Immer mehr Attacken gegen Rettungskräfte
Notruf des Roten Kreuzes

Es gibt keine erhöhte Tätigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund.
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Bayern
27.01.2016
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Einsatz von ehrenamtlichen Sanitätern des Roten Kreuzes am Münchener Oktoberfest. Immer öfter werden die Helfer selbst Ziel von Attacken. Archivbild: dpa

Aggression und Gewalt gehören für viele Rettungskräfte mittlerweile zum Berufsalltag. Das Bayerische Rote Kreuz schlägt nun Alarm. Sie fordern mehr Unterstützung - und haben vor allem einen Adressaten.

München. Für viele Rettungskräfte sind bei ihren Einsätzen Übergriffe an der Tagesordnung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), die Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk am Mittwoch in München vorstellte. In 180 Fällen wurden Rettungskräfte demnach im vergangenen Jahr verbal oder körperlich angegangen. "Die Dunkelziffer liegt deutlich höher", sagte Stärk. Denn aus Scham oder falscher Gewohnheit spielen viele Einsatzkräfte die Angriffe herunter.

Keine Hemmschwelle


Die Gewalt sei an der Tagesordnung, sagt etwa Jonas Güldner, der im Landkreis Bamberg als Rettungsassistent arbeitet. Zusammen mit einem Kollegen wurde er 2015 kurz vor Weihnachten bedroht und umzingelt, als die beiden einen stark betrunkenen Mann betreuen wollten.

Auch Daniela Janzen, die seit 20 Jahren ehrenamtlich beim BRK arbeitet, teilt diese Ansicht: "Die Hemmschwelle ist weg." Sie versorgte im vergangenen Jahr einen betrunkenen Mann am Rande eines Faschingszugs, als dieser plötzlich anfing, wild um sich zu schlagen. Janzen trug eine Gehirnerschütterung davon.

Fälle wie diese bestätigen das Ergebnis der Studie. Die Ursachen der Gewalt sind häufig Alkoholkonsum oder Drogenmissbrauch, die Täter meist junge Männer. Die Herkunft spiele dagegen keine Rolle, betonte Stärk: "Es gibt keine erhöhte Tätigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund." Auch handele es sich keinesfalls um ein Großstadtphänomen: "Wir sind mit diesem Problem in der Mitte der Gesellschaft angekommen."

Deeskalation trainieren


Das BRK setzt deshalb auf zusätzliche Lehrgänge zu Deeskalationsmaßnahmen. Die Organisation fordert auch, Widerstand und Gewalt gegen Rettungskräfte härter zu bestrafen. Dies soll mit der Einführung eines "Schutzparagrafen" im Strafgesetzbuch geschehen, durch den tätliche Angriffe gegen Polizisten, Feuerwehrmänner oder andere Einsatzkräfte mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden könnten. Derzeit würden Übergriffe lediglich mit Tagessätzen oder ein paar Tagen Jugendarrest bestraft, sagte Stärk. In den meisten Fällen würden die Täter gar nicht angezeigt. (Angemerkt)

Zwei FallbeispieleDas Bayerische Rote Kreuz schlägt Alarm: Aggression und Gewalt sind mittlerweile für viele Rettungskräfte an der Tagesordnung. Die Deutsche Presse-Agentur beschreibt zwei Fallbeispiele:

Kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres will Jonas Güldner, Rettungsassistent aus Bamberg, zusammen mit einem Kollegen einen stark betrunkenen Mann betreuen. Dessen Freunde - fünf junge Männer, ebenfalls alkoholisiert - beginnen daraufhin, die Rettungskräfte zu beleidigen, zu schubsen und mit Pfefferspray zu bedrohen. "Das waren die längsten acht Minuten, die ich je an einer Rettungsstelle verbracht habe", erinnert sich Güldner an das Warten auf die Polizei. Daniela Janzen, die seit 20 Jahren ehrenamtlich beim BRK arbeitet, versorgt im vergangenen Jahr einen betrunkenen Mann am Rande eines Faschingszugs, der nach einer Schlägerei blutet. Plötzlich fängt dieser an, wild um sich zu schlagen. Janzen trägt eine Gehirnerschütterung davon. Sie wird in diesem Jahr erneut im Einsatz sein, ein mulmiges Gefühl hat sie aber trotzdem: "Man geht ganz anders hin." (dpa)
Es gibt keine erhöhte Tätigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund.BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk
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