"Entführung" gibt Rätsel auf
Geiselnahme oder Beziehungschaos?

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Bayern
21.06.2016
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München. War es eine Geiselnahme aus unglücklicher Liebe? Ein angeklagter 31-Jähriger hat am Montag vor dem Münchener Landgericht zu den Vorwürfen gegen ihn keine Stellung genommen. Laut Anklage hatte sich der Mann am 2. September 2015 in Dachau zu seinem Opfer in dessen Auto gedrängt und die Frau unter Drohungen gezwungen, mit ihm nach Salzburg zu fahren.

Dort habe die 23-Jährige "in Todesangst" den Angeklagten zu einem Hotel gelotst und ihm Interesse an einer Beziehung vorgegaukelt. Nachdem sie mit ihm geschlafen habe, habe sie ihren Entführer schließlich zur Rückkehr überreden können. Die Vorwürfe gehen auf eine Strafanzeige der jungen Frau zurück. Sie hatte in ihrer damaligen Aussage jede Beziehung zu dem Angeklagten bestritten. Die Verteidigung hingegen geht davon aus, dass eine Liebesaffäre Hintergrund der Fahrt ins Ausland war. Ein SMS-Austausch, der vor Gericht verlesen wurde, erweckte tatsächlich den Eindruck, dass die 23-Jährige sich aus einer Verbindung mit dem Mann lösen wollte. "Ich will von dir weg", schrieb sie unter anderem, und: "Ich schaff das nervlich nicht mehr, du musst mich gehen lassen." Er schrieb ihr: "Ich werde dich sehr vermissen, ich habe dich sehr lieb."

Bei einem Halt unterwegs an einer Tankstelle war niemandem eine für die Frau bedrohliche Situation aufgefallen. Ebenso sah auch in dem Hotel keiner Anlass für ein Einschreiten. Das geht aus Vermerken hervor, die zum Prozessauftakt verlesen wurden.
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