Dr. Horst Dähne liest im "Literarischen Café" aus den Briefen Václav Havels an dessen Frau Olga ...
Briefe, die Geheimnisse bergen

Roswitha Budow (links), eine der Organisatorinnen des "Literarischen Cafés", begrüßte Dr. Horst Dähne (rechts), der sich mit den Briefen Václav Havels beschäftigte. Bild: wro
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Bayern
28.01.2016
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Marktredwitz. Der antikommunistische Widerstand brachte den späteren Staatspräsidenten Václav Havel ins Gefängnis. In dieser Zeit schrieb der Schriftsteller Briefe an seine Frau Olga. Die standen nun im Mittelpunkt des "Literarischen Cafés".

Eingeladen hatten Katholische Erwachsenenbildung, Ackermann-Gemeinde und Institutum Bohemicum den 1940 in Pilsen geborenen Dr. Horst Dähne. Der Nürnberger war bis zu seiner Pensionierung leitender Regierungsdirektor in der Bayerischen Staatsbauverwaltung und widmet sich in seinen Vorträgen meist literarischen oder völkerrechtlichen Themen. Dähne las im Egerland-Kulturhaus im Stehen, bat das Mikrofon auszuschalten und bog schließlich das Hilfsmittel zur Seite. "Meine Stimme ist so stark, da würde sich die Technik nur überschlagen," scherzte der Nürnberger und widmete sich zunächst der bewegenden Lebensgeschichte Havels, der nach der "samtenen Revolution" als Staatspräsident in die Geschichte einging.

Die Bewertung der in den 1980er Jahren verfassten Briefe an Olga war schwer. Allein die Umstände lassen zweifeln, ob Havel frei von Druck schreiben durfte und all das zu Papier bringen konnte, was er wollte. Vieles blieb unausgesprochen, viele Fragen unbeantwortet. Winkel, in denen man unkontrolliert Gedanken in Worte fassen konnte, habe es damals in tschechischen Gefängnissen wohl kaum gegeben. Dr. Dähne erinnerte daran, dass Havel zu jener Zeit ja ein politischer Häftling war. Havel sei streng kontrolliert worden. Die Briefe durchliefen die Zensur.

Vernichtet


Was Olga ihrem Vaclav antwortete, weiß man leider nicht. Die Briefe der Ehefrau wurden allesamt vernichtet. Havel war es nicht erlaubt, die Zeilen seiner Olga aufzuheben, nichts davon ist der Nachwelt erhalten geblieben. Kein Sterbenswörtchen erfährt man von den Umständen im Strafvollzug, vom Leben hinter tschechischen Gefängnisgittern. "Zensur, das ist wie ein Feuer. Vernichtend für alle Zeit. Zurück bleibt nicht einmal ein Häuflein Asche." Dähnes Zeit war knapp bemessen. Die von ihm ausgewählten Briefe jedoch machten betroffen.

Das "Literarische Café" gehört zweifellos zu den feinen Veranstaltungen in der Marktredwitzer Kulturlandschaft. Und so darf man heute schon gespannt sein, was Franz Spichtinger am 18. Februar in seiner "Böhmischen Serenade" zu erzählen hat. Mit dieser Autorenlesung geht das "Literarische Café" in seine Frühjahrs- und Sommerpause.

Václav HavelVáclav Havel, 1936 in Prag geboren, arbeitete nach dem Militärdienst beim "Theater am Geländer" in Prag, erst als Bühnenarbeiter und Beleuchter, bald als Dramaturg und Hausautor. Seine bekanntesten Bühnenstücke waren auch in Deutschland erfolgreich. Nach dem Einmarsch der "Bruderstaaten" in die Tschechoslowakei im August 1968 erhielt Havel, der auch Hörspiele und Fernsehstücke schrieb, Publikations- und Aufführungsverbot, war anschließend Hilfsarbeiter in einer Brauerei. 1979 wurde der Regimekritiker verhaftet und zu viereinhalb Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. (wro)
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