Es muss im Kopf "klick" machen

Rauchen ist eine Gewohnheit. Und es ist überhaupt nicht schwer damit aufzuhören.
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Bayern
22.03.2016
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Früher war Rauchen mit Entspannung verbunden, erschien "cool". Mittlerweile sind sich die meisten der gesundheitlichen Risiken bewusst. Doch wie gelingt das Aufhören? Antworten gab Hildegard Kern.

Marktredwitz. Die Heilpraktikerin sprach in der Vortragsreihe "Treffpunkt Klinikum" in den Häusern Selb und Marktredwitz. Mit dem in Kraft tretenden europaweiten Raucherschutzgesetz, so die Referentin, würden zwei Drittel aller Zigarettenpackungen mit abschreckenden Bildern, zum Beispiel von Raucherbeinen oder krankhaft veränderten Mundhöhlen, versehen sein. Dass dies nicht viel bringe, sei bereits aus den bisherigen Erfahrungen in den Ländern deutlich geworden, die solche Fotos bereits einsetzen. Dort habe man festgestellt, dass Nichtraucher großes Interesse an den Schreckensbildern zeigen, Gelegenheitsraucher ein wenig und starke Raucher sich einfach ein Zigarettenetui kaufen. "Rauchen ist eine Gewohnheit, oft verbunden mit kleinen Alltäglichkeiten wie einer Tasse Kaffee oder einer Arbeitspause. Und es ist, wenn man weiß wie, überhaupt nicht schwer damit aufzuhören", sagte Hildegard Kern. So sei die körperliche Abhängigkeit vom Nikotin ein Mythos - sonst müsste jeder starke Raucher, der auf der Intensivstation liegt, Entzugserscheinungen zeigen, was nicht der Fall sei. Rauchen oder nicht rauchen - dies entscheide sich mit dem berühmten "Schalter" im Gehirn, das bei einem starken Raucher unglaublich findig sei, Gründe gegen das Aufhören ins Feld zu führen: "Es ist so unglaublich schwer, man wird nur nervös, man nimmt stark zu..."

Positive Bilder


Alles falsch, wusste die Heilpraktikerin. Und: "Auf die positiven Bilder kommt es an!" So habe es keinen Sinn, einem Raucher zu erzählen, wie gefährlich Nikotin sei, denn das wisse er ohnehin schon längst. Die positiven, verlockenden Vorstellungen von einem Leben ohne Rauch seien es vielmehr, die das Unterbewusstsein zum Verbündeten des angehenden Nichtrauchers machen würden: Was mache ich mit der vielen übrigen Zeit, in der ich nicht rauche? Was fange ich mit dem Geld an, das ich plötzlich zusätzlich ausgeben kann (eine Schachtel pro Tag entsprechen etwa 1800 Euro im Jahr)? Wie wird es sein, wenn ich plötzlich wieder besser Luft bekomme und der Sport mir wieder Spaß macht? Wenn sich meine Geschmacksnerven erholt haben? Wenn ich frei von den äußeren Zwängen bin, die mir das Rauchen auferlegt? Mit 30 aufzuhören, bringe 10 Jahre mehr Lebenszeit, mit Anfang 50 immerhin noch etwa sechs Jahre, so die Referentin.

Das Belohnungszentrum im Gehirn, das nach Nikotin verlangt, könne man auch anders zufriedenstellen, unterstrich Hildegard Kern: So würden Botenstoffe wie Serotonin, das im Volksmund oft als "Glückshormon" bezeichnet werde, einmal zum Beispiel durch Sport ausgeschüttet, etwa zehnmal so lange wirken wie Nikotin.

Drei Monate


Und was ist mit den gefürchteten "Nebenwirkungen" wie Gewichtszunahme oder Nervosität? "Bestimmte Bakterienstämme, die den Stoffwechsel verlangsamen, sind für kurze Zeit aktiver, das pendelt sich jedoch rasch wieder ein", versicherte Kern. Das Herz-Kreislauf-System, unter Nikotineinfluss ständig auf Hochtouren laufend, benötige etwa drei Monate, um sich auf Normalmaß umzustellen.
Rauchen ist eine Gewohnheit. Und es ist überhaupt nicht schwer damit aufzuhören.Hildegard Kern
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