"Gezupfte Wildsau"
Forstbetrieb gibt Kochbuch heraus

Theorie und Praxis: Im Zuge der Buchvorstellung "Wildes Grillen" wurden gleich ein paar Rezepte ausprobiert. Bild: gis
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Bayern
17.06.2016
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Fichtelberg. Mal ganz ehrlich: Wer weiß schon, wie eine "gezupfte Wildsau" schmeckt - als "Fingerfood in Jägerhänden", das natürlich auch mit Messer und Gabel gegessen werden darf? Es ist eines der Lieblingsrezepte von Martin Hertel und seiner Frau Heidi. Sie haben es aus den Südstaaten der USA mitgebracht, nachgekocht und für das druckfrische "Koch- und Lesebüchlein vom Forstbetrieb Fichtelberg "Wildes grillen" aufgeschrieben und fotografiert.

Er, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs, ist nach dem ersten erfolgreichen Buch "Wildes kochen" auch Initiator und Autor des zweiten Büchleins, hat wieder mit viel Kreativität und Herzblut, Rezepte zusammengetragen von Förstern, Jägern und Freunden des Forstbetriebs. Sie sind alle keine Profis, sondern Menschen, die gerne, gut und gesund essen, denen Wald, Jagd und Natur am Herzen liegen.

Und deshalb entdeckt der Leser hier Kreatives, Köstliches, Einfaches und Raffiniertes - was in den Zigtausenden von Kochbüchern auf dem Markt nicht zu finden sind - mit Wild aus heimischen Wäldern. Hertel fotografierte sie alle, "damit der Leser weiß, womit er es zu tun hat". Diese wiederum lieferten ihm Gaumen kitzelnde Fotos von ihren Lieblingsgerichten.

Der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Staatsforsten Martin Neumeyer isst am liebsten Rehlendchen vom Grill mit Austernpilzen in Estragon-Sherry-Rahm. Forstbetriebsleiter Winfried Pfahler und seine Ehefrau Inge lieben einen "Herren-Toast vom Grill, so wie es der Chef mag". Beide Rezepte sind hier nachzulesen.

30 tolle Rezepte


"Wildes grillen", das keinesfalls eine Anleitung für wildes Grillen in Wald und Flur sein soll, beinhaltet auf 95 Seiten 30 übersichtlich gestaltete Rezepte mit einladenden Fotos - Klassiker wie Rehkeulensteaks oder Wildentenbrust, aber auch außergewöhnliche Kreationen wie "Lendchen im Zedernblatt" oder "Wildschwein zack-zack" für ganz Eilige - natürlich mit Wild - Reh, Hirsch und Schwarzwild - als "Grundzutat", das der Forstbetrieb Fichtelberg frisch und küchenfertig anbietet. Denn Wildbret, so ist es auch in dem Büchlein nachzulesen, kommt der leichten, fettarmen Küche entgegen, als gesundes, mageres und leicht verdauliches Lebensmittel, das wenig Fett enthält, aber viel hochwertiges Eiweiß. "Es ist umweltfreundlich produziert, ohne künstliches Futter, ohne Ressourcen-Verschwendung, ohne viele Hundert Kilometer durch Europa gekarrt zu werden. "Total skandalfrei", sagt Winfried Pfahler: "Mehr Bio geht nicht".

"Wildes grillen" ist aber auch ein spannendes Lesebüchlein mit vielen wissenswerten Informationen. So räumt es auf mit alten Vorurteilen auf, dass Wild schwer zu kochen ist, nimmt den Leser mit auf eine originelle Zeitreise "zur ersten Grillparty überhaupt" und gibt Tipps für richtiges Grillen. Der Grill sollte so heiß sein, dass man die Hand knapp zwei bis drei Sekunden über dem Grillrost halten kann, ohne dass es schmerzhaft wird. Hält man es länger aus, ist der Grill noch nicht heiß genug.

Zeit als Zutat


Schließlich kommt auch noch ein Theologe und Jäger zu Wort mit Gedanken zum Umgang mit der Schöpfung. Nach der Buchvorstellung lud Forstbetriebsleiter Winfried Pfahler die Gäste zur "gezupften Wildsau" ein, wozu es vor allem eine Zutat braucht: viel Zeit.
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