Gemälde nur wertlose Fälschungen
Bewährungsstrafe für Kunsthändler

Der Angeklagte soll gefälschte Gemälde von Künstlern wie Marc Chagall, Emil Nolde oder Pablo Picasso verkauft haben. Bild: dpa
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Bayern
16.12.2015
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Ein Deal und ein Geständnis in letzter Minute brachten den Durchbruch im Prozess um Kunstfälschungen. Und sorgten dafür, dass ein 62-jähriger Zahntechniker aus Straubing mit einer Bewährungsstrafe davonkam.

Straubing/Regensburg. Zwei Jahre auf Bewährung lautete das Urteil vor der 7. Strafkammer des Landgerichts Regensburg wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs in vier Fällen. Außerdem wurde ihm zur Auflage gemacht, den Schaden eines Kunden in Höhe von 367 410 Euro innerhalb von drei Jahren gut zu machen. Die Gemälde wurden eingezogen.

Picasso, Chagall, Nolde


Fest stand von Anfang an, dass der Angeklagte von seiner Straubinger Wohnung aus ab 2007 bis zu seiner Festnahme 2010 Nachahmungen von Gemälden weltweit bekannter Künstler wie Picasso, Chagall, Modersohn-Becker, Nolde und Giacometti verkauft und damit über eine Million Euro erlöst hat. Dabei ging die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Angeklagte einer in Tschechien lebenden Malerin den Auftrag gegeben hat, die Bilder zu malen. Ein Landsmann von ihr trimmte sie dann auf "alt" und verkaufte sie an den Angeklagten. Der Preis lag zwischen 2000 und 3000 Euro, verkauft wurden sie für bis zu 150 000 Euro. Laut Staatsanwaltschaft soll er sie als "Originale alter Meister" angeboten haben, die als Kriegsbeutekunst in osteuropäischen Depots gelagert waren.

Sein Komplize, ein Händler aus Tschechien, belastete den Angeklagten in einem gegen ihn geführten Verfahren schwer. Danach hat der Angeklagte auch für 10 000 Euro alte Farben zur Verfügung gestellt. Auf dem Hof des Händlers wurde auch der Ofen entdeckt, in dem die Bilder einem schnellen Alterungsprozess unterzogen wurden. Der Angeklagte verteidigte sich stets damit, dass er nie das Wort "Originale" in den Mund genommen habe. Aber er habe selbst die Hoffnung gehabt, dass das eine oder andere Bild "echt" sein könnte. Diese Erwartung habe sich auch auf die Kaufinteressenten übertragen. Nach Anhörung mehrerer Sachverständiger - welche die Bilder als wertlose Fälschungen qualifizierten - regte Verteidiger Michael Haizmann ein Rechtsgespräch an.

Weitere Vorwürfe nichtig


Nach stundenlangem Tauziehen wurden vier Vorwürfe eingestellt, da sich der Geschädigte im Ausland aufhält und nicht in Regensburg erscheinen wird. Auch habe er sich mit dem Angeklagten zivilrechtlich geeinigt. Übrig blieben vier Vorwürfe (Schaden: 367 410 Euro). Zudem wurde dem Angeklagten zu Gute gehalten, dass er keine Vorstrafen hat, sowie die überlange Verfahrensdauer und die Wiedergutmachung.

In ihrem Schlussvortrag betonte die Staatsanwältin, dass der übrig gebliebene Geschädigte von der Echtheit überzeugt gewesen sei und von einem Wert von eineinhalb Millionen Euro ausging. Tatsächlich lag dieser bei zirka 300 Euro. Der 62-Jährige habe ihn "systematisch geschröpft".
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