Dreharbeiten zu "Snowden"-Film bei Bodenwöhr
Oliver Stone in der Stoapfalz

Regisseur Oliver Stone (links) posiert mit den Schauspielern Shailene Woodley und Joseph Gordon-Levitt bei der Europapremiere seines Polit-Thrillers "Snowden" in München auf dem roten Teppich. Bild: dpa
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Bayern
05.10.2016
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Oliver Stone dreht in der Oberpfalz: Das hielten viele im Februar 2015 für einen Faschingsscherz. Weit gefehlt: Ein Teil des Films "Snowden", der am 22. September in Deutschland in die Kinos kam, entstand in einem Waldstück nahe der Gemeinde Bodenwöhr.

Bodenwöhr. Albert Krieger, zweiter Bürgermeister des Erholungsortes im Landkreis Schwandorf, denkt gern an die Dreharbeiten am Faschingswochenende zurück. Auch wegen des Termins habe niemand das Gerücht, dass ein Hollywood-Regisseur samt Crew im Anmarsch sei, so recht glauben wollen. "Im Vorfeld war alles top secret", erinnert Krieger sich. "Das hat auch wunderbar funktioniert."

Persönlich begutachtet


Dass der Schöpfer solcher Blockbuster wie "Geboren am 4. Juli" oder "Platoon" auf dem ehemaligen Standort-Übungsplatz und jetzigen Naturschutzgebiet östlich der Ortschaften Bodenwöhr und Bruck filmte, war den Bayerischen Staatsforsten in Regensburg zu verdanken. Pressesprecher Philipp Bahnmüller bestätigt, dass es häufig Anfragen von sogenannten "Location Scouts" gebe, die im Auftrag von Filmproduktionsfirmen nach geeigneten Drehorten fahnden. "Oliver Stone hat sich das Gelände persönlich angeschaut", berichtet Bahnmüller. Überzeugt hätte den Amerikaner wohl vor allem der Wechsel zwischen eher kargen Wald- und Freiflächen.

Bürgermeister Krieger gehörte mit zu den "Zaungästen" des zweitägigen Drehs. "Das war alles straff organisiert", erinnert er sich: "Der Ablauf klappte reibungslos, der Regisseur hat das Sagen und die Disziplin ist riesengroß." Doch habe die Filmcrew auch Improvisationstalent bewiesen. "Da hat man mal gesehen, was man mit Klebeband alles bewirken kann", erzählt Krieger. "Statt Schrauben hat auf die Schnelle auch Panzerband alles zusammengehalten."

Voller Bewunderung für die logistische Leistung ist auch Peter Ziegler, zweiter Kommandant der Feuerwehr Bodenwöhr. "Die hatten eigentlich alles selber dabei", berichtet er. Die Unterstützung der Feuerwehren Bodenwöhr und Bruck war trotzdem nötig - mitten im Wald gab es schließlich keinen Wasseranschluss. Also transportierten die Wehren im Pendelverkehr Wasser an den Drehort. Begeistert berichtet Ziegler vom Zusammenhalt der Filmcrew. "Das war wie eine große Familie. Und da hat es auch überhaupt keine Berührungsängste gegeben." Nur bei einer Sache verstanden die Gäste keinen Spaß: "Fotos machen durften wir nicht. Das war das einzige Nogo."

"Ganz leger"


Schwer beeindruckt hat den Feuerwehrler ein Erlebnis beim Mittagessen. "Am Montag hat sich Oliver Stone mit seiner Frau einfach bei uns mit an den Tisch gesetzt." Da seien die Oberpfälzer doch überrascht gewesen. "Ganz leger" sei es auch am darauffolgenden Tag zugegangen, an dem Snowden-Darsteller Joseph Gordon-Levitt Geburtstag hatte. "Der ist mittags mit einer großen Schüssel Tüteneis rumgegangen und hat an alle etwas verteilt. Wir haben ihm dann auch gratuliert."

200 bis 250 Personen, schätzt der Feuerwehrmann, hätte das Filmteam wohl gezählt. "Kamera, Kamerawagen, da war alles mit dabei. Zum Teil wurde mit einer Drohne gefilmt." Auch Bürgermeister Krieger erstaunte die "unwahrscheinliche Logistik vor Ort". Die Filmaufnahmen seien noch im Wald professionell bearbeitet und geschnitten worden. "Die hatten die ganze Studiotechnik mit dabei. Das war schon beeindruckend."

Was letzten Endes beim Dreh im Oberpfälzer Naturschutzgebiet herausgekommen ist, haben weder Bürgermeister Krieger noch Feuerwehrkommandant Ziegler bislang gesehen. Das wollen sie aber bald nachholen: Beide planen für die nächsten Tage einen Kinobesuch.

Am Montag hat sich Oliver Stone mit seiner Frau einfach bei uns mit an den Tisch gesetzt.Peter Ziegler, zweiter Kommandant der Feuerwehr Bodenwöhr


Bavaria statt HollywoodOliver Stone ist seit langem bekannt für politische und gesellschaftskritische Filme. Die Geschichte des ehemaligen US-Geheimdienstlers Edward Snowden, der im Jahr 2013 Tausende geheime Dokumente an die Presse weitergab, brachte er im Herbst 2016 unter dem Titel "Snowden" in die Kinos.

Amerikanische Studios hatten Stones Drehbuch abgelehnt. Ein Großteil der Dreharbeiten, die im Februar 2015 in den Bavaria Studios begannen, fand daher in München statt. Zudem wurde an Originalschauplätzen in Hongkong und in den USA gedreht. Der Film-FernsehFonds Bayern förderte "Snowden" mit rund 1,6 Millionen Euro.

Für den Teil des Films, der Edward Snowdens militärische Ausbildung beleuchtet, suchte man ein Gelände mit kargem Bewuchs und Nadelwald. Der ehemalige Standortübungsplatz der Bundeswehr östlich der Gemeinden Bruck und Bodenwöhr bot dafür optimale Bedingungen. Beim Kinostart in den USA blieb "Snowden" hinter den Erwartungen zurück. Mit einer eingespielten Summe von acht Millionen Dollar (7,2 Millionen Euro) schaffte es der Film am ersten Wochenende lediglich auf den vierten Platz der nordamerikanischen Kinocharts. Es sei bislang der schlechteste Start eines Oliver-Stone-Films, berichtete der "Hollywood Reporter".

In Deutschland erreichte der Polit-Thriller in den ersten vier Tagen ebenfalls nur Rang sechs der Kino-Hitparade. (m)
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