Immer mit Medikamenten-Liste

Bei Patienten mit einem gut eingestellten Diabetes sind keine Schwierigkeiten bei zahnärztlichen Behandlungen zu erwarten.
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Bayern
21.05.2016
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"Wenn man drei oder vier Medikamente gleichzeitig nimmt, kann kein Experte sicher sagen, wie die Wechselwirkungen sein werden", hob Dr. Marc-André Grundl hervor. Er sprach im Klinikum Fichtelgebirge in Marktredwitz und Selb über "Risikopatienten in der zahnärztlichen Praxis".

Marktredwitz. Über 50 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland nehmen regelmäßig vom Arzt verordnete Medikamente ein, so Dr. Marc-André Grundl. "Ein Drittel davon sogar vier oder mehr Medikamente gleichzeitig." Problematisch hierbei sei, dass viele Patienten nicht genau wüssten, welche Medikamente gegen welche Erkrankungen eingenommen werden und dass bei zwei oder mehreren gleichzeitig verabreichten Medikamenten die Wirkung der einzelnen Mittel unerwünscht klein oder groß und zum Teil gänzlich anders ausfallen könne. Für Dr. Grundl sind Patienten mit Grunderkrankungen und den daher eingenommenen Medikamenten Risikopatienten. Er führte aus, dass bis zu 60 000 Todesfälle in Deutschland auf unbedachte Wechselwirkungen zurückgingen. Bei den drei großen Volkskrankheiten Bluthochdruck, koronare Herzerkrankungen und Diabetes sorgten die typischerweise verordneten Medikamente für ganz unterschiedliche Probleme.

Blutungen


Auch die bei Schlaganfällen und deren Vorstufen häufig verordneten Blutverdünner müssten dem Zahnarzt angezeigt werden, da es sonst bei Eingriffen zu unstillbaren Blutungen kommen könne. Bei allen invasiven Eingriffen könnten Bakterien aus der Mundhöhle in die Blutbahn gelangen und bei Patienten mit Herzfehlern große Probleme verursachen. "Daher wird in diesem Fall schon vorbeugend ein Antibiotikum eingenommen."

Der Zahnmediziner fuhr fort: "Bei Patienten mit einem gut eingestellten Diabetes sind keine Schwierigkeiten bei zahnärztlichen Behandlungen zu erwarten." Diejenigen jedoch, deren Diabetes-Medikation nicht optimal abgestimmt sei, müssten vermehrt mit Infektionen und Wundheilungsstörungen rechnen. "Auch können sie keine zahnärztlichen Implantate erhalten." Dr. Marc-André Grundl erläuterte, dass ein schlecht eingestellter Diabetes und die Häufigkeit und Schwere von Zahnbetterkrankungen (Parodontose, Parodontalabszess) sich negativ beeinflussen. "Stabile parodontale Verhältnisse helfen, den Diabetes besser einzustellen" erklärte Dr. Grundl bei seinen Vorträgen in Selb und Marktredwitz.

Unterzuckerung


Als Beispiele für unerwünschte Wechselwirkungen führte er ASS an. Dieses verdränge die Wirkung von Antidiabetika und fördere damit eine Hypoglykämie (Unterzuckerung). Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) zusammen mit dem Antibiotikum Erythromycin verlängerten beispielsweise die Wirkung von Medikamenten zur Sedierung. Am Ende seines Vortrags riet Dr. Grundl den Zuhörern, dem Arzt vor zahnmedizinischen Eingriffen eine Liste mit allen derzeit verordneten Medikamenten vorzulegen. "So kann gefährlichen Wechselwirkungen wirkungsvoll vorgebeugt werden."
Bei Patienten mit einem gut eingestellten Diabetes sind keine Schwierigkeiten bei zahnärztlichen Behandlungen zu erwarten.Dr. Marc-André Grundl
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