Glasbläser und Königsschlösser

Vermischtes BY
Bayern
18.10.2014
4
0

Allgäu und Oberbayern liegen nebeneinander - da, wo Deutschland fast zu Ende und die Grenze zu Österreich nicht weit ist. Tourismus hat hier Tradition, vor allem im Sommer und Winter. Im Herbst ist weniger los, aber genauso viel zu entdecken. Manchmal sogar schon im Schnee.

Im Sommer lässt sich in vielen Seen prima baden, im Winter geht es auf die Piste. Das gilt fürs Allgäu genau wie für Oberbayern. Und im Herbst? Dann ist Zeit für vieles, was sonst zu kurz kommt. Für die sehenswerten, eher kleinen Städte wie Kaufbeuren, Memmingen, Füssen oder Pfronten, für die Märchen-schlösser des Märchenkönigs ohne alptraumhafte Warteschlangen, für Touren auf der Deutschen Alpenstraße, Ausflüge zu Kirchen und Klöstern und manchmal sogar für die ersten Wanderungen im Schnee. Eine Handvoll Tipps für den Herbst im tiefen Süden der Republik:

Schloss Linderhof

Ludwig II. (1845-1886) liebte die Landschaft ganz im Süden Bayerns, kurz vor der österreichischen Grenze. Hier ließ er sein Lieblingsschloss bauen: Linderhof. Anders als in Neuschwanstein hat der "Kini" - Bayrisch für König - tatsächlich darin gewohnt und war oft in den umliegenden Bergen der Ammergauer Alpen unterwegs. Und noch ein wichtiger Unterschied: Neuschwanstein liegt im Allgäu, Schloss Linderhof in Oberbayern. Linderhof ist zwar genauso sehenswert, wirkt aber weniger disneyhaft. Vielleicht ist das der Grund, warum deutlich weniger Besucher kommen und die Warteschlangen zumindest im Herbst überschaubar sind.

Bei den Führungen geht es durch etliche Säle, einer prunkvoller als der andere. In fast allen schimmert es so golden, dass man am liebsten die Sonnenbrille wieder aufsetzen möchte. Noch etwas mehr schimmert es im Spiegelsaal. Die Wände sind weiß-gold vertäfelt. Und die eingelassenen Spiegel schaffen die Illusion, als gäbe es dahinter noch einige Dutzend weitere Säle. Es heißt, der Märchenkönig schätzte diesen verspielten Effekt und saß gerne auf einer kleinen Bank, von der aus er verträumt in die Spiegel schauen konnte.

Füssen

Auf dem Weg von Pfronten nach Füssen geht es am Weißensee entlang. Anders als sein Name vermuten lässt, schimmert sein Wasser türkisgrün. Ein Teil der Strecke folgt dem Ufer. Der Blick fällt auf die begrünten Berghänge dahinter. In die Stadt geht es über den Lech, der hier so türkisgrün ist wie zuvor der See. Füssen gehört zu den schönsten Städten im Allgäu: klein, aber nett und mit etlichen Gassen, in denen das Bummeln Spaß macht.

Das Füssener Stadtmuseum: Jahrhundertelang hatte Füssen weit über das Allgäu hinaus einen Ruf für seine Instrumentenbauer. Bei den Saiteninstrumenten und besonders den Lauten war "Made in Füssen" das Qualitätssiegel schlechthin: So eine wollten alle haben, die etwas davon verstanden. Seit 1436 arbeitete der erste nachweisbare Lautenmacher in der Stadt. Bald exportierte Füssen nicht nur Instrumente, sondern auch die Spezialisten, die sie herstellten. Die Allgäuer Instrumentenbauer zogen nach Norditalien, bis nach Neapel - oder selbst nach Warschau. An ihre große Zeit erinnert das Stadtmuseum im Kloster St. Mang mit einer sehenswerten Ausstellung samt vielen Instrumenten.

Teil des Museums ist auch die St.-Anna-Kapelle, die für eine etwas morbide Attraktion bekannt ist: Dort ist ein "Totentanz" zu sehen, ein Zyklus mit 20 Bildtafeln. Die Darstellung ist so fantasievoll wie detailreich: Immer bittet Gevatter Tod zum Tanz und ist dabei nicht wählerisch. Sterben müssen alle, und wen er auffordert, um den ist es geschehen, ob Jungfrau oder Pfarrer.

Pfronten

Alexander Endres ist ein bärtiger Hüne und Glasbläsermeister - oder streng genommen Glasinstrumentenmachermeister - mit eigener Werkstatt in Pfronten. Dort können Besucher nicht nur nach Souvenirs stöbern, Endres zeigt auch regelmäßig, was sich aus Glas alles machen lässt - wenn man weiß, wie es geht. Zange und Pinzette liegen schon bereit. Endres will ein Schweinchen zaubern. Er hält das Glas in die Flamme des Gasbrenners und dreht es hin und her. "Jetzt blas' ich mal, damit es einen fetten Bauch bekommt", erklärt er kurz darauf, und schon bläht sich das Glas rundlich.

Mit der Zange zieht Endres die Ohren, dreht das Ringelschwänzchen und vier Beine - ein perfektes Schwein. Die Zuschauer klatschen. Und dabei hat Alexander Endres gerade erst angefangen. Mal zaubert er eine Allgäuer Kuh - mit Ohren, aber ohne Flecken -, mal einen Delfin und gleich danach einen Schwan aus Glas. "Das Schwein ist aber viel schwerer", sagt er. "Dafür muss man zwei Jahre üben, für einen Schwan nur ein halbes."
Weitere Beiträge zu den Themen: Pfronten (7)Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.