Fabrik nur noch Schutt

Kubikmeterweise "füttern" Bagger einen Riesen-Schredder. Von den Gebäuden der Benker-Fabrik stehen nur noch kleine Reste. Bild: fph
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Bayern
29.01.2016
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Die Abrissbagger haben ganze Arbeit geleistet. Von der ehemaligen Textilfabrik Benker kündet nur noch Bauschutt. Ein Stadtteil ändert sein Gesicht.

Marktredwitz. Wenn es um die einstige Benker-Fabrik geht, verzichtet Alexander Rieß gerne auf Überraschungen. Denn die bedeuten nichts Gutes. Bisher hatte Rieß, der für die stadteigene Stewog (Stadtentwicklungs- und Wohnungsbau GmbH) den Abriss des einstigen Textilbetriebs verantwortet, Glück. "Daher gehe ich davon aus, dass das Gelände bis spätestens Ende April komplett fertig ist. Das Konzert zum Auftakt der BR-Radltour, zu dem wir mehr als 10 000 Besucher erwarten, kann auf jeden hier Fall stattfinden."

Die Abbruchfirma hat bereits fast alle Hochbauten abgerissen. Jetzt beginnt das Sortieren des riesigen Schutt-Berges. Schutt ist hier aber wahrscheinlich das falsche Wort. Denn Diplom-Geologe Roland Heberl vom Bodenschutz-Unternehmen Rupp sieht in dem Berg aus Ziegeln, Betonbrocken, Eisen und Holz vor allem Wertstoffe. "Wenn alles gut läuft, werden wir 80 bis 90 Prozent des Materials recyceln." Bei etwa 14 000 Kubikmetern kommt einiges zusammen. Vor allem die vielen Stahlarmierungen aus dem Beton sind bares Geld wert." Heberls Büro hat aus jeder Charge Abbruchmaterial mehrere Proben gezogen und analysiert. "Bisher ist alles normal." Die Arbeiter haben Teer und Asbestplatten fein säuberlich getrennt, damit diese fachgerecht deponiert werden können. Der Rest dient vor allem zum Auffüllen von Feldern oder Baustellen. "Allerdings verwenden wir das Material nicht für dieses Gelände", sagt Heberl.

Granit oder Basalt


Grund dafür ist die teilweise schon bei eineinhalb Meter unter der Erde beginnende Grundwasserschicht. "Abbruchsteine dürfen nur dort eingebaut werden, wo ein gewisser Abstand zum Grundwasser besteht. Daher nehmen wir hier Granit- oder Basaltabraum von Steinbrüchen." Bevor die Baggerfahrer mit dem Modellieren des Areals beginnen können, müssen die Arbeiter noch die bis zu 2,5 Meter im Boden steckenden Fundamente ziehen und die Bodenplatten entfernen. Danach schließen sich weitere Bodenproben an, um eventuelle Altlasten auszuschließen. "Man ist zwar nie sicher, ob nicht doch irgendwann etwas ins Erdreich gesickert ist, aber ich glaube nicht, dass wir hier Überraschungen erleben", sagt Alexander Rieß.

Klatschmohn


Die Stadt hat sich einen optischen Gag für die provisorische Gestaltung des demnächst planen Geländes einfallen lassen: "Wir werden verschiedenfarbigen Splitt aufbringen. Gelber Basaltsplitt wird überall dort liegen, wo später Bauten entstehen sollen. Die zukünftigen Wege werden mit grauem Splitt dargestellt. Und auch zwei je 600 Quadratmeter große Blühflächen mit Klatschmohn und Kornblumen legen wir an", erläutert Rieß. Allerdings dürfe sich niemand darauf verlassen, dass das neue Stadtviertel letztlich eins zu eins so gestaltet werde, wie es die Splittflächen zeigen. "Dies sind lediglich grobe Überlegungen. Erst dieses Jahr werden wir uns mit den detaillierten Planungen befassen."

Hierbei spielen die Vorstellungen der Stadt Marktredwitz ebenso eine Rolle wie die der Staatsregierung und privater Investoren. Wie berichtet, sollen das Servicezentrum BayernServer mit 25 und das Kompetenzzentrum Förderprogramme der Landesanstalt für Landwirtschaft mit 60 Mitarbeitern von München nach Marktredwitz verlagert werden. Noch hat sich der Freistaat nicht entschieden, ob er die Gebäude selbst bauen oder mieten will.

Wohnungsbau


"Auch private Investoren haben sich bereits bei uns gemeldet, und das obwohl wir das Gelände noch nicht einmal beworben haben", sagt Rieß. Unter anderem gebe es Interessenten für Wohnungsbau und Dienstleistungen. Nach den Vorstellungen der Stadt soll schon im kommenden Jahr die Erschließung samt Energieversorgung des neuen Viertels gebaut werden.
Gelber Basaltsplitt wird überall dort liegen, wo später Bauten entstehen sollen. Die zukünftigen Wege werden mit grauem Splitt dargestellt.Alexander Rieß
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