Haft für Mitglied der Sekte "Zwölf Stämme"
Wegen Prügeln für sechs Kinder

In Klosterzimmern bei Deiningen im Nördlinger Ries lebt die Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme". Erstmals muss ein Sektenmitglied wegen Prügelstrafen für Kinder ins Gefängnis. Bild: dpa
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Bayern
29.01.2016
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Nach einigen niedrigeren Strafen in der Vergangenheit ist erstmals ein Mitglied der umstrittenen Sekte "Zwölf Stämme" wegen Prügelstrafen zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. Die 56-Jährige hatte sechs Kinder geschlagen.

Nördlingen. Das Amtsgericht Nördlingen verhängte gegen eine 56-jährige Frau eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren. Entsprechende Medienberichte bestätigte am Freitag der Amtsgerichtsdirektor Helmut Beyschlag. Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Prozess am Donnerstag drei Jahre Haft verlangt, die Verteidigung eine Bewährungsstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Besondere Brutalität


Die Lehrerin der Glaubensgemeinschaft soll nach den Ermittlungen sechs Kinder geprügelt haben, die heute teils noch im Kindesalter sind oder bereits junge Erwachsene. Nach einem Bericht der "Augsburger Allgemeinen" sagten Zeugen in dem Verfahren aus, die Frau sei besonders brutal gewesen. Die Angeklagte habe in dem Prozess die Schläge auch zugegeben, aber keine Reue gezeigt. Bereits mehrfach wurden Sektenmitglieder wegen der Prügelstrafen verurteilt, aber zu niedrigeren Strafen.

So erhielt zuletzt ein ehemaliger Lehrer der Glaubensgemeinschaft im November 2015 wegen Rutenschlägen eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Er hatte vor rund neun Jahren einen etwa 14 Jahre alten Schüler mit einer mindestens einen Meter langen Rute auf den nur mit der Unterhose bekleideten Hintern geschlagen. Die Tat sei in ihrer Art und Weise besonders erniedrigend, befand das Gericht damals.

Ins Rollen kamen die Ermittlungen, als die Polizei im September 2013 rund 40 Kinder aus den Gemeinschaften im schwäbischen Klosterzimmern bei Deiningen und im mittelfränkischen Wörnitz holte. Mittlerweile hat die Sekte angekündigt, nach Tschechien und in andere Länder ziehen zu wollen, weil sie in Deutschland "verfolgt" werde.
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