Gericht arbeitet Behandlung von Intersexueller auf
Anspruch auf Schadenersatz

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Bayern
18.12.2015
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Michaela R. ist weder Mann noch Frau: Nach langem Leidensweg durch Hormonbehandlung und OP hat sie nun vor Gericht einen Sieg errungen. Ihr stehen Schadenersatz und Schmerzensgeld von der behandelnden Klinik zu.

Nürnberg. Weil sie vor einer ärztlichen Behandlung nicht ausreichend aufgeklärt worden sei, hat eine Intersexuelle Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadenersatz. Das hat am Donnerstag das Landgericht Nürnberg-Fürth entschieden. Die Kammer stellte zwar keinen Behandlungsfehler fest. Doch nach Ansicht der Vorsitzenden Richterin war die Operation im Jahr 1995 an der Intersexuellen Michaela R. rechtswidrig, weil sie ohne wirksame Einwilligung vorgenommen worden sei. "Für die Einwilligung wäre eine umfassende Aufklärung notwendig gewesen - und die gab es damals nicht", sagte ein Gerichtssprecher. Die Ärzte hätten ihrer Patientin "kein zutreffendes Bild von ihrem gesundheitlichen Zustand" vermittelt. Denn dazu hätten sie ihr sagen müssen, dass sie Merkmale beider Geschlechter in sich trägt. Nur so hätte sie die Tragweite der Behandlung erkennen und eine selbstbestimmte Entscheidung treffen können.

Bei intersexuellen Menschen sind nicht alle geschlechtsbestimmenden Merkmale wie Chromosomen, Hormone, Keimdrüsen oder äußere Geschlechtsorgane eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen. Die 41 Jahre alte Michaela R. aus Mittelfranken hatte dem Universitätsklinikum Erlangen und einem Operateur vorgeworfen, sie vor einer Therapie mit weiblichen Hormonen und einer Operation nicht über die Tragweite und Folgen der Behandlung aufgeklärt zu haben. Durch die Therapie vor rund 20 Jahren sei sie so schwer erkrankt, dass sie heute voll erwerbsunfähig sei. Die Klage gegen den Operateur wies das Gericht ab. Er sei nicht dafür verantwortlich gewesen, dass die anderen Ärzte Michaela R. nicht ausreichend aufgeklärt hätten.
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