Dobrindt gegen vollautomatisches Sicherheitssystem
Am Schluss entscheidet der Mensch

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Bayern
18.02.2016
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Bad Aibling/Berlin. Nach dem Zugunglück mit elf Toten bei Bad Aibling zieht Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kein vollautomatisches Sicherheitssystem bei der Bahn in Betracht. Es sei klar, "dass in der Sicherheitskette auch eine Person am Schluss eine Letztentscheidung haben muss", sagte Dobrindt nach einer Sitzung des Bundestags-Verkehrsausschusses am Mittwoch in Berlin. Zu einem möglichen Vier-Augen-Prinzip als Absicherung äußerte er sich nicht.

Nach dem Unglück vom Dienstag vergangener Woche ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung gegen den Fahrdienstleiter. Der 39-Jährige soll einen verspäteten Zug auf die eingleisige Strecke geschickt haben, obwohl er dies nach Überzeugung der Ermittler nicht hätte tun dürfen. Bei dem Frontalzusammenstoß starben 11 Menschen, 85 Insassen wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Besonders tragisch: Der Fahrdienstleiter bemerkte seinen verhängnisvollen Fehler offensichtlich und setzte noch zwei Notrufe ab, die sich auch an die beiden Lokführer richteten. Sie kamen aber zu spät, um den verheerenden Zusammenstoß zu verhindern, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese auf Anfrage sagte. Die technischen Abläufe der Unglücksfahrt sollen nachgestellt werden. Der Zeitpunkt dieser von der Staatsanwaltschaft angeregten Simulation mit zwei Zügen ist nach den Angaben Gieses aber noch offen.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, lehnt Änderungen an den Sicherheitsvorschriften der Bahn ebenfalls ab. "Das wäre der falsche Ansatz. Wir brauchen Ersatzsignale, um beispielsweise bei Störungen den Bahnbetrieb aufrechterhalten zu können", sagte Weselsky dem Sender HR-Info. Zu untersuchen sei zudem, wie hoch die Arbeitsbelastung des Fahrdienstleiters in Bad Aibling war.
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