Ein Jahr nach dem Brandanschlag
Vorra wartet auf Flüchtlinge

Eine Menschenkette zieht sich am 14. Dezember 2014 um einen durch einen Brandanschlag zerstörten, ehemaligen Gasthof in Vorra (Kreis Nürnberger Land). Unbekannte steckten damals dort zwei geplante Flüchtlingsunterkünfte samt Nebengebäude in Brand und verhinderten damit erst einmal den Einzug der Asylsuchenden. Archivbild: dpa
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Bayern
11.12.2015
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Die Brandanschläge platzten in die Vorweihnachtsstimmung. Unbekannte steckten vor einem Jahr in Vorra Asylbewerberunterkünfte in Brand. Wer die Täter waren, weiß man bis heute nicht. Aber nun kommen Flüchtlinge.

Vorra. Die Empfangsparty war schon vorbereitet, der Einzug der Asylbewerber nur noch ein Frage von Tagen - und dann kam doch alles anders. Ziemlich genau vor einem Jahr haben Unbekannte im mittelfränkischen Vorra zwei geplante Flüchtlingsunterkünfte samt Nebengebäuden in Brand gesteckt und damit erst einmal den Einzug der Flüchtlinge verhindert. Auch wenn die Kripo bei der Suche nach Tätern noch immer im Dunkeln tappt - bis heute vermutet sie bei der Tat vom 11. Dezember 2014 einen neonazistischen Hintergrund. Die Unbekannten hatten ein Hakenkreuz und die Worte "Kein Asylat in Vorra" an die Außenwand eines Nebengebäudes gesprüht.

Beginn einer Serie


Die offensichtlich ausländerfeindliche Tat katapultierte die kleine Gemeinde im idyllischen Pegnitztal über Nacht in die Schlagzeilen. Was damals entsetzte Politiker und Bürger allerdings noch nicht ahnten: Die brennenden Flüchtlingsheime von Vorra waren nur der Beginn einer traurigen bundesweiten Serie von Anschlägen auf Asylbewerberheime. Nach Angaben von Bayern Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gab es in diesem Jahr 54 Fälle von "politisch motivierter Kriminalität" gegen Asylunterkünfte. Deutschlandweit waren es in den ersten neun Monaten 505 Fälle.

Ein Jahr später soll nach Angaben des evangelischen Pfarrers, Björn Schukat, die ausgefallene Empfangsparty für die nun doch in Vorra einquartierten Asylbewerber nachgeholt werden. "Die Mitarbeiter im Ehrenamtskreis sitzen bereits in den Startlöchern", erzählt er. Denn eine der ausgebrannten Flüchtlingsunterkünfte, das Wohnhaus in der Hauptstraße, ist inzwischen saniert. Der Regierung von Mittelfranken zufolge sollen in das für 18 Asylbewerber gedachte Gebäude Mitte Dezember die ersten einziehen. Seit drei Wochen überwacht ein Sicherheitsdienst das weiß verputzte Wohnhaus rund um die Uhr. Dagegen dürfte der bei dem Anschlag ausgebrannte "Gasthof zur Krone" nach der Behördenplanung erst im April als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung stehen. Dort sollen einmal 52 Asylbewerber unterkommen. Rein äußerlich erinnert kaum noch etwas an die Brandnacht. Das im vorderen Gebäudeteil frisch gedeckte Dach und die beige gestrichene Fassade verleihen dem Gebäude ein gefälliges Aussehen. Im Inneren aber gleicht es noch immer einem Rohbau. Wer in der Frostnacht vom 11. auf den 12. Dezember 2014 die Brandsätze ins Treppenhaus warf, bleibt auch ein Jahr nach der Tat ungeklärt. Am Engagement der Kripo-Sonderkommission liegt es nach Ansicht der Leiterin des Flüchtlingshelferkreises, Elisabeth Peterhoff, nicht. Nach Angaben der Nürnberger Polizeisprecherin Elke Schönwald ging die 20-köpfige Soko 79 Hinweisen aus der Bevölkerung nach und überprüfte rund 1000 Spuren. Zur Soko-Bilanz gehören zudem 1320 Vernehmungen und Befragungen.

Bereitschaft unverändert


Auch dem Bürgermeister der 1700-Seelen-Gemeinde, Volker Herzog (SPD) wäre wohler, die Täter stünden fest. Die fehlende Gewissheit, dass der Täter nicht aus dem Dorf stammt, habe in Vorra zeitweilig zur Verunsicherung geführt, räumt Herzog ein. Inzwischen sei aber längst wieder Ruhe eingekehrt. "Gott sei Dank haben die Verdächtigungen die Gemeinde nicht aufgespalten", sagt er heute. Und die Bereitschaft, in Vorra Flüchtlinge aufzunehmen, sei so groß wie vor einem Jahr.

Dass der oder die Täter aus der Dorfgemeinschaft kommen, schließt auch Pfarrer Schukat aus. In all den Monaten habe es nie Kritik an der Arbeit des Asyl-Helferkreises gegeben. Eher hätten sich zuletzt die Hilfsangebote in der Bürgerschaft verstärkt. Und Dank der zunehmenden Kontakte zu den im Nachbarortsteil Alfalter untergebrachten Flüchtlingen gebe es so gut wie keine Vorbehalte im Dorf, sagt Schukat.
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