Gemeinde und Jugendamt informieren über Annahme unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge
24 junge Asylbewerber kommen

Florian Sammet, Lena Klughardt, Marlies Sammer, Anelia Sheljaskow, Georg Schmelzer, Edgar Schock, Thomas Linke, Dolores Longares-Bäumler und Thorsten Leusenrink (sitzend von rechts) sowie Bürgermeister Manfred Porsch (stehend) erklärten, wie sie sich in Speichersdorf die Unterbringung von 24 minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen vorstellen. Bilder: hia (2)
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Bayern
01.03.2016
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Rund 250 Bürger erwarteten Antworten auf ihre Fragen.

Kommen Flüchtlinge nach Speichersdorf? Wenn ja, welche, wann und wie viele? Auf diese Fragen gaben die Kommune, Jugendamt und Polizei Antworten.

Speichersdorf. Das Interesse am Informationsabend war riesengroß. Die Gerüchteküche brodelte seit Monaten und gebar nicht nur so manche abstruse Variante über Unterkunftsstätten und Anzahl der Asylbewerber, sondern auch so manche Emotionen. Zur Diskussion stand die Aufnahme von "24 unbegleiteten minderjährigen jugendlichen Flüchtlingen in zwei Wohngruppen", wie die rund 250 Speichersdorfer eingangs erfuhren.

"Das ist eine Herausforderung für unseren Ort, doch das haben wir schon einmal vor 30 Jahren bei den Spätaussiedlern gemeistert", meinte Bürgermeister Manfred Porsch. Er sprach sich für eine Willkommenskultur aus, appellierte an die christliche Nächstenliebe und wünschte sich, dass Freundschaften entstehen: "Empfangen wir sie mit offenen Armen." Anelia Sheljaskow vom Jugendamt betonte, dass die Speichersdorfer Einrichtung keine Asylbewerberunterkunft sei. "Wir versuchen, den jungen Leuten hier ein Zuhause zu geben." Speichersdorf erfülle alle Voraussetzungen: Größe, Umfeld, Integrationsmöglichkeiten, Vereinsleben, soziale Kompetenz, Erfahrung mit Migranten. "Wenn nicht Speichersdorf, wo dann?"

Fünf Betreuer


Für den Landkreis Bayreuth sei Speichersdorf wegen der örtlich und baulich idealen Struktur ein Glücksfall, meinte Jugendamtsleiter Georg Schmelzer. In einem ersten Schritt werden zwölf Afghanen in ein Wohnhaus in der Goethestraße einziehen. Zwölf weitere werden in einer zweiten Wohngruppe Mitte des Jahres folgen. Die Betreuung sei in guten, erfahrenen Händen, so Schmelzer und Sheljaskow unisono. Das Team des Einrichtungsträgers (Evangelisches Jugend- und Fürsorgewerk, EJF) sei sehr kompetent, die Zusammenarbeit hervorragend. Gruppenleiterin Marlies Sammer vom EJF ergänzte, dass ihre Organisation mit 80 Mitarbeitern seit zehn Jahren im Landkreis Wunsiedel ähnliche Einrichtungen betreibe, darunter in Marktredwitz ein Haus für "Unbegleitete". Laut der EJF-Angestellten Lena Klughardt kümmern sich in Speichersdorf fünf Betreuer um die Jugendlichen. In Marktredwitz habe man bisher nur gute Erfahrungen gemacht.

Für die Einrichtung in Speichersdorf zeichnet Florian Sammet vom EJF verantwortlich. Der Teamleiter erklärte, dass für die jungen Menschen ein fester Tagesablauf mit Schule und Deutschunterricht geplant sei. Daneben würden mit Vereinen und Organisationen Kontakte geknüpft, um sie zu integrieren. "Die deutsche Sprache versuchen wir ihnen schnellstmöglich beizubringen", betonte er. Dolores Longares-Bäumler von der Caritas unterstrich, dass man in Speichersdorf bei der Integrationsfrage unglaublich erfahren sei. Hier werde das seit über 20 Jahren nahezu perfekt praktiziert. Kein Verständnis zeigte sie über die Gerüchteküche, die immer wieder in den sozialen Netzwerken hochkocht: "Das ist das Schlimmste."

Polizei: Kaum Probleme


Der Leiter der Polizeidirektion Bayreuth-Land Edgar Schock betonte, dass es in den Landkreiseinrichtungen in Pegnitz und Betzenstein für und mit unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen bislang kaum Probleme gegeben habe. "Harmloser Streit untereinander kommt natürlich immer wieder mal vor, aber sonst ist noch nichts passiert."
Empfangen wir sie mit offenen Armen.Bürgermeister Manfred Porsch


Mitarbeiter rund um die Uhr anwesendZur Frage, wann Betreuer in der Einrichtung anwesend sind, kündigte Florian Sammet eine 24-stündige Präsenz an. Das EJF sei personell immer vertreten. Ein Mitarbeiter wohne in einem eigenen Zimmer mit im Haus. Die Verpflegung und das Kochen liege in den Händen der Jugendlichen. Hinsichtlich der Nachtruhe seien diese gehalten, um 22 (bis 15 Jahre) beziehungsweise 23 Uhr (ab 16 Jahren) in der Einrichtung zu sein. Die Schlüsselgewalt liege ausschließlich bei den Betreuern.

Die Polizei werde die Einrichtung in ihre Streifenfahrten einbeziehen, sagte Edgar Schock. "Solange keine Gefahrenlage bekannt ist, reicht das in aller Regel auch aus." Bezüglich der Mietkosten stellte Georg Schmelzer klar, dass es keine "Kopfpauschale" gebe. Die Miete liege an der Obergrenze der ortsüblichen Miete. Auch sei Familiennachzug kein Thema. Dann wären die Jugendlichen nicht mehr "unbegleitet" und müssten sie die Einrichtung verlassen, erklärte der Jugendamtsleiter.

Groß ist in der Bevölkerung wie schon seit jeher die Hilfsbereitschaft. "Das sollte aber unbedingt immer mit der Gruppe und den Betreuern abgesprochen werden", bat Anelia Sheljaskow. Man dürfe die jungen Leute auch nicht überfordern, mahnte Dolores Longares-Bäumler. Eine klare Absage erteilten alle Redner dem Ansinnen, die Jugendlichen zu verpflichten, sich Vereinen anzuschließen. Mit Zwang erreiche man gar nichts. Die Erfahrung zeige, dass die Flüchtlinge die Integrationsangebote freiwillig annehmen. (hia)
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