Interkulturelle Aufklärungskampage in Münchner Schwimmbädern
Hände weg in sieben Sprachen

Ein Plakat mit Baderegeln klärt unter anderem darüber auf, dass Frauen weder verbal noch körperlich sexuell belästigt werden dürfen. Bild: dpa
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Bayern
13.01.2016
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Eine Frau im Bikini, daneben eine durchgestrichene Hand. Ein Bademeister und eine Bademeisterin mit erhobenen Zeigefingern, dazwischen ein Gleichheitszeichen. Die Münchener Schwimmbäder sind mit einer interkulturellen Aufklärungskampagne Vorreiter.

München. Menschen aus anderen Kulturen bringen neue Probleme - mit einer Aufklärungskampagne in den Münchener Schwimmbädern mit Comicbildern und auf anderen Sprachen haben die Betreiber gute Erfahrungen gemacht. Zahlreiche Bäder in Deutschland hätten die Vorlage inzwischen übernommen, sagte ein Sprecher der Stadtwerke München am Dienstag.

Die Flyer und Plakate klären unter anderem über scheinbare Selbstverständlichkeiten auf, zum Beispiel dass Wasser für Nichtschwimmer gefährlich sein kann. Es geht aber auch darum, dass den Anweisungen des Badepersonals - egal ob Mann oder Frau - Folge zu leisten ist und Frauen weder verbal noch körperlich sexuell belästigt werden dürfen. Die Flyer, die neben Deutsch, Englisch und Französisch in Arabisch, Somali, sowie in den etwa in Afghanistan genutzten Sprachen Pashtu und Dari gedruckt wurden, helfen dem Personal bei der Präventionsarbeit.

Die Idee sei 2013 gekommen, weil sich die Probleme in den 18 Hallen- und Freibädern der Landeshauptstadt häuften. Vor allem seien immer wieder Migranten ins Wasser gesprungen, die nicht schwimmen konnten. Darüber hinaus habe es vorwiegend interkulturelle Probleme gegeben, sagte der Sprecher: "Der Grundsatz der Akzeptanz von Frauen - egal in welcher Kleidung - wird leider nicht von allen Badegästen respektiert, deshalb der explizite Hinweis darauf."

München als Vorreiter


Damals seien die Münchener das erste Bäderunternehmen in Deutschland gewesen, das eine solche Kampagne ins Leben rief, sagte der Sprecher. 20 000 Flyer seien gedruckt worden, die nächste Auflage sei gerade in Planung. Geprüft werde auch, ob Drucke in weiteren Sprachen nötig seien. Zudem sei das Personal interkulturell geschult worden, so dass die Mitarbeiter schon an der Kasse das Infomaterial anbieten. "Das kommt auch bei Kunden gut an. Sie fühlen sich wertgeschätzt."

München ist eine Großstadt mit einem der höchsten Ausländeranteile in Deutschland. Zudem wurde das Thema Aufklärung mit den steigenden Flüchtlingszahlen noch einmal verstärkt. Die Flyer, die das Personal auch aktiv verteilt, wurden mit der Gleichstellungsstelle, der Anti-Diskriminierungsstelle und der Stelle für Interkulturelle Zusammenarbeit der Landeshauptstadt erstellt.
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