Dissidenten-Mord
Prozess vor Abschluss

Die Anklage wirft dem ehemaligen jugoslawischen Geheimdienstchef Zdravko Mustac (rechts) und seinem engen Mitarbeiter General Josip Perkovic (links) vor, 1983 die Ermordung von Stjepan Durekovic in Wolfratshausen angeordnet zu haben. Bild: dpa
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Bayern
04.07.2016
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Seit 21 Monaten bemüht sich ein Gericht um die Klärung des Mordes an einem jugoslawischen Dissidenten. Jetzt steht das Ende des Mammutprozesses kurz bevor.

München. Der Prozess um den Auftragsmord an dem Exilkroaten Stjepan Durekovic vor 33 Jahren steht vor dem Abschluss. Angeklagt sind am Oberlandesgericht München zwei hohe Offiziere des früheren jugoslawischen Geheimdienstes, der hinter dem Gewaltverbrechen stehen soll.

Der Generalbundesanwalt hat die beiden Männer (74 und 71) nur der Beihilfe zum Mord beschuldigt, jedoch hat der Staatsschutzsenat bereits im Vorfeld der Verhandlung darauf hingewiesen, es könnte auch ein Schuldspruch wegen Mittäterschaft in Frage kommen. Das würde der Entscheidung eines anderen Senats unter Mitwirkung des jetzigen Vorsitzenden im Falle eines Komplizen entsprechen. Dieser war zunächst gleichfalls nur wegen Beihilfe angeklagt, das Urteil lautete im Jahr 2008 auf Mord und lebenslange Haft.

Plädoyers ab Dienstag


Im Prozess gegen seine mutmaßlichen Auftraggeber plädieren am Dienstag zunächst die Vertreter des Generalbundesanwalts, die Verteidigung soll nach bisheriger Planung am 12. Juli zu Wort kommen. Für den 18. Juli ist das Urteil vorgesehen.

Im Juli 1983 lockte der verurteilte Mittäter Durekovic in seine Druckerei in Wolfratshausen. Dort wurde der Journalist, ein führender jugoslawischer Oppositioneller, durch Schüsse und Schläge getötet. Die Identität der Mörder steht laut Anklage "nicht sicher fest". Die Nachrichtendienste im damaligen Jugoslawien waren schon seit 1967 mit Mordanschlägen gegen geflüchtete Regimekritiker vorgegangen, fast zwei Dutzend Männer sollen Opfer der Verfolgung geworden sein.

Durekovic hatte laut Anklage im Münchener Exil zum Widerstand gegen den jugoslawischen Staat aufgerufen und war dadurch ins Visier des damaligen Sicherheitsdienstes SDS in Kroatien geraten, dessen Chef der ältere der beiden Angeklagten war. Sein Mitbeschuldigter leitete die Abteilung "Feindliche Emigration" des Dienstes. Sie sollen den Mord am Exilkroaten Durekovic in Auftrag gegeben haben. Beide Männer haben sich jedoch dazu im Prozess nicht geäußert.
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