Fast 125 000 Besucher auf der Feuerwehr-Fachmesse Interschutz
Feuer und Flamme für Hightech

Mehr als 100.000 Besucher sehen sich die neuesten Trends auf der Feuerwehrfachmesse Interschutz an.
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Bayern
11.06.2015
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Foto: dpa

Rauchsäulen, Sirenengeheul, Löschkanonen: Auf dem Messelände in Hannover herrscht Ausnahmezustand. Die alle fünf Jahre stattfindende Interschutz - die Weltleitmesse der Helfer und Retter - ist seit letzten Montag Tummelplatz des globalen Blaulicht-Milieus.

Hannover. (dpa) Rauchsäulen, Sirenengeheul, Löschkanonen: Auf dem Messegelände in Hannover herrscht Ausnahmezustand. Die alle fünf Jahre stattfindende Interschutz - die Weltleitmesse der Helfer und Retter - ist schon seit Montag Tummelplatz des globalen Blaulicht-Milieus. Mit allem, was dazu gehört: Rettungswagen, Helikopter, Feuerspritzen,aber auch Konferenzen und Fachvorträge. Es ist eine Mischung aus Jahrmarkt, Hightech-Show und Branchentreff. Rund 1500 Aussteller zeigen eine knappe Woche lang, was heute alles technisch machbar ist im Mikrokosmos von Aerosol-Düsen und Reanimationshilfen. "Die größte Interschutz aller Zeiten", jubeln die Organisatoren bereits jetzt.

In den Hallen drängen sich Brandschützer aus Altdöbern, Wustermark oder Zell am See. Nebeneinander sind russische und französische Feuerwehr-Uniformen zu sehen - selbst aus dem fernen Südafrika sind Besucher angereist. Der Trend heißt höher, weiter, schneller: Immer weniger, aber dafür auch immer umweltfreundlichere und effektivere Löschmittel kommen dank moderner Technik zum Einsatz. Neuartige Spritzen jagen es Hunderte Meter hoch. Die Palette der Neuheiten reicht im digitalen Zeitalter von ferngelenkten Robotern bis hin zu intelligenten T-Shirts, die die Pulsfrequenz der Retter messen und vor einem nahenden Kollaps warnen.

Ferngelenkte Löschturbinen ins Feuer


Auch das Technische Hilfswerk (THW), das zum Messeauftakt seinen Jahresbericht vorlegte, verweist auf den immer stärkeren Einsatz von smarter Technik. Die in Bozen ansässige Firma EMi Controls etwa schickt Löschturbinen auf ferngelenkten, fahrbaren Untersätzen ins Feuer - etwa bei Raffinerien oder in Chemiewerken, wo es für Menschen zu gefährlich wird bei der Brandbekämpfung.

"Das große Interesse ist ebenso beeindruckend wie die Sprachenvielfalt", sagt Aussteller Uwe Rohlfs aus Sulingen. Er steht an seinem umlagerten Freiluftstand, auf dem Mitarbeiter die
Temperatur in einem brennenden Container gerade von gut 800 Grad auf rund 100 Grad Celsius senken. Mit gut 100 Bar Druck wird ein feiner Wasserstrahl ins Innere geschossen - die Wirkung ist beeindruckend.

Der britische Feuerwehrmann Shamus Harrison vom "Humberside Fire and Rescue Service" dagegen ist Feuer und Flamme für den Bronto-Skylift,dessen XXL-Ausleger auf eine schwindelerregende Höhe von 104 Meter kommt. "Das würde bei unseren Wolkenkratzern nicht mal fürs erste Drittel reichen", sagt dagegen Hussain al Rahoomi von Dubais Zivilschutz. Zugegeben: Das arabische Emirat besitzt mit dem 828 Meter hohen Burj Khalifa das höchste Gebäude der Welt. Dennoch ist auch der Fachmann aus der Wüste beeindruckt von den zahlreichen Neuheiten. Vor allem Hightech-Trucks und der zunehmende Einsatz leichter Karbonfasern haben es ihm angetan.

App informiert über Gefahrenlagen


Bei der Hilfe für Menschen in Not weist die Fachmesse für Brand- und Katastrophenschutz auch neue Wege bei Einsatzplanung, Ausbildung und medizinischer Hilfe. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) etwa hat eine neue Notfall-Informations- und Nachrichten-App - kurz Nina - vorgestellt. Bürger sollen sich darüber künftig aktuell über Gefahrenlagen informieren können.

Rund 125 000 Fachbesucher aus aller Welt werden bei der Messe erwartet, bei der es auch um Nachwuchswerbung geht. Zumindest die Feuerwehr Gronau muss sich da allerdings kaum noch Sorgen machen. Der Grund ist ihr neuer Feuerwehrwagen: ein feuerroter Mustang GT mit 510 PS, der den Boliden in 4,7 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt; erst bei 290 Stundenkilometern bleibt die Tachonadel stehen. "Es ist einer der schnellsten Feuerwehrwagen der Welt", sagt der stolze Besitzer Peter Breuer. Zwar wurde der Mustang als reines Show-Auto konzipiert, doch da Breuer selber Feuerwehrmann ist, fuhr er damit auch schon einige Einsätze, sagt er. Und betont, dass die Feuerwehr Gronau seitdem eine spürbare Zunahme von Anfragen nach Mitgliedschaft erhalten habe.

Härtester Feuerwehrmann der Welt: Tour der Leiden für die Retter


Aktualisierung: Härtester Feuerwehrmann der Welt kommt aus TschechienDer Tscheche Lukas Novak ist der «Härteste Feuerwehrmann der Welt». Zum Abschluss der Interschutz-Messe in Hannover setzte sich der 31-jährige Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr Prag am Samstag bei dem gleichnamigen Härtetest gegen rund 500 Mitbewerber durch. Die Veranstaltung ist eine aus den USA stammende Kombination aus Leistungswettkampf, Sportveranstaltung und Showprogramm, bei der Feuerwehrmänner meist in voller Montur Kraft, Koordination und Kondition beweisen müssen. Er stellte den Abschluss der Fachmesse für Brand- und Katastrophenschutz dar, bei der 1500 Aussteller neue Trends aus der Welt der Retter gezeigt haben.

Beim Wettkampf um den härtesten Feuerwehrmann der Welt geht so manch durchtrainiertem Brandbekämpfer schnell die Puste aus. In Hannover treten mehr als 500 Bewerber um den Titel an. Am Wochenende steht fest, wer am schnellsten bei der strapaziösen Schinderei war.

Der wichtigste Härtetest der Rettungsbranche ist eine einzige schweißtreibende Quälerei. Das weiß auch der Göttinger Michael Weiß. Der 27-Jährige ist einer von gut 500 Brandbekämpfern aus aller Welt, die diese Woche unter sich den Härtesten der Harten ermitteln. Nach monatelangem Training mühen sie sich gerade auf der Interschutz-Messe in Hannover mit schweren Gewichten ab, sprinten Treppen hoch, kriechen, rennen, hämmern - und das alles in schwerer Brandschutzbekleidung. Es ist eine Art Ironman-Wettkampf für die Feuerwehr. Auf den Sieger wartet am Wochenende der Titel des «Toughest Firefighter Alive» (TFA), des härtesten Feuerwehrmannes der Welt.

Weiß legt sich beim Staffelwettbewerb ordentlich ins Zeug. Mit zwei schweren Feuerwehrschläuchen unterm Arm sprintet er los. Die ersten Meter geht es schnell. Doch dann fordert das Gewicht der Schläuche Tribut, die er hinter sich her schleppt. Erkennbar ringt Weiß unter der schweren Feuerwehrmontur nach Luft. "Weiter, weiter, weiter", feuern deutsche Zuschauer an - "Go, go, go" die englischsprachigen. Auf der Messe herrscht schon fast babylonische Sprachenvielfalt, dennoch sprechen die Besucher irgendwie die gleiche Sprache. Es ist eine Art Familientreffen der Retter, die mit Leib und Seele dabei sind.   

Unter ihnen sind neben Skandinaviern, Osteuropäern, Indern und Arabern auch Südafrikaner. Das Team vom Kap, das vor jedem Einsatz beim Feuerwehrmann-Härtetest untergehakt in bester Rugby-Manier den eigenen Teamgeist beschwört, hatte die weiteste Anreise. "Wir rechnen uns gute Chancen aus", sagt Teamchef Marc Smith zuversichtlich.

Bei der aus den USA stammenden Kombination aus Leistungswettkampf, Sportveranstaltung und Showprogramm geht es um Kraft, Koordination und Kondition - etwa beim Bergen und Abtransportieren einer 80 Kilogramm schweren menschlichen Attrappe. Oder dem Schleppen schwerer  Kanister ins zweite Obergeschoss eines Gebäudes. Angefeuert von Hunderten Besuchern der Fachmesse für Brand- und Katastrophenschutz müssen die Teilnehmer bei dem Hindernisparcours über Steilwände klettern, mit Gewichten durch enge Tunnel kriechen und den 65 Meter hohen Hermesturm in voller Schutzmontur hinauf stürmen.

"Es sind Übungen, wie sie auch bei uns im Feuerwehr-Alltag oft genug vorkommen", sagt Joachim Posanz. Er weiß, wovon er spricht: Immerhin war er der erste Deutsche, der den Titel gewann. "Das war 2010 in Südkorea", sagt der drahtige Champion, der seinen Titel danach auch in Sydney erfolgreich verteidigen konnte. Doch dieses Mal ist er skeptisch: "Der Titel ist dieses Jahr definitiv weg", sagt er. "Ich habe die beste Vorbereitung gehabt, bin diesmal aber nicht so richtig an mein Potenzial herangekommen."

Wenn er mit seiner Prognose recht behält, könnte der Titel am Samstag dennoch der Berufsfeuerwehr Göttingen erhalten bleiben. Denn bis zum Start der Tagesetappe am Donnerstagmittag lag sein Freund Alexander Meyer einsam an der Spitze. Doch der ist noch etwas skeptisch: Immerhin ist da noch der amtierende Europameister Lukas Novak von der Berufsfeuerwehr Prag. Und der gilt als heißer Titelanwärter.

Was Meyer an dem Härtetest so fasziniert? "Er ist sicherlich nicht jedermanns Sache", sagt er. "Doch der sportliche Aspekt, immer wieder an seine Grenzen zu gehen, das fasziniert mich." Der 39-Jährige ging im vergangenen Jahr über eigene Leistungsgrenzen hinaus: Ihm riss im Trainingslager die Achillessehne. "Das war bitter", gesteht er, bevor er erklärt: "Aber diesmal lief es perfekt: ein gelungenes Comeback."