Fußballteam aus Flüchtlingen
Butterbrods Buben

Trainer Olaf Butterbrod lässt sich beim Training von Nawid Zolfaghar tragen. Der 19-Jährige kam als Flüchtling aus Afghanistan kam. Der ESV Neuaubing stellt die erste Flüchtlingsfußballmannschaft in Bayern und eine der ersten bundesweit, die am Ligabetrieb teilnehmen. Bild: dpa
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Bayern
04.03.2016
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Sie haben teilweise Schlimmes hinter sich, haben unterschiedliche Muttersprachen, unterschiedliche Nationalitäten - doch wenn die jungen Flüchtlinge Fußball spielen, zählt nur der Wille zum Sieg. Und die Fairness.

München. Grelles Flutlicht erhellt den Fußballplatz des ESV Neu- aubing, ganz im Westen Münchens. Eine Insel des Lichts an diesem dunklen und eiskalten Abend. Rund 25 junge Männer machen sich auf Kommando warm. "Ruhig ein bisschen schneller, Leute", schallt es über den Platz. Es ist kein besonders wirtlicher Ort, doch hier beim ESV gemeinsam mit Einheimischen und anderen Flüchtlingen kicken zu können. "Das hat mich so glücklich gemacht", sagt Amar Omar Yado und strahlt. "Im Irak durften wir kein Fußball mehr spielen."

Ganze Abteilung gerettet


Der 21-Jährige kam vor vier Jahren allein nach Deutschland. Schon nach wenigen Wochen trat er in die von Olaf Butterbrod trainierte Mannschaft ein. Damals traf man sich noch im Englischen Garten. Seit der Saison 2015/16 tritt mit dem Eisenbahnersportverein Sportfreunde München-Neuaubing (ESV) die erste bayerische Flüchtlingsmannschaft im Ligabetrieb an, C-Klasse im Kreis München.

Eigentlich sei die Bezeichnung "Integrationsmannschaft" ja besser, erläutert Butterbrod vor dem Training, weil auch einige - wenn auch wenige - deutsche Spieler dabei sind. Einer der Einheimischen ist Özgür Demirel. Anfangs sei das Zusammenspiel mit den Männern so vieler unterschiedlicher Nationalität gewöhnungsbedürftig gewesen, sagt er. Die Kommunikation bereitete Schwierigkeiten, dadurch wurde auch das Training schwieriger. "Aber es gab die Anweisung vom Trainer, deutsch zu sprechen." Ansonsten halfen Gesten und Körpersprache.

Die Flüchtlinge haben letztlich die Fußballabteilung des ESV gerettet. Mangels Spielern "war die Abteilung eigentlich tot", sagt Vizepräsident Christian Brey. Dann traf er Butterbrod. Es gab ein Sichtungsturnier, und nun steht die Mannschaft auf Platz 5. Der Leistungsgedanke zähle, betont Trainer Butterbrod, und doch sei das Spiel "mehr als reiner Sport". Und er selbst auch mehr als nur Spielleiter - ein bisschen Seelsorger, ein bisschen Vaterersatz für die jungen Männer um die 20, das muss er auch sein. "Er tut alles für uns", findet Amar Omar Yado.

Familiengefühle


"Wie eine große Familie" empfindet auch der 26-jährige Arasch Khan aus Afghanistan den Zusammenhalt. Am Anfang habe er nichts gewusst von Deutschland. "Jetzt ist das schon mein Zuhause." Mehreren Spielern drohten bereits Abschiebeverfahren, doch bislang sind Butterbrod alle Spieler erhalten geblieben. Dramatische Momente gab es dennoch, wie er erzählt: "Einer hat sich im Flugzeug die Pulsadern aufgeschnitten." Inzwischen bediene der Afghane an einer Supermarkttheke in München. Ein Syrer wurde von einem Bombensplitter getroffen und hat eine gelähmte Hand - macht aber trotzdem inzwischen eine Lehre als Kfz-Mechaniker.

Respekt, Fair Play, eine gute Zeit miteinander verbringen - darauf kommt es Butterbrod an. "Ich habe ihnen gesagt: Ihr seid auch Botschafter, für Integration, für euer Land." Dass die Mannschaft schon einen Fairness-Preis bekommen habe, macht ihn stolz. Inzwischen unterrichten einige Spieler eine Mannschaft aus Grundschülerinnen.

"Eines der Leuchtturmprojekte" sei die Mannschaft, sagt Thomas Müther, Pressesprecher des Bayerischen Fußballverbands (BFV). Nachahmer gebe es bereits, berichtet Bernhard Slawinski, Kreis-Vorsitzender München des BFV. "Bayernweit ist ganz, ganz viel in Bewegung." Für die Integration der Flüchtlinge ist der gemeinsame Sport von großem Wert. "Ich sehe da keine Kriegsopfer auf dem Platz", resümiert Trainer Butterbrod etwas außer Atem in einer kurzen Pause am Spielfeldrand. "Nur Fußballer."
Das hat mich so glücklich gemacht. Im Irak durften wir kein Fußball mehr spielen.Flüchtling Amar Omar Yado über das Fußballtraining
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