Drei Oberpfälzer Teilnehmer erzählen von ihren Auftritten bei der Unterhaltungsshow
"Wetten, dass..?": Ohren, Würfel und die Zunge

Thomas Gottschalk schätzt gute Lektüre und greift deshalb auch mitunter zum „Neuen Tag“. Bild: Kunz
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Bayern
11.12.2014
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Ein Wagemutiger, der mit seiner Zunge Süßstofftabletten aus Mausefallen fischt. Ein Ohrwaschl-Akrobat und einer, der mit einem Becher und ein paar Würfeln wahre Kunststücke vollbringt. Genau solche positiv-verrückten Typen zog "Wetten, dass..?" schon immer an. Die drei Oberpfälzer Teilnehmer erinnern sich an ihre Auftritte.

Von einer Schnapsidee zum Wettkönig. So ist es wohl vielen Kandidaten von „Wetten, dass..?“ ergangen. Der Thonhausener (Landkreis Amberg-Sulzbach) Harald Ebenhöch ist einer davon. 2009 fischte er innerhalb von 90 Sekunden Süßstofftabletten aus 50 Mausefallen und eroberte so die Herzen der Fernsehzuschauer. Heute gesteht er: „Fakt war, ich habe die Wette weggeschickt und noch nicht mal gewusst, wie es geht.“

Also übte er fleißig. Fünf- oder sechsmal habe es geknallt auf der Zunge, verrät Ebenhöch: „Anfangs ist es schon heftig. Geblutet habe ich einmal ein bisschen aus der Lippe. Am meisten weh tut allerdings die Zunge. Da merkt man, dass da die meisten Nerven drinnen sind.“


Harald Ebenhöch schaffte es mit seiner Zungenfertigkeit zum Wettkönig. Bild: Gold

Der 42-Jährige erinnert sich noch gut an die Show in Offenburg. Einige Stars waren da. Tom Cruise etwa. Über Peter Maffay sagt Ebenhöch: „Das ist ein ganz lockerer Typ, mit dem man auch hinterher reden kann.“ Désirée Nick bezeichnet der Oberpfälzer hingegen als kühl und distanziert.

Für den langjährigen Moderator der Sendung hat Ebenhöch nur Lob übrig: „Thomas Gottschalk ist wirklich so, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Ich glaube nicht, dass er sich verstellt. Er ist zu den Leuten hinter der Bühne genauso, wie vor der Kamera.“ Hingegen urteilt er über Markus Lanz: „Da fehlt das Charisma. Lanz ist sicherlich menschlich in Ordnung. Er bringt das aber nicht authentisch und glaubhaft rüber.“

Harald Ebenhöchs AnekdoteVerrückte Geschichten schreibt das Leben. Eine davon hat uns Harald Ebenhöch anvertraut. Nachdem er 2009 Wettkönig wurde, wollten viele den Trick mit den Süßstoff-Tabletten aus nächster Nähe sehen. So auch, als der 42-Jährige nach Altötting pilgerte und mit Bekannten Quartier auf einem Bauernhof bezog. Um das zungen-akrobatische Kunststück vorzumachen fehlte allerdings eine Mausefalle.

Also machte sich einer der illustren Runde auf den Weg zum Nachbargebäude – ebenfalls ein Bauernhof –, um sich das notwendige Utensil zu besorgen. Aufgrund der ungewöhnliche Bitte kam schnell der Verdacht auf, dass sich Ebenhöch in der Nähe aufhalten müsse. Denn zufälligerweise machte ein Freund des Wettkönigs auch Rast, der später zum 42-Jährigen sagte: „Ich habe genau gewusst, dass du da sein musst.“


Tobias Berger und der Trick mit dem Ohrwaschl


Es gibt Linkshänder. Es gibt Linksfüßer. Und es gibt Tobias Berger aus Hirschau, der ganz klar sein linkes Ohrwaschl als sein starkes bezeichnet. Denn mit beiden ist der 37-Jährige in der Lage, wahre Kunststücke zu vollbringen. Mit dem rechten eben besser. Die Tricks sind so gut, dass er es 2011 sogar in die Sendung „Wetten, dass..?“ schaffte.

Mit seinem Ohr schnalzte Berger 15 Kronkorken von Bierflaschen in Gläser – innerhalb von 88 Sekunden. Zwei Minuten hätte er Zeit gehabt. Mit dem ungewöhnlichen Trick schaffte er es auf Platz zwei. Zum Wettkönig reichte es nicht, weil ein anderer Teilnehmer in Handstand-Position mit den Füßen Glühbirnen eindrehen konnte.

Teilnahme "ein Traum"


Trotzdem, für den Gottschalk-Fan war die Teilnahme „ein Traum“. Nur von seiner Wettpatin Campbell war er enttäuscht. „Sie war angespannt und arrogant“, urteilt Berger. Dafür habe ihn Maria Furtwängler gefragt, ob sie sein Ohr anfassen dürfe, erzählt der Hirschauer stolz.


Wer sein Ohr kontrolliert schnalzen lassen kann, hat einen Auftritt bei "Wetten, dass...?" sicherlich verdient. Tobias Berger aus Hirschau präsentierte sein Kunststück 2011 in der Sendung. Bild: Gold

In der Sendung, in der Berger seinen großen Auftritt hatte, gab Gottschalk seinen Rücktritt bekannt. „Er hat das bis zum Schluss geheim gehalten“, berichtet der 37-Jährige, der erst am nächsten Tag realisiert habe, was da passiert sei.

Dass die Unterhaltungsshow nun abgesetzt wird, findet er „sehr, sehr schade“. Das liege aber sicherlich mit der großen Konkurrenz zusammen, „Supertalent“ etwa, oder andere Casting-Shows. In Erinnerung bleiben Berger, die gigantischen Baggerwetten, Thomas Gottschalk und natürlich sein eigener Auftritt.




Joachim Fertsch begeistert mit Becher und Würfel


Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Joachim Fertsch richtig heiß darauf war, in "Wetten, dass..?" aufzutreten. "Ich wollte in der Sendung sein und richtig reinhauen", verrät er. Deshalb hat er sich mehrmals beworben. Er rief sogar rund ein Dutzend Wettkönige an, um zu erfahren, wie sie es in die Show schafften.


Joachim Fertsch kann es immer noch. Der Teunzer schaffte es mit Becher und Würfeln vor 18 Jahren zum Wettkönig. Bild: Christian Gold

1996 durfte der 52-Jährige aus Teunz schließlich Thomas Gottschalk und Millionen Fernsehzuschauer seinen Würfeltrick vorführen. "Dice Stacking" lautet der Fachbegriff. Dabei handelt es sich um ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem mit einem Becher mehrere Spielwürfel von einer flachen Oberfläche, aufgenommen werden. Die Fliehkraft verhindert, dass die Würfel runterfallen. Anschließend wird der Becher kopfüber auf den Tisch gestellt, sodass die Würfel wie ein Turm übereinander gestapelt zu liegen kommen.

Fertsch vollbrachte das Kunststück mit fünf, sieben und schließlich neun Würfeln. Der Auftritt kam so gut an, dass der Teunzer mit 63 Prozent Wettkönig wurde. Auch heute päsentiert er noch stolz seinen Trick und zeigt die aus Apfelholz angefertigten Becher, die Fertsch sein Eigen nennt.




Eine "Spaß-Show" geht zu Ende


Von Helmut Kunz

„Man kann ‚Wetten, dass..?‘ viel hinterher sagen, kann es immer kritisieren. Aber es geht doch nicht ums Rentengesetz. Es geht um eine Spaß-Show“, pflegte Thomas Gottschalk einmal zu sagen. Am Samstagabend geht die Ära der großen deutschen Samstagabendshow zu Ende. In Nürnberg wird das letzte Flaggschiff des deutschen Fernsehens, „Wetten, dass..?“, versenkt. Die Sendung hat sich überlebt. Das Publikum ist ermüdet. Die großen Stars bleiben aus. Zuletzt stand die Sendung unter enormen Druck.

Für jemanden wie Alexander Grundler, der im März 2002 vier Tage lang als Lichtdouble im Vorfeld der Show mitwirken durfte, ist das kommende Wochenende allerdings schon mit großen Emotionen behaftet. Er will sich die letzte Ausgabe unbedingt ansehen. „Gerade erst habe ich wieder in einem alten Karton gewühlt und ein Autogramm von Celine Dion herausgezogen.“

Die kanadische Sängerin hatte ihm vor zwölf Jahren in München nach den Proben seinen „Backstage-Pass“ signiert. „Ich hatte gerade nichts anderes zur Hand, habe ihn ihr hingehalten und sie hat’s getan“, strahlt er noch heute. Grundler war einst vom ZDF angeheuert worden, um für Kameras und Beleuchtung in die Rollen von Armin Müller-Stahl und eines Musikers aus der Joe-Cocker-Band zu schlüpfen.

Lockerer Umgang untereinander


Wir hatten Gelegenheit, den Weidener Behindertenbeauftragten, in seiner Funktion als Moderator des damals so erfolgreichen ARV-Projekts „Kino für Behinderte“ zu begleiten. Wir waren mit ihm von Mittwoch bis zur Livesendung im Messezentrum und durften dort einen Blick hinter die Kulissen werfen. Ein Privileg, das anderen Medien verwehrt blieb. „Wetten, dass…?“ hat sich immer mit einem Kokon umgeben.


Alexander Grundler durfte Thomas Gottschalk hautnah erleben. Bild: Helmut Kunz

„Besonders beeindruckt hatte mich die Art, wie Regisseur Sascha Arnz mit den Dingen umgegangen ist. Auf der einen Seite ganz besonders, auf der anderen vollkommen unspektakulär.“ Der Umgang untereinander sei sehr locker gewesen. „Selbst die Stars, wie Joe Cocker, Rod Stewart oder Effenberg haben sich extrem natürlich gegeben.“ Mit einer Ausnahme: Britney Spears.
„Die ist mir durch ihre Sonderwünsche in Erinnerung geblieben. Da musste doch am späten Samstagnachmittag noch kurzfristig ein kompletter Bürocontainer aus- und umgeräumt werden, weil der jungen Diva der Weg zur Bühne sonst zu weit gewesen wäre.“ Aber selbst solche Allüren wurden vom ZDF mit einem Schmunzeln erledigt.

Man muss nämlich wissen, dass je nach Halle direkt hinter der Bühne, wie hier in München, oder in einem Nebentrakt ein kleines Containerdorf aufgebaut ist für Catering, Büros, Technik und Stargarderoben. Dort wird geplaudert, sogar Ball gespielt. Schließlich arbeiten für eine „Wetten, dass…?“-Show 300 Leute. Bis zum Ende der Ära Gottschalk wurden alle Dekos für die Musikacts von Hand angefertigt. Da wurde noch bis kurz vor der Live-Sendung gehämmert und gepinselt.

Erinnerung an die vielen Gummibärchen


Heute benutzen die Fernsehleute eine Videowand, wie in allen anderen Shows auch. Grundler erinnert sich an die vielen Gummibärchen, die jeden Tag nachgefüllt wurden. „Mein Lebensbedarf wurde damals gedeckt.“ Grunder lacht: „Ich glaube, dass der Untergang von ’Wetten, dass..?’ damit begonnen hat, dass es keine Gummibärchen mehr gibt.“

Die 48 Meter breite Bühne ist übrigens dreigeteilt. Im Mittelbereich tummeln sich die Gäste, links finden die Auftritte der Musiker statt und rechts die Wetten. Wetten und Wettkandidaten lernt der Moderator, so unsere Erfahrung, erst am Donnerstagabend kennen, wenn er zum Team stößt. Erst jetzt erfährt er, wie die Apparaturen funktionieren, wie Kandidaten drauf sind. Denen wird während ihres viertägigen Aufenthalts vor Ort jede Angst vor der Kamera genommen. Samstagnachmittags wird sogar ein Familienausflug in die jeweilige Stadt organisiert. So war es jedenfalls damals.

Mit den Promis bespricht sich der Moderator ebenfalls am Samstag in seiner Garderobe. Dort werden die Feinheiten abgestimmt, die während der Show zum Tragen kommen sollen. Eventuelle Vorlieben, neue Filme, neue Platten. Gottschalk war bei den Proben super drauf, nahm sie nicht so bierernst, eher spielerlisch mit viel „Blabla“. Rhetorisch explodierte er dann erst während der Live-Sendung.

"Gottschalk ist ein Improvisationsgenie"


Die Show beginnt aber schon 15 Minuten bevor „Wetten, dass..?“ auf Sendung geht. Wie Gottschalk kommt auch Markus Lanz eine Viertelstunde früher, plaudert mit prominenten Gästen in der ersten Reihe und mit dem Publikum, zieht sich dann kurz zurück, um unmittelbar darauf nach der Eurovisions-Hymne sofort wieder über die Treppe auf die Bühne zurückzukehren.
Für Grundler war Gottschalk ein begnadeter Moderator, dem weder Frank Elstner, noch Wolfgang Lippert oder Markus Lanz das Wasser reichen konnten und können. Lanz komme zwar beim Hallenpublikum gut an, bringe das aber nicht auf den Bildschirm. Er sei aber ein hervorragender Talker. Gottschalk ist ein Improvisationsgenie. Wie er hat doch einmal gesagt: „Ich habe Sendungen gemacht mit Schwarzenegger, Gorbatschow, Sting und Hugh Grant auf der Bank. Das ist die Traumbesetzung, was die Prominenz betrifft. Aber es entstand keine Chemie zwischen den Gästen“. Manchmal stimmten die Wetten, aber die Prominenten nicht. „Ich brauche eine Quasselstrippe neben dem Spaßvogel. Ich liebe es dann, Ping Pong zu spielen.“

Ein Verlust, jede Wette


Angemerkt von Christopher Dotzler

Heute stirbt mit „Wetten, dass..?“ ein Stück deutsche Fernsehgeschichte. Dass die Sendung abgesetzt wird, ist die Folge schlechter Quoten und einem geänderten TV-Konsumverhalten.

Sender locken die Zuschauer mit „Supertalent“, „Voice of Germany“ oder „Schlag den Raab“. Zudem suchen junge Menschen ihre Inhalte gezielt. Online-Dienste – Amazon, Watchever oder Maxdome – bieten Filme und Serien zu jeder Tages- und Nachtzeit auf Abruf. Verrückte Typen und Skurriles aller Coleur gibt es mit wenigen Klicks auf Youtube zu sehen. Da können überholte Formate, auch „Wetten, dass..?“, nicht mithalten. Hollywood-Stars auf der Couch zu haben, mag noch etwas Besonderes sein. Allerdings gibt’s die Auftritte als Zusammenschnitt in der Mediathek – was den meisten genügt.

Trotzdem bleiben den Oberpfälzern vor allem die kreativen Teilnehmer aus der Region in Erinnerung. Der Thonhausener Harald Ebenhöch, der mit seiner Zunge Süßstofftabletten aus Mausefallen fischt. Oder Tobias Berger aus Hirschau, der mit seinem Ohr gezielt Kronkorken durch die Gegend schnalzen kann. Die Absetzung ist gerade wegen solcher Originale ein Verlust für die deutsche Fernsehkultur – jede Wette.