Foodsharing soll Lebensmittel retten
Verwenden statt Verschwenden

Gabi Kaffka-Hummel, Betreuerin der Nürnberger Foodsharing-Initiative, präsentiert den "Fair-Teiler" mit den gespendeten Lebensmitteln. Bild: dpa
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Bayern
31.03.2016
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Die Foodsharing-Bewegung will weg von der Wegwerf-Kultur. Ob Joghurts zwei Tage abgelaufen sind, ist den Mitgliedern egal. Doch erste Behörden machen den Food-Savern einen Strich durch die Rechnung.

Nürnberg/Schwabach. Der Urlaub steht bevor, aber der Kühlschrank ist proppenvoll - und auf dem Herd steht auch noch der halbe Topf Suppe vom Vortag: Die Initiative Foodsharing hat sich diese Fälle zur Aufgabe gemacht. In Fair-Teilern - öffentlich zugänglichen Kühlschränken oder Regalen - kann das Essen abgegeben werden. Dort bedienen kann sich dann jeder. Eine Win-Win-Situation, finden die Mitglieder der Initiative: Der Spender muss kein schlechtes Gewissen haben, der Empfänger freut sich über gratis Lebensmittel.

Bundesweit gibt es laut Frank Bowinkelmann, Sprecher der Initiative Foodsharing, rund 100 Fair-Teiler. Der Lebensmittelretter-Verein "Restlos glücklich" betreibt von April an sogar ein ganzes Restaurant in Berlin, in dem aufgetischt wird, was Bio-Händler wegwerfen würden. Bei Foodsharing engagieren sich etwa 13 500 Ehrenamtliche als "Food-Saver". Sie holen seit 2012 bei den Partnerbetrieben Lebensmittel ab, die nicht mehr verkauft werden können, aber noch genießbar sind. Knapp vier Tonnen Lebensmittel sollen so schon vor dem Müll bewahrt worden sein.

Ein Riesen-Batzen davon auch in Mittelfranken, wo es rund ein Dutzend Fair-Teiler gibt. Die dortigen Mitglieder wollen nicht nur Essen vor dem Wergwerfen bewahren, sondern auch soziale Kontakte knüpfen. Bei monatlichen Schnippelpartys treffen sie sich und kochen gemeinsam aus "geretteten" Lebensmitteln ein Essen. Dazu gibt es einen 24-Stunden-Fair-Teiler bei einem Nürnberger Café und wöchentliche Verteil-Aktionen an einem Kulturzentrum.

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Auf Facebook wird bekanntgegeben, wo es was zu holen gibt: "Verschenke zwei Fertig-Lasagnen. Hat mein Freund mitgebracht. Mir schmecken die nicht", schreibt ein Mitglied des Foodsharing-Ablegers. "Wir haben gestern sehr leckere Falafel-Burger gemacht und haben nun noch 3 Pattys übrig", teilt ein weiterer Food-Saver mit. Eine Vegetarierin will Würstchen der WG-Party loswerden.

"Innerhalb von zwei Stunden sind die Sachen meist weg, wenn sie in den Fair-Teilern liegen", sagt Gabi Kaffka-Hummel (52), die die Nürnberger Initiative betreut. "Es sind immer wieder Überraschungen dabei, das ist eigentlich jedes Mal ein Wahnsinn." Als neulich ein Tante-Emma-Laden dicht machte, durften die Food-Saver ihn ausräumen.

Ansonsten sind die Partner neben Privathaushalten Kleinbetriebe wie Naturkostläden und Bäckereien. Acht Landwirte zwischen Schwabach und Weißenburg überlassen Lebensmittelrettern wie Brigitte Adelmann (59) Kartoffeln, Karotten und Salat - Produkte, die nicht die Norm erfüllen.

Auch Supermärkte sind dabei, wobei sich die meisten Ketten den Tafeln verschrieben haben. "Die Tafeln sind vorrangig. Wir wollen keine Konkurrenz sein", betont Kaffka-Hummel. Die Food-Saver würden auch noch Ausschussware nehmen, die die Tafel nicht mehr akzeptiere. Adelmann hält es für eine "Schande, dass Lebensmittel, in die Menschen bei der Erzeugung viel Energie reinstecken, untergeackert werden". Sie selbst lebt die Wertschätzung konsequent: "Mein Mann und ich haben seit Mai 2013 keine Lebensmittel mehr gekauft", berichtet sie. "Monatlich sparen wir so 350 Euro."

Etwas Magengrummeln bereitet ein Fall aus Berlin. Kontrolleure hatten unhygienische Zustände vorgefunden. Für die Aufsteller gelten als "Lebensmittelunternehmer" strenge Auflagen. Einige Kühlschränke sind bereits geschlossen. Die Food-Saver haben eine mögliche Lösung: Mit einem Zahlenschloss wären die Kühlschränke nicht frei zugänglich, so dass man die Regeln lockern könnte.
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