Drama in der Katharinenberg-Falknerei
Fuchs tötet sieben "Matadore der Lüfte"

Eckard Mickisch (hier mit einem Kordilleren-Adler) muss fast die komplette Fliegerstaffel seiner Falknerei ersetzen. Ein Fuchs hat sieben "Matadore der Lüfte" getötet. Bild: Grüner
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Bayern
12.02.2016
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Sie waren die Stars auf dem Katharinenberg, begeisterten mit ihren Flugmanövern alljährlich Tausende von Menschen. Nun sind die "Matadore der Falknerei-Arena" tot. Ein Fuchs riss die gefiederte Fliegerstaffel von Eckard Mickisch. Doch Nachschub ist im Anflug.

Wunsiedel. Seit gut acht Jahren betreibt der bekannte Falkner den Greifvogelpark nahe Wunsiedel. Bis zu 30 000 Besucher jährlich zählen die Flugschauen. Eine Attraktion weit über die Grenzen der Region hinaus. Mickisch ist nicht nur in Falkner-Kreisen als Experte anerkannt. Wenn's denn sein muss, übernachtet er auch schon mal mit im Horst seiner Zöglinge. Spektakuläre Aufnahmen sind da schon gelungen.

Wie alle Tage wollten Eckard Mickisch und sein Team auch am Aschermittwoch die Greifvögel von den Fluganlagen in ihre sicheren Übernachtungsvolieren bringen. Doch statt der gefiederten Freunde lagen überall nur Kadaver mit abgebissenen Köpfen und Schwingen.

Ein extrem großer Fuchsrüde, neun Kilogramm schwer, wie sich am nächsten Tag herausstellen sollte, hatte sich Zugang zur Falknerei verschafft und dort wie in einem Blutrausch nahezu alle Greifvögel getötet, die sonst die spektakulären Flugvorführungen gestalten. Dem Tötungsexzess viel selbst ein fast sechs Kilogramm schweres Steinadler-Weib zum Opfer. So ein Vogel wird in freier Wildbahn spielend mit viel größeren Tieren als einem Fuchs fertig. "Aber der gehörte nicht zu ihrem Beutespektrum", erzählt der Falkner, dass ja auch Hunde bei der Abrichtung von Greifen tabu sein müssen.

Für Eckard Mickisch ist es nicht nur ein hoher finanzieller Schaden "im mittleren fünfstelligen Bereich". Vielmehr zählt für ihn der emotionale Verlust eines jeden Vogels. "Einige haben mich schon seit Jahrzehnten begleitet." Der legendäre "Kiro", bekannt aus der Fernsehsendung Galileo, gehörte dazu. Der Meister der Geschwindigkeit, ließ die Luft brennen, wenn er beim europaweit einzigartigen Wettrennen zwischen Vogel und Maschine mit über 350 km/h ein Modellflugzeug überholte.

Oder "Nicki", die unzähligen Geburtstagkindern die Herzen höher schlagen ließ, wenn sie mit verspielter Leichtigkeit eine Feder als Geschenk überbrachte. Oder auch "Sina", der Fuchsfalke, der seine wagemutigen Jagdflüge in ausgereifter Perfektion dem Publikum präsentierte. Sie alle fanden an diesem schwarzen Tag ihr Ende.

Der Falkner und sein Team können es immer noch nicht fassen, dass ein Fuchs am hellen Tag in das Grundstück eindringen kann. Aber die Aufzeichnungen der Video-Überwachung bestätigten dies. Weil Mickisch, der ja auch den Wildpark Mehlmeisel betreibt, sich aber auch mit den Gewohnheiten von Meister Reinecke auskennt, stellte er ihm eine Falle. Darin saß der Rüde dann bereits am nächsten Tag. "Mindestens sechs Jahre alt", schätzt Mickisch. Er hat ihn umgesiedelt, wie er uns am Telefon erzählt, und in Tschechien wieder freigelassen. "Der kann ja auch nichts dafür. Das ist halt ein Fuchs-typisches Verhalten."

Trotzdem: Mickisch und seinem Team brennt die Zeit auf den Nägeln. Die Eröffnung der neuen Saison steht vor der Tür. Ab 19. März hofft der Greifvogelpark Katharinenberg wieder auf zahlreiche Besucher. Und da fast die komplette Fliegerstaffel ausgelöscht worden ist, läuft das Training der neuen Flug-Akteure auf Hochtouren,

Die Schreckensnachricht aus der Falknerei Katharinenberg erreichte umgehend weltweit viele Berufsfalkner. Schon sind die ersten Greifvögel, die in Zukunft die Flugshows gestalten werden, im Anflug. "Die Hilfsbemühungen sind überwältigend", berichtet Mickisch, der gerade einen Vogel aus Prag nach Wunsiedel bringt. Kollegen aus allen Teilen Deutschlands und Österreichs haben ihm schon Unterstützung zugesagt. "Jede Falknerei hat Reserve-Vögel, die zum Einsatz kommen, wenn mal der Hauptakteur ausfällt."

"Die Flugvorführungen werden wohl nie mehr so sein, wie sie waren", weiß das Katharinenberg-Team. "Sie werden zwar anders sein, aber zumindest genauso spektakulär und atemberaubend."
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