Heinrich Dumproff zieht nach 62 Jahren Jagd eine ernüchternde Bilanz
Rehe nur noch in der Nacht

Heinrich Dumproff (stehend) hat als Jäger viel gesehen, allerdings in den vergangenen Jahren auch immer weniger Reh- und Hauptwild. Bild: hia
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Bayern
20.04.2016
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Speichersdorf/Bayreuth. 1954 ging Heinrich Dumproff erstmals mit seinem Vater zur Jagd. Ab 1968 war der Bayreuther Ehrenpräsident des Bayerischen Jagdverbandes als alleiniger Pächter der Speichersdorfer Jagd - bis 31. März diesen Jahres. Mit einer denkwürdigen Rede im Gasthaus "Rotes Ross" sagte er den rund 60 Jagdkollegen und Vorstehern der 22 Reviere im Hegering Speichersdorf, aber auch Vertretern der Staatsreviere zum letzten Mal "Waidmanns Heil".

"Die Jagd ist nicht mehr das, was sie einmal war", lautete Dumproffs Resümee. Mit Zahlen, Daten und Fakten aus 62 Jahren Jagd redete der 79-Jährige Klartext sowie seinen Zuhörern ins Gewissen. Die Erfahrungen in seinem Speichersdorfer Revier seien weitgehend deckungsgleich mit vielen bayerischen Revieren. Allein die Entwicklung der Strecken bei den Hauptwildarten seit 1962 sei erschreckend. Damals seien noch an die 100 Hasen geschossen worden, seit 2010 seien es gerade mal 14 gewesen. Ähnliches berichtete er vom Rebhuhn.

Der Rehbestand unterliege Schwankungen aufgrund der Mähverluste. Zudem sei das Rehwild aufgrund der Störfaktoren inzwischen zu einem reinen Nachttier geworden. Heute müsse dreimal angesessen werden, um überhaupt ein Tier zu schießen, meinte Dumproff. Überdurchschnittlich zugenommen haben die Füchse. Waren es früher drei, so sind es in Spitzenzeiten 15. Große Gewinner seien die Sauen, wobei Speichersdorf hier eine Enklave sei. "Hier sind die Störungen so groß, dass es nicht mal eine Sau aushält", betonte er süffisant.

Eine Ursache für diese Entwicklung sah der Redner in der veränderten Landwirtschaft. Diese habe keine anderen Möglichkeiten mehr, als effektiv zu produzieren. In ein paar Viertelstunden würden mehrere Hektar Wiesen gemäht. Das treffe vor allem Rehkitze und Maulwurf. Zudem sei der Flächenverbrauch in Speichersdorf um 25 Prozent zurückgegangen. Besonders ortsnahe Reviere litten unter dem immer größeren Hang der Bevölkerung, in die Natur zu gehen. "Beim Recht auf Genuss der Natur sehen viele zu wenig die Pflichten", meinte der Ehrenpräsident in Hinblick auf Hundehalter, die ihre Vierbeiner freilaufen lassen, Reiter mit Laternen und "gröhlende Besoffene". Drück- und Treibjagden könnten gar nicht mehr verantwortbar durchgeführt werden, weil zu viele Menschen abseits von Wegen rumstolzierten. "Um 5 Uhr kommt der Jogger, um 6 Uhr der erste Hund."

Als Speichersdorf noch zur Oberpfalz gehört habe, seien Trophäenschauen noch riesige Veranstaltungen in Kötzersdorf gewesen. Heute seien die Ergebnisse alles andere als weltbewegend. Andererseits würden Böcke durch die milden Winter bessere Hörner schießen. Daher schaue ein Gehörn heute aus wie das eines Fünfjährigen, es sei aber tatsächlich nur das eines Zweijährigen.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung stellte Dumproff die Abschussplanung in Frage. Auch ob es Trophäenschauen in der Form überhaupt noch geben sollte. "Letztlich liegt es in der Hand des Revierinhabers, wie er seinen Abschuss gestaltet." Er könne überschießen, wenn Schäden zu hoch, oder schonen, wenn kaum welche vorhanden seien.
Die Jagd ist nicht mehr das, was sie einmal war.Heinrich Dumproff
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