Ein ganz langer Weg

Die Dorfgemeinschaft Mühlbühl mit Bürgermeister Theo Bauer und Gemeinderätin Maria Schindler (vorne, Zweiter und Dritte von links), plant eine umfangreiche Erneuerung. Bei der ersten Informationsveranstaltung im Gemeindezentrum stellte Lothar Winkler, Abteilungsleiter vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken (vorne, Vierter von links) die Förderung in Aussicht. Bild: kkl
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Bayern
02.06.2016
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Die Dorfgemeinschaft freut sich - die Dorferneuerung ist auf den Weg gebracht. Die Gemeinde Nagel und die Mühlbühler hatten zu einer Informationsveranstaltung mit Lothar Winkler vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) eingeladen, um sich die Möglichkeiten zur Realisierung des ehrgeizigen Projekts auszuloten.

Nagel/Mühlbühl. Lothar Winkler, Abteilungsleiter des ALE Oberfranken, lobte die Vorarbeit der Dorfgemeinschaft und sagte Bürgermeister Theo Bauer im Gemeindezentrum per Handschlag die Aussicht auf eine umfangreiche Dorferneuerung Mühlbühl zu. Federführend arbeiten Maria und Hans Schindler mit.

"Ein Ortsteil macht sich auf den Weg" begann Maria Schindler ihren Rückblick. Die erste Zusammenkunft habe am 26. November letzten Jahres auf der "Mauth" stattgefunden. Es folgten zwei Dorfbegehungen im Februar und März dieses Jahres, bei der sich die Dorfgemeinschaft ein Bild über den "Ist-Zustand" gemacht hat. Die Frage, warum Mühlbühl eine Dorferneuerung braucht, beantwortete Schindler in einer anschaulichen Präsentation mit Bildern von früher und aus heutiger Zeit.

Die Gründung des Ortsteils auf dem "Milchbühl", in Grenzlage zwischen Nagel und Reichenbach - geht auf das Jahr 1730 zurück. Das Wappen von Mühlbühl zeigt die ehemalige Brauerei und den Schlagbaum der Maut- und Zollstation. Das heutige Erscheinungsbild als "Straßendorf" täuscht, denn Mühlbühl ist eine Streusiedlung gewesen, deren Lücken nach dem Krieg gefüllt wurden. Die Mauth-Brauerei mit ihren ortsbildprägenden Gebäuden, Zollstelle, Garage, Stallung, Metzgerei, Gasthaus mit Wirtsgarten und Freiluft-Kegelbahn ist bis in die 60-er Jahre der größte Arbeitgeber am Ort gewesen. Dem Wirtshaus stand vor der Initiative der Familie Reithmeier der Verfall, bevor. Nach Renovierung und Reaktivierung ist es mittlerweile zu einem Anziehungspunkt geworden.

Ein neues Zentrum


Der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde Nagel beherbergt im ehemaligen Schulhaus das Gemeindezentrum und die Feuerwehr. Wünschenswert sind hier Maßnahmen zur Ausgestaltung eines Zentrums, eines Parkplatzes mit Sitzbänken, Beeten, Brunnen sowie eine Neugestaltung und Zusammenfassung der Informations- und Anschlagtafeln.

Leerstände, die teilweise dem Verfall preisgegeben sind, prägen zunehmend das Erscheinungsbild von Mühlbühl, dessen Ortsdurchgangsstraße bis in die 90-er Jahre mit Leben erfüllt war. Im ehemals prächtigen Bau des Gasthof "Goldener Löwe" mit einem großen Saal, früher Kulturzentrum mit Theater- und Filmvorführungen, sind mehrere Nutzungsmöglichkeiten denkbar. "In Mühlbühl hat sich das Leben sehr beruhigt", stellte Maria Schindler fest. Bis in die 60-er Jahre habe es sechs Lebensmittelgeschäfte, zwei Metzgereien und zwei Bäckereien gegeben.

Die Verlegung der Arztpraxis und der Geschäftsstelle der Sparkasse hätten zur weiteren "Beruhigung" beigetragen. Die Geselligkeit spielte in Mühlbühl schon immer eine Rolle, informierte Schindler. Früher sei es die Hochburg des Nagler Nachtlebens mit fünf weiteren Lokalen, "Rote Laterne", "Fesche Katz", "Café Orential" mit Unterwasserbar und "Sputnik" mit Spiegeltanzfläche gewesen. Heute ist der Ortsteil eine Hochburg der Vereinsheime. Die von der Staatsstraße abzweigenden Ortsstraßen (Fronweg, Erllohe, Hirtweg, Wiesenweg, Weidenbergweg, Ringweg, Am Schlag) bieten Einheimischen und Gästen einen erbärmlichen Anblick. Auch lässt der enge Straßenraum teilweise keinen Gegenverkehr zu. Es gibt kaum Laternen, und die sind auch noch oberirdisch verkabelt.

Straßen unansehnlich


Die Einmündungsbereiche der Gemeindestraßen müssten ansehnlicher gestaltet werden, damit Durchreisende zum Verweilen eingeladen werden. Als Fazit und Hauptargument nannte Maria Schindler die bereits in Nagel und Reichenbach mit öffentlichen Geldern ausgeführten ortsbildverschönernden Maßnahmen. "Wir fühlen uns als Stiefkind", so Schindler. Ein runderneuertes Erscheinungsbild mit der Schaffung touristischer Angebote würde die Attraktivität der gesamten Gemeinde erhöhen. (Hintergrund)

Wunschliste der längeren Art

Nagel(Mühlbühl. (kkl) Ein Wunsch zur Dorferneuerung ist ein weiterer Stellplatz für die Feuerwehr sowie eine Bühne am Saal des Gemeindezentrums für den Ausbau des kulturellen Angebotes. Weitere Wünsche der Dorfgemeinschaft sind die Befestigung und Gestaltung eines Festplatzes als traditionelle Kirwa-Wiesn, die Nutzung eines leerstehenden Gebäudes als Mehrgenerationenhaus, die Wiederbelebung der Leerstände wie eine Renovierung des Gasthofes "Goldener Löwe" als Heim für Senioren, als Kommunbrauhaus oder als Mehrgenerationenhaus. Auf der Liste stehen auch die Schaffung von Kinderspielplätzen in Untermühlbühl und oberhalb des Gemeindezentrums, die Belebung des Mauthweiher-Areals und die Planung landwirtschaftlicher Wege. Touristische Maßnahme wären die Gestaltung der "bayerisch-preußischen Grenze" mit Schlagbaum und Zollhäuschen und die Aufarbeitung des Geschichtskrimis vom "Schmiedmatzengirgl". Ein Museum zur Dokumentation des für Deutschland einmaligen Hausierergewerbes schwebt den Mühlbühlern vor. Zur Verdeutlichung der Ortsgeschichte sollten die Hausnamen aktiviert werden. Auch einen "Marterlweg" könnte man schaffen.

Die Dorfgemeinschaft hat mit regelmäßigen Planungstreffen, Ortsbegehungen sowie Kaffee- und Kuchenangebot beim Gartenfest des Stammtisches "Untermichbühl" angefangen zu arbeiten. Ein Adventsmarkt ist für den 3. Dezember geplant. Weiter sind Baumpflanzungen, Rama-dama-Aktionen, ein Dorf- oder Straßenfest sowie ein Tag des offenen Betriebes angedacht.

Lothar Winkler vom ALE war von der Leistung der Dorfgemeinschaft überrascht und lobte: "Die Arbeit im Vorfeld sucht seinesgleichen." Er wies darauf hin, es seien verschiedene Kriterien zu beachten und zählte Musterbeispiele wie Bad Alexandersbad und Haag bei Marktredwitz auf. Die Nennungen der Dorfgemeinschaft Mühlbühl seien im Rahmen der Dorferneuerung förderfähig. Jedoch gehe es bei einer Dorferneuerung um Gestaltung, nicht um Straßenerneuerungen oder Straßenbeleuchtung.

Winkler zählte drei Möglichkeiten auf, um eine umfassende Dorferneuerung zu bekommen. Das EU-Förderprogramm mit einer Laufzeit bis 2020 und Antragsstellung bis Ende Mai oder November, die einfache Dorferneuerung, bei der die Planung einer Einzelmaßnahme im Herbst beginnen könne und die umfangreiche Dorferneuerung mit einer möglichen Planung im ersten Halbjahr 2017. Letzteres sei möglich, da eine andere Gemeinde abgesprungen sei.

Erfreut bat Bürgermeister Theo Bauer sofort, um dies festzuhalten, für die Besiegelung per Handschlag mit Lothar Winkler. Die Dorfgemeinschaft zeigte ihre Freude mit spontanem Applaus. Voraussetzung sei jedoch die Fortschreibung des Arbeitsprogramms des ALE im Herbst, so Winkler. Als weitere Schritte nannte der Fachmann nun die Vorbereitungsphase mit Hilfe eines Planungsbüros, die Präsentation und der Beginn der Dorferneuerung. Zur Vorbereitung sei laut Winkler ein Startseminar mit rund 15 Bürgern in Klosterlangheim im nächsten Jahr nötig. Es seien sechs bis acht Jahre für die Maßnahme einzurechnen. Winkler hofft, dass der Landtag die 90-Prozent-Regelung der Förderung nicht so schnell zurücknimmt. Am Ende der Informationsveranstaltung stellte Lothar Winkler den Gemeindemitgliedern Rede und Antwort auf ihre Fragen.
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