Engagierte Plattform sucht bis 13. Juni mehr als 15.000 Abonnenten
Journalisten starten „Krautreporter“

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Bayern
10.12.2015
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Das Ziel ist eindeutig formuliert: genau 900.000 Euro wollen die derzeit 25 Journalisten in genau einem Monat einsammeln, um damit künftig ein Krautreporter-Magazin online zu starten. Krautreporter nennen sie sich, weil insgesamt mindestens 15.000 Abonnenten (Crowd, englisch für „Menge“) die Journalisten mit ihrem jährlichen Beitrag finanzieren wollen. Das weitere Ziel: Ein Magazin mit tiefgründig recherchierten Beiträgen zu allen gesellschaftlich relevanten Themen. Jeder Autor erhält dafür bis zu 2500,- Euro pro Monat. Das Modell ist ähnlich dem niederländischen De Correspondent , einer Plattform, die im letzten Jahr online geschaltet wurde. Im Internet wurde die Idee der „Krautreporter“ von vielen begrüßt. Innerhalb weniger Stunden fanden sich schon mehr als 1000 Unterstützer.



Der Ton bei den „Krautreportern“ ist optimistisch: „Wir kriegen das wieder hin. Mit gutem Journalismus: Reportagen, Recherchen, Porträts und Erklärstücken – jeden Tag! Wir wissen, von was wir reden: weil wir uns mit dem auskennen, über das wir schreiben. Mit der notwendigen Zeit, die es braucht, um eine gute Geschichte zu erzählen. Und den Fakten, die nötig sind, um zu verstehen, was auf der Welt passiert. Ganz in Ruhe.“ heißt es dazu auf der nun freigeschalteten Seite. Die Initiatoren formulieren gleichzeitig sehr konsequent: Sollten die angestrebten 15.000 Abonnenten nicht erreicht werden, wird es die Plattform künftig nicht geben.

Unter den Autoren der „Krautreporter“-Plattform sind einige namhafte Journalisten: Von Theresa Bäuerlein (Neon), Medienjournalist Stefan Niggemeier, Johannes Ehrmann (11 Freunde), Richard Gutjahr (ARD, WDR), Tilo Jung (Jung & Naiv), Christoph Koch (brand eins), der Wehr-Fachmann Thomas Wiegold, TV- und Supermarktexperte Peer Schader (37), bis hin zu Jens Weinreich, der seit Jahren als einer der wenigen Sportreporter sehr investigativen Journalismus betreibt, um nur einige zu nennen. Gemeinsam mit ihren Kollegen versuchen sie nun, was dem niederländischen „De Correspondent“ im letzten Jahr schon gelungen ist. Innerhalb weniger Tage konnten mehrere tausend Abonnenten mit dem Angebot eines tiefgründigen Journalismus überzeugt werden. Die deutschen „Krautreporter“ nehmen sich etwas mehr Zeit, nämlich bis zum 13. Juni 2014.

Deutlich formulieren die Journalisten, was sie nicht wollen: Keine Eilnachrichten, keine Klick-Strecken, keinen PR- und werbefinanzierten Journalismus. Dagegen halten wollen sie mit ausführlichen Porträts und Reportagen, mit politischen Debattenbeiträgen, mit erklärenden Texten zu komplexen gesellschaftlich relevanten Themen. Dafür will sich die „Krautreporter“-Redaktion technisch hochwertig aufstellen: Mit Chefredakteur Alexander von Streit (früher Redaktionsleiter der deutschen „Wired“-Ausgabe) steht ein kompetenter Mann an der Spitze. Die Autoren, so wird beschrieben, werden sich gegenseitig unterstützen. Es wird ein Korrektorat eingerichtet sowie eine Foto-Redaktion. Angeschoben haben die Idee Sebastian Esser (Medienmagazin V.i.S.d.P.) und Philipp Schwörbel, der zudem das Berliner Blog „Prenzlauer Berg Nachrichten“ betreibt.

Für diese in Deutschland neue Form des Online-Journalismus erwarten die Autoren von den Abonnenten einen Betrag von 60 Euro pro Jahr, das sind nur fünf Euro pro Monat. Wer mag, kann natürlich mehr geben. Die Texte sind allen zugänglich, doch nur den Förderern erlauben die „Krautreporter“ dann Einladungen zu Veranstaltungen, oder Kontakt zu den Autoren. Interessant ist, dass auch nur der zahlende Unterstützer in der Lage sein wird, die Beiträge zu kommentieren. „Wir bieten ihnen dafür einen im besten Sinne ausgeruhten Online-Journalismus, der ihnen etwas wert ist. Der aufregend ist, nicht aufgeregt“, schreibt Medienjournalist Stefan Niggemeier.

Vereinzelt wird Kritik geäußert, weil derzeit so wenig Frauen im Redaktionsteam vertreten sind. Den Initiatoren ist das bewusst, wie sie auf Anfrage des Oberpfalznetzes antworten. Man sei bemüht, dies in absehbarer Zeit zu ändern. Berichterstattung und damit Zuspruch erhalten die krautreportenden Autoren seit der Bekanntmachung auch von den Medien. Neben Spiegel-Online berichten auch die Zeit, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Medienmagazine oder auch die Hannoveraner Zeitung über das Projekt. Im Netz vermisst der Nachrichtenaggregator Rivva schon am frühen Nachmittag des Bekanntmachungstages nahezu 600 Tweets, G+-Shares und zahlreiche Blogbeiträge.

Linktipps


Internetseite "Krautreporter"
Internetseite "De Correspondent" (Englisch)
Internetseite "RIVVA"
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