erschütterung auch erleichtert. Er hoffe, dass die neuen Hinweise zu einem Täter führen. "Das Schlimmste wäre, wenn da niemand gefunden wird, kein Schuldiger." Um den Fall in der Stadt abschließen zu können, brauche es einen Täter. Andernfalls würde das "ewig auf Lichtenberg lasten". Und vielleicht melden sich ja noch wichtige Zeugen.
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