Deutschlands einzige Skiflugschanze wird renoviert
Obersdorfs Wahrzeichen peilt WM 2017 an

Die Heini-Klopfer-Skiflugschanze bei Oberstdorf. Bild: dpa
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Bayern
22.12.2015
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Auch wenn demnächst wieder alle Augen auf die Oberstdorfer Skisprung-Arena gerichtet sind - als Wahrzeichen der Allgäu-Gemeinde gilt die im Stillachtal gelegene Heini-Klopfer-Schanze. Deutschlands einzige Skiflugschanze ist jedoch nicht mehr wettkampftauglich.

Oberstdorf. In wenigen Tagen blickt die Sportwelt wieder nach Oberstdorf. Wie jedes Jahr treffen sich dort die weltbesten Skispringer, um die Vierschanzentournee zu eröffnen. Während die nahe Erdinger Arena mit ihren fünf Sprungschanzen dann im hellen Scheinwerferlicht erstrahlt, bleibt es an der nur etwa fünf Kilometer entfernten Heini-Klopfer-Skiflugschanze dunkel.

Aufwendige Sanierung


Statt Spitzensportler und Zuschauern sind dort in diesen Tagen Bauarbeiter zu sehen. Die einzige Skiflugschanze Deutschlands ist nicht mehr wettkampftauglich und wird für 11,6 Millionen Euro saniert. Die Abbrucharbeiten an der 43 Jahre alten Anlage haben begonnen. Im Frühjahr soll mit Unterstützung von Bund, Land, Landkreis und Gemeinde der Umbau starten. Die Zeit drängt: Zum Weltcup-Skifliegen, der sogenannten "Vor-WM" Anfang 2017, muss alles fertig sein. Diese Veranstaltung ist der Probelauf für die Skiflug-WM, die ein Jahr später in Oberstdorf stattfinden soll. "Es ist ein sehr sportlicher Zeitplan. Aber er ist zu schaffen", sagt der Oberstdorfer Sportstättenleiter Hans-Peter Jokschat.

Um Wettkämpfe austragen zu dürfen, muss eine Schanze Kriterien erfüllen, die die Sicherheit der Sportler gewährleisten sollen. Ein entsprechendes Zertifikat, das der Internationale Skiverband FIS nur für eine bestimmte Zeit ausgibt, ist für die Heini-Klopfer-Schanze bereits 2013 ausgelaufen. "Der Sport verändert sich, indem sich zum Beispiel die Länge der Ski oder das Material der Anzüge verändern. Diesen Gegebenheiten muss sich eine Schanze anpassen", sagt Jokschat.

Der Grund, warum in Oberstdorf erst so spät mit dem Umbau begonnen werden kann: Die Finanzierung gestaltete sich schwieriger als gedacht. Laut Jokschat lag dies daran, dass es sich um eine reine Wettkampf-Schanze handelt, an der kein Nachwuchs-Training stattfindet. "Es hat viel Zeit gekostet, bis wir die Fördergelder zusammen hatten. Aber ohne die wäre es nicht gegangen."

Muss die Normen erfüllen


Bevor in einem Jahr die ersten Springer vom Schanzentisch abheben, wird dieser um fünf Meter erhöht und um sieben Meter zurückversetzt. Außerdem muss der Aufsprunghang mit Erde aufgefüllt werden, weil er nach aktueller Norm zu steil ist. Der 72 Meter hohe Schanzenturm bleibt erhalten, allerdings wird er im oberen Bereich verbreitert und die Anlaufspur komplett erneuert. Verlegt werden der Kampfrichterturm und das Athletendorf. Zudem ist ein moderner Schrägaufzug geplant.

Die Skiflugschanze im Stillachtal gehört der Gemeinde Oberstdorf. Für den Ferienort hat sie jedoch nicht nur als traditionsreiche Sportstätte eine herausragende Bedeutung. Diese spiegele sich auch in der Architektur wieder, sagt Bürgermeister Laurent Mies. Die freitragende Konstruktion gilt bis heute als statische Meisterleistung. "Die Heini-Klopfer-Skiflugschanze ist eine faszinierende Ingenieurleistung und ein Wahrzeichen für Oberstdorf, die Region und den deutschen Sport. Ebenso ist sie eine Attraktion für den Tourismus im gesamten Allgäu." Rund 120 000 Gäste besichtigen jedes Jahr die Wettkampfstätte und schätzen den einzigartigen Ausblick auf die Allgäuer Bergwelt.
Es hat viel Zeit gekostet, bis wir die Fördergelder zusammen hatten. Aber ohne die wäre es nicht gegangen.Hans-Peter Jokschat, Sportstättenleiter Oberstdorf
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