Im Gebet innehalten

Eine beeindruckende Gemeinschaftsleistung ist der neue Glockenturm.
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Bayern
15.11.2016
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Es ist ein "Leuchtturmprojekt". Die Neugrüner haben einen neuen Glockenturm. Eine alte Tradition soll dadurch lebendig bleiben.

Neugrün/Mehlmeisel. "Das Gebetläuten ist in der christlichen Tradition katholischer Gemeinden noch tief verwurzelt, auch wenn es mittlerweile wohl immer weniger beachtet wird und manch einer sich dadurch in seiner Ruhe gestört fühlt. Früher war es selbstverständlich, dass während des Läutens auf den Feldern und in den Häusern die Männer den Hut abnahmen, die Arbeit unterbrachen und gemeinsam der "Engel des Herrn" gebetet wurde, erzählt Bernhard Raab, Inhaber des Gasthofs "zum Loisl" in Neugrün.

Und die Eltern hatten ihren draußen herumtobenden Kindern eingeschärft: "Zum Gebetleiten bist daham". In einer Zeit ohne Armbanduhren sei das Gebetläuten für Menschen, die im Freien gearbeitet haben, auch eine wichtige Zeitangabe gewesen: Arbeitsbeginn, Mittagspause und Feierabend - jeweils mit einem gemeinsamen Gebet verbunden. Auch meinen Tag hat es oft strukturiert", gibt der Neugrüner Gastwirt gerne zu. "Bis zum Jahr 2000 oder kurz danach hat auch "auf der Gloshütt'n" die Glocke geläutet: um 6 Uhr früh, mittags um 12 Uhr und am Abend, später aber nur noch zum Totengeleit.

1957 war die 85 Kilo schwere, 1948 gegossene Bronze-Aluminium-Glocke vom Hammerkirchl - weil dessen Glockenstuhl nicht mehr stabil genug war - nach Neugrün (Gemeinde Mehlmeisel) gebracht und im damals extra geschaffenen Stodl-Anbau der Familie Kellner, die auch Eigentümer der Neugrüner Kapelle ist, angebracht worden.

Da auch hier mit der Zeit die Sicherheit gefährdet war, wurde 2013 die Idee geboren, neben dem Kirchlein einen Glockenturm mit elektronischem Läutwerk zu errichten. "Um den alten Brauch des Gebetläutens in Neugrün wieder zu beleben "und die damit verbundene, wohltuende Erfahrung eines kurzen Innehaltens und des Gebets an die nachwachsende Generation weiterzugeben", bringt Bernhard Raab Sinn und Zweck auf den Punkt. So waren unter seiner Federführung 2013 erste Pläne geschmiedet, in vielen Versammlungen endlos diskutiert und debattiert, Spendenaufrufe gestartet, Unterstützer gesucht worden - mit großem Erfolg. Jetzt wurde der 6,50 Meter hohe Glockenturn feierlich geweiht, die Festgesellschaft von Bernhard Raab begrüßt und anschließend von ihm in seinem Gasthof bewirtet. Überwältigt war er von der hohen Spendenfreudigkeit, vor allem der Neugrüner Bewohner, aber auch von anderen Wohltätern, denen dieser Glockenturm am Herzen lag. Auf ein offenes Ohr stieß Raab gleich bei dem Leiter des Forstbetriebs Fichtelberg, Winfried Pfahler: Die Bayerischen Staatsforsten lieferten das Lärchenholz kostenlos. 500 Stunden Eigenleistungen wurden erbracht. Gratis errichtete die Gemeinde das Fundament für den neuen Turm, den Bürgermeister Franz Tauber ein "Leuchtturmprojekt" nennt und die "Hartnäckigkeit der Neugrüner" würdigte. "Möge die Glocke allen, die sie hören und allen Toten, die sie begleitet, zum Segen werden", wünschte sich Pfarrer Josef Fischer. (Hintergrund)
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