Die Oberpfalz profitiert vom Boom beim Urlaub mit dem Fahrrad
Strampeln für die Erholung

Der Trend zum Urlaub auf dem Rad hält an. Die Zahl der Tagestouristen auf dem Rad steigt stetig. Bild: Hartl
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Bayern
25.08.2014
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Sattel statt Strandliege, Oberpfalz statt Ostasien. Urlauber erholen sich nicht nur auf Fernreisen. Der Trend zur Radtour - auch vor der eigenen Haustür - setzt sich fort.

Veronika Perschel, stellvertretende Geschäftsführerin beim Tourismusverband Ostbayern, beschreibt die stetig steigende Zahl von Radtouristen in der Region. "Die Gäste, die nun unterwegs sind, fliegen heute auf die Malediven und fahren morgen auf den Radwegen in der Heimat." Eine Vielzahl von ausgebauten Strecken macht die wiederentdeckte Art zu Reisen möglich. Ob mehrtägige Touren mit Gepäck oder Tagesausflüge als Rundtour, Veronika Perschel weiß: "Beherbergungsbetriebe und Gastronomie haben erkannt, wie wertvoll diese Touristen sind." Fred Tischler, Kulturamtsleiter in Sulzbach-Rosenberg, schätzt im Gespräch mit der Sulzbach-Rosenberger Zeitung, dass die Zahl der Übernachtungsgäste zwischen März und November in der Herzogstadt zu rund 60 Prozent aus Radtouristen besteht.


Entlang der Radwege profitieren Gastronomie und Handel von den Bikern. Bild: Unger (Archiv)

Mit der im Januar 2014 gestarteten "Radoffensive Ostbayern" reagiert der Tourismusverband auf sinkende Übernachtungszahlen bei Städtereisenden und versucht dem "durchreisenden Gast" gerecht zu werden. In den verschiedenen Landschaftsgebieten wie beispielsweise dem Oberpfälzer Wald oder dem Oberpfälzer Jura sollen einzelne sogenannte "Leuchtturmwege" die Radler in die Regionen locken. Wie beim Goldsteig, einem mehrfach ausgezeichneten Fernwanderweg, und den als "Ge(h)nuss-Betriebe" kooperierenden Gastronomien, Pensionen und Hotels, soll ein "Premiumradweg" als radtouristische Hauptschlagader durch die Region führen. Weitere Rundwege sollen dafür sorgen, dass auch solche Tagestouristen, die mit dem Auto oder Zug anreisen, die Landschaft unkompliziert erleben können.

"Hotelbetreiber haben erkannt, dass diese Besucher Geld in der Tasche haben und es auch ausgeben." Veronika Perschel setzt angesichts rückläufiger Umsätze auf diese Zielgruppe. "Wenn die Infrastruktur und der Service stimmt, kommen auch die Gäste." Zu den nötigen Angeboten zählt Veronika Perschel nicht nur, dass "auch einmal ein nasser und schmutziger Gast willkommen ist", sondern Fahrradkeller, Ladestationen für E-Bikes und eine Möglichkeit zum Gepäcktransfer auf der geplanten Strecke. Angebote, die ein mit dem vom ADFC verliehenen Siegel "Bett und Bike" ausgezeichneter Betrieb sicherstellt.

ReiseplanungDas Internet dient vielen Radwanderern und Ausflüglern als Informationsquelle, um Touren zu planen.

Radwege in Bayern nach Regierungsbezirk:
www.radwege-bayern.de/

Radwandern im Oberpfälzer Wald:
www.oberpfaelzerwald.de/radeln/

Bayernnetz für Radler:
www.bayerninfo.de/rad

App für Radler:
www.bayerninfo.de/BfR-app/

Übersicht über "Bett und Bike":
www.bettundbike.de/

Touren und Bewertungen:
www.outdooractive.com/

Kathleen Lumma ist Fachfrau für die Auszeichnung "Bett und Bike". Sie ist als Regionalmanagerin beim ADFC mit dem Thema betraut. "Wir haben derzeit in Deutschland rund 5500 Gastbetriebe, die die Auszeichnung führen dürfen." In den Nachbarstaaten Österreich und Dänemark und in den Benelux-Ländern ist die Auszeichnung auf dem Vormarsch. "Es breitet sich von Deutschland wie ein Virus nach Europa aus." Gastbetriebe, die das Schild an der Rezeption führen wollen, müssen einige Kriterien erfüllen. "Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, Trockner für Regenkleidung, radspezifisches Informationsmaterial und die Bereitstellung von Werkzeug oder Vermittlung in eine Zweiradwerkstatt gehören auf alle Fälle dazu."


Die Radwege in der Region sind gut beschildert. Bild: Unger

"Das Siegel ist die stärkste Marke auf dem Markt. Stärker als Plaketten, die sich an Wanderer oder Motorradfahrer wenden. Wir überprüfen angemeldete Betriebe innerhalb der ersten sechs Monate nach Aufnahme in die Datenbank." Damit soll, so Kathleen Lumma sichergestellt werden, dass die Auszeichnung auch zu Recht geführt wird und nicht an Wert verliert. Übernachtungsgäste in einem "seit wenigen Jahren boomenden Sektor" sollen verlässliche Mindeststandards vorfinden.

Es sind nicht mehr nur die Fahrradenthusiasten, die sich in den Sattel setzen und die Regionen erfahren. Das Publikum ist breiter geworden, berichtet Kathleen Lumma. "Es sind immer mehr Familien, die Anfragen an den ADFC zu Radtouren richten." Die steigenden Verkaufszahlen bei E-Bikes und Pedelecs ermöglichen es Lummas Erfahrung nach vielen Menschen, die früher von Touren ausgeschlossen waren, dabei zu sein. "Diese Räder bieten eine Sicherheitsreserve für lange oder bergige Touren, machen es möglich mitzuhalten."

Die Auszeichnung mit der Plakette "Bett und Bike" für einzelne Gastbetriebe ist Lummas Meinung nach nur ein Baustein auf dem Weg zu einer fahrradfreundlichen Region. Sie rät Kommunen und Tourismusverbänden: "Nie aufgeben, nie nachlassen!" Drei Radwege in einem Gebiet reichen ihrer Meinung nach nicht aus, um Gäste anzulocken und zu begeistern. "Da ist ständige Pflege nötig. Und man darf auch mal Mut haben, etwas zu kombinieren. Bike und Bier, Bike und Kanu, Bike und Kunst sind nicht ausgeschlossen."



Der Tourismusreferent im Landkreis Amberg-Sulzbach Hubert Zaremba schnalzt beim Wort Radtourismus förmlich mit der Zunge. "Unglaublich wichtig." Der "Fünf-Flüsse-Radweg" geht mitten durch den Landkreis und verbindet ihn mit den Kreisen Nürnberger Land, Neumarkt, Kelheim und dem Landkreis Regensburg. "Da bleibt einiges Geld in der Region", berichtet Zaremba. Gastwirte, Pensionen und Einzelhändler profitieren vom Radweg. "Dadurch wird die Region bundesweit und auch im Ausland wahrgenommen."


Der Fünf-Flüsse-Radweg ist der meistbefahrene Rad-Fernwanderweg der Region. Bild: Hartl

Werbung für den Rad-Fernwanderweg ist laut Zaremba kaum noch nötig. Die Internetseite zum Radweg gehört zu den meistgeklickten Seiten, welche die Anlieger-Landkreise gemeinsam als Region "Bayerischer Jura" betreiben. "Es gibt Zeiten, da werden wir mit Anfragen überrannt." In Stoßzeiten reichen im Vilstal, dem Bereich südlich von Amberg, die Betten kaum aus, um alle Radler zu beherbergen. "Wenn im Reitsportzentrum in Kreuth eine Veranstaltung läuft, wünschen wir uns ein weiteres Radl-Motel."

Auch bei Petra Vorsatz, Tourismus-Chefin in Weiden, macht sich angesichts der steigenden Zahlen Begeisterung breit. "Die Radfahrer sind unendlich wichtig für den Tourismusstandort Weiden. Wir haben viele Radwege und liegen günstig zu einigen anderen." Radwanderer, die auf ihren Touren an der Stadt vorbei fahren, machen ihrer Erfahrung nach immer häufiger einen Abstecher in die Innenstadt. "Davon profitiert die Gastronomie und der Handel." Im Zuständigkeitsbereich von Petra Vorsatz gibt es mittlerweile drei Betriebe, die mit dem Prädikat "fahrradfreundlich" werben - Zuwachs willkommen. "Die Tourismuszentrale in Weiden ist gerüstet für den Trend zum Urlaub auf dem Zweirad."

Radfahren in StädtenRadwanderwege führen nicht nur durch idyllische Landschaften. Entlang der Strecken lohnen sich Abstecher in die Städte. Im Auftrag des ADAC haben Tester in deutschen Großstädten das Radwegenetz abgeradelt. Die Ergebnisse sind laut ADAC "halbwegs befriedigend" - zumindest in den meisten der getesteten Städte. Handlungsbedarf sehen die Testradler vor allem bei zu schmalen Radwegen, fehlenden und schlecht ausgestatteten Abstellplätzen oder diebstahlsicheren Abstellanlagen.

Rundtouren in der Region


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