Eigene Ideen durchsetzen

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Bayern
31.01.2015
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Mitarbeiter haben oft gute Ideen - etwa um Prozesse zu optimieren oder Produkte zu verbessern. Doch der Geistesblitz allein ist oft nicht genug. Mancher gute Vorschlag wird nie Realität. Es kommt darauf an, ihn richtig zu verkaufen.

(dpa/tmn) Gute Ideen zu haben, ist das eine. Sie im Betrieb umzusetzen, ist oft eine ganz andere Geschichte. Denn nicht in jeder Firma gibt es ein professionelles Ideenmanagement. Das sind standardisierte Verfahren, um Verbesserungsvorschläge einzureichen. Das kann etwa ein spezieller Briefkasten sein, in dem Ideen gesammelt werden. Ohne sie geraten manche Geistesblitze in Vergessenheit, und eine ineffiziente Praxis wird trotz besserer Ideen beibehalten. Das ist schade. Häufig müssen Mitarbeiter ihre Vorschläge nur geschickter verkaufen.

"Wichtig ist zunächst, den Vorschlag aus verschiedenen Perspektiven zu sehen", sagt Management-Beraterin Cornelia Topf aus Augsburg. Ein Mitarbeiter sollte die Idee etwa mit einem Kollegen durchsprechen und sie so weit entwickeln, dass er sie gut formulieren kann. Begreift der Chef den Vorschlag nicht sofort, ist die Idee schon fast gestorben. Wichtig ist außerdem, den Nutzen des Vorschlags aufzuzeigen. Jede gute Idee bringt Veränderung mit sich - davor haben viele Leute erst einmal Angst.

Sinnvolle Argumente

Eine neue Idee werde am besten so verkauft, dass sie die Bedürfnisse des Vorgesetzten erfüllt, sagt Manuel Tusch. Er ist Professor für Psychologie in Köln und selbstständiger Coach. "Wenn die Chance besteht, dass Ruhm und Glanz auf ihn abfärben, wird er Feuer und Flamme sein." Er empfiehlt, finanzielle Vorteile aufzuzeigen. Eine gewisse Frustrationstoleranz müsse allerdings jeder Mitarbeiter mitbringen, ergänzt Topf. Nicht jede Idee setzt sich durch. "Da muss man nicht gleich mit der inneren Kündigung reagieren." Besser sei, darzustellen, wo eine ähnliche Idee schon funktioniert hat.

Zunächst gilt es, sich zu überlegen, in welcher Form dem Chef eine Idee verkauft werden soll. "Visualisierungen erreichen den Gegenüber mehr als nur gesprochene Worte", erklärt Evi Penzenstadler. Sie ist eine der Gründerinnen der Münchner Führungswerkstatt. Auch das Timing entscheidet über den Erfolg. Mitarbeiter sollten einen Gesprächstermin vereinbaren, sich einen guten Einstieg überlegen und eine sinnvolle Argumentationskette aufbauen. Ein solches Gespräch fällt am besten nicht in eine Zeit großer Unruhe, wenn zum Beispiel Entscheidungen anstehen oder Mitarbeitergespräche geführt werden.

Schnell gibt es aber noch ein anderes Problem mit guten Vorschlägen: Beraterin Topf nennt es einen "Ritt auf der Rasierklinge", mit einer guten Idee die Autorität des Chefs nicht zu untergraben, gleichzeitig aber als deren Urheber wahrgenommen zu werden. In manchen Situationen sei es sinnvoll, dem Chef die Idee so zu verkaufen, dass er glaubt, es sei seine eigene.

Wenn es dem Mitarbeiter allerdings darum geht, selbst etwas davon zu haben - etwa Anerkennung oder einen Bonus - muss er sich stärker in den Vordergrund stellen. Psychologe Tusch rät, alles schriftlich festzuhalten. "So ist im Nachhinein belegbar, woher der Wind wehte." Eine Alternative kann sein, andere Mitarbeiter in die Pläne miteinzubinden. So ist transparent, von wem welcher Vorschlag stammt.

Entscheidung akzeptieren

Wenn ein Vorgesetzter gegen neue Ideen mauert, sollte der Mitarbeiter herausfinden, an welcher Stelle ihm der Vorschlag missfällt. "Man muss versuchen, die Sicht des Chefs zu verstehen", sagt Beraterin Penzenstadler. Mitarbeiter könnten ihre Idee im Zweifel in einer leicht veränderten Form erneut vorschlagen.

Wenn sich der Chef nicht umstimmen lässt, müssen Arbeitnehmer die Entscheidung akzeptieren. "Wenn ein Mitarbeiter seinen Chef in dieser Situation übergeht, untergräbt er dessen Autorität", erklärt Penzenstadler. Das trage langfristig nicht zu einer guten Arbeitsatmosphäre bei. Eine weitere Möglichkeit ist laut Beraterin Topf, über Bande zu spielen. Möglicherweise lässt sich die Idee auch über einen Kollegen verkaufen, auf den der Chef häufig hört.

Schwieriger wird es, wenn der Vorgesetzte eine Idee als seine eigene verkauft, obwohl sie von einem Mitarbeiter seines Teams stammt: "Es hängt in dieser Situation davon ab, was man bei seinem Arbeitgeber noch vorhat", sagt Tusch. Manchmal lohne es sich, in den sauren Apfel zu beißen und das Spiel mitzuspielen. Wer allerdings nichts zu verlieren hat, könne darauf hinweisen, dass die Idee nicht die des Chefs ist.

Penzenstadler rät allerdings davon ab, es in Meetings zum Eklat kommen zu lassen. Besser sei, nach dem Treffen unter vier Augen mit dem Vorgesetzten zu sprechen. Angriff sei keine gute Methode: "Man sollte die Idee loben und den eigenen entscheidenden Anteil daran herausstellen." Mitarbeiter könnten an dieser Stelle einfordern, bei der nächsten Präsentation eine aktive Rolle zu übernehmen.

Suche nach Investoren

Wer eine so brillante Idee hat, dass sie sich zu Geld machen lässt, sucht sowieso besser nach Investoren. "Als Angestellter profitiert man ja nur zum Teil von der eigenen Idee, die im Namen und für die Firma entwickelt wird", sagt Tusch. Wer sich mit seinen Ideen im Unternehmen durchsetzen will, muss den Erfolg eines Vorschlages immer wieder herausstellen. Dann kann sich eine gute Idee auszahlen - in Form von Boni, bei Gehaltsverhandlungen oder wenn Beförderungen anstehen.
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