Eilmeldung [Aktualisierung]
Leichenteile stammen von Peggy

Polizeibeamte mit Suchstöcken auf einer Verbindungsstraße zwischen Rodacherbrunn in Thüringen und Nordhalben in Bayern. Bild: dpa
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Bayern
04.07.2016
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Aktualisierung: 5.7.2016:Die in einem Waldstück in Thüringen gefundenen Knochenreste stammen sicher von der vermissten Schülerin Peggy. Dies habe ein DNA-Abgleich ergeben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera am Dienstag.

Rechtsmediziner in Jena hatten die Leichenteile untersucht. Bereits am Montag hatten die Ermittler erklärt, dass die Skelettteile «höchstwahrscheinlich» von der seit mehr als 15 Jahren vermissten Schülerin stammen.

Peggy war am 7. Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Seitdem fehlte von dem Mädchen jede Spur. Am Samstag entdeckte ein Pilzsammler in Thüringen die Knochen - etwa 15 Kilometer vom Heimatort des Mädchens im oberfränkischen Lichtenberg entfernt. In dem Waldstück fanden die Ermittler daraufhin auch mehrere Gegenstände, die auf Peggy hindeuten.

Offen ist, ob das Rätsel um Peggys Tod ganz geklärt werden kann. 2002 hatten die Ermittler einen geistig behinderten Mann als Tatverdächtigen präsentiert. Er habe Peggy ermordet, um zu vertuschen, dass er sie sexuell missbraucht habe, hieß es damals. Der Mann wurde 2004 als Peggys Mörder verurteilt, 2014 jedoch in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

Was bisher geschehen ist:

Im Mai 2001 verschwand die neunjährige Peggy nach der Schule. Seitdem gab es viele Spuren, doch alle liefen ins Leere. Nun wurden Knochen in einem Wald entdeckt.

Lichtenberg. Was wurde nicht schon alles unternommen, um die verschwundene Peggy Knobloch zu finden. Wochenlang wurde im Mai 2001 nach der Neunjährigen aus dem oberfränkischen Lichtenberg gefahndet. 2013 baggerten die Ermittler einen Hinterhof aus. Und im Jahr darauf öffneten sie sogar das Grab einer 81-Jährigen, weil man das tote Mädchen dort vermutete. Taucher suchten in einem See. Ein Mann wurde als Mörder verurteilt und dann freigesprochen, ein anderer verdächtigt. Alle Spuren führten ins Leere. Am Wochenende vielleicht ein neuer Hinweis: Ein Pilzsammler entdeckte in einem Wald in Thüringen Skelettreste.

Für die Polizei ein Großeinsatz: Ein Spaziergänger hatte die Knochen am Samstag in einem Wald zwischen dem thüringischen Rodacherbrunn und dem bayerischen Nordhalben gefunden. Beim Pilzesammeln. Noch am Montag war das Gebiet rund um den Fundort abgesperrt - rotweißes Flatterband zwischen Bäume gespannt. Ringsum Polizeibeamte, die den Wald an diesem sonnigen Sommertag mit langen Stangen durchsuchen.

Sollten die Knochenreste von Peggy stammen, wäre die Hoffnung zerstört, sie könnte noch am Leben sein, irgendwo. Und gleichzeitig wäre ihr Schicksal endlich gewiss. "Das lastet natürlich immer noch schwer auf dem Ort, so ein ungeklärter Kindesmord ist natürlich nichts Gutes", sagte der parteilose Bürgermeister des oberfränkischen Ortes, Holger Knüppel, der Deutschen Presse-Agentur. Auch Knüppel will nicht vorschnell Schlüsse ziehen: "Solange wir nicht genau wissen, was jetzt im Zuge dieser neuen Ermittlungen rauskommt, würde ich jetzt auch keine neuen Prognosen abgeben wollen".

Besonders schlimm ist die seit 15 Jahren dauernde Ungewissheit für Peggys Mutter Susanne Knobloch. Am 7. Mai 2001 war das Mädchen nicht von der Schule nach Hause gekommen. "Wichtig ist einfach für mich, dass die Kripo meine Tochter findet", sagte Knobloch im Juni 2015 in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst". Ihr größter Wunsch: "Dass wir überhaupt wissen, was passiert ist, dass wir einfach mal zur Ruhe kommen."

Bis heute rätselt die Mutter, was mit ihrer Tochter geschah, die so fröhlich und lustig war, vielleicht ein bisschen vorlaut, die ihr oft Blumen mitbrachte. Und die an diesem Tag nicht in die Schule wollte, sogar auf dem Weg kurz noch mal umkehrte und die Mutter mit den Worten umarmte: "Ich hab dich lieb". Ein kurzes Innehalten im üblichen Morgenstress: "Ich hab dich auch lieb und jetzt beeil dich aber". Letzte Worte, über die Knobloch bis heute nachsinnt: "Es vergeht kein Tag, wo ich nicht an sie denke, wo ich darüber nachdenke, was wäre wenn ... ."





Vermisste KinderMehr als 100 000 Kinder und Jugendliche werden nach Angaben der "Initiative Vermisste Kinder" allein in Deutschland jährlich als vermisst gemeldet - in den allermeisten Fällen tauchen sie wieder auf. Doch manche Schicksale wie das der Schülerin Peggy aus Oberfranken bleiben lange ungeklärt:

Am 2. Mai 2015 verschwand die fünfjährige Inga aus Schönebeck in Sachsen-Anhalt. Inga war zum Holzsammeln in den Wald gegangen und kehrte nicht zurück. Direkt nach ihrem Verschwinden durchsuchten 1000 Helfer mehrere Tage lang ein Waldstück. Die Ermittler fahnden bundes- und europaweit nach Inga.

Neun Jahre nach dem mysteriösen Fall gibt es noch immer keine Spur von Madeleine McCann aus Großbritannien. "Maddie" verschwand im Alter von drei Jahren im Mai 2007 aus der Ferienwohnung in Portugal, während die Eltern im Restaurant waren.

Am 7. Mai 2001 verschwindet die neunjährige Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule. Wochenlange Suchaktionen bleiben ohne Erfolg. 2004 wird ein geistig behinderter Mann als Mörder verurteilt, 2014 jedoch in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

Im Januar 1999 verschwindet die zehnjährige Hilal in Hamburg. Bis heute fehlt von dem türkischen Mädchen jede Spur. Auch im Fernsehen wurde mehrfach nach dem Kind gefahndet - bisher ohne Erfolg.

Fast 19 Jahre nach dem Verschwinden der elfjährigen Seike aus Nordfriesland geht die Polizei Anfang 2012 einer neuen Spur nach und durchsucht ein Waldstück - vergeblich. (dpa)
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