Interview mit VDMA-Geschäftsführer Dr. Bernd Scherer
"Wo Innovation auf Tradition trifft"

VDMA-Geschäftsführer Dr. Bernd Scherer über Zukunftsfragen der Landtechnik.
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Bayern
20.09.2016
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Noch bis 25. September versammeln sich auf der Münchner Theresienwiese, in direkter Nachbarschaft zum größten Volksfest der Welt, landwirtschaftlich Interessierte und solche, die es werden wollen, zum traditionsreichen Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF). Dr. Bernd Scherer, Geschäftsführer des Herstellerverbandes VDMA Landtechnik, berichtet über technikaffine Landwirte, Düngung mit Radar und die impulsgebende Rolle des ZLF.

Was macht für Sie den besonderen Reiz des ZLF aus?

Hier gehen bayerische Gemütlichkeit und zukunftsweisende Hightech eine fruchtbare Allianz ein, in einer einzigartigen, impulsgebenden Atmosphäre.

Welche technischen Schmankerl haben die Landmaschinen- und Traktorenhersteller nach München mitgebracht?

Wir erleben ein sehr breites Spektrum an innovativer Technik, das jeder Betriebsform und -größe gerecht wird. Ganz gleich, ob Milch- oder Ackerbauer, Profi- oder Nebenerwerbsbetrieb - passgenaue Maschinen und Geräte aller Segmente zeigen, was in moderner Agrartechnik steckt. Schlagkraft, Nutzungskomfort und intuitive Bedienbarkeit stehen dabei ganz oben auf der Wunschliste unserer Kunden. Im Zentrum der Innovation stehen in diesem Jahr vor allem intelligente Vernetzungslösungen. Rechnergestützte Konzepte, die nicht nur die einzelne Maschine schneller, leistungsfähiger und effizienter machen, sondern, die den gesamten Produktionsprozess - von der Aussaat bis zur Abfuhrlogistik - im Blick haben.

"Farming 4.0" ist in aller Munde, für viele aber noch immer nicht richtig greifbar. Was hat es damit auf sich, und in welche Richtung wird die Landwirtschaft von morgen navigieren?

Farming 4.0 beschreibt die internetgestützte Vernetzung sämtlicher inner- und überbetrieblicher Prozesse. Der digitale Fortschritt, der momentan in Landwirtschaft und Landtechnik Einzug hält, gründet sich auf durchdachte und vielfach erprobte Entwicklungen. Dass heute schon 80 Prozent der Landtechnik-Innovation auf digitalen und elektronischen Produktideen beruht, zeigt, dass wir mit der Vernetzung der landwirtschaftlichen Prozesskette nicht erst gestern begonnen haben. Tragfähige, markenübergreifende Schnittstellen zwischen Traktor und Anbaugerät, wie wir sie seit Jahren in allen Produktsegmenten kennen, bilden die Grundlage des Vernetzungsgedankens, der natürlich kein Selbstzweck ist. Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit in einem zunehmend global aufgestellten Marktumfeld zu steigern, sind die wesentlichen Triebfedern der digitalen Wende.

Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, klingt gut. Was heißt das konkret?

Die digitale Produktionskette bietet so zahlreiche Optionen zur Effizienzoptimierung, dass diese sich unmöglich auch nur annähernd vollständig beschreiben ließen. Spannend ist beispielsweise die zunehmend genutzte Möglichkeit, entsprechend programmierte Drohnen etwa für Maßnahmen des Monitoring einzusetzen. Ausgestattet mit hochauflösender Video- und Wärmebildtechnik lassen sich Bestandslücken, Reifestadien oder Schädlingsbefall absolut exakt ermitteln.

Bekämpft wird letzterer sogar direkt aus der Luft mit Hilfe elektronisch steuerbarer Abwurfvorrichtungen, die zum Beispiel Wespenlarven zur natürlichen Abwehr von Schadinsekten freigeben können.

In der Düngetechnik gibt es mittlerweile den Ansatz, die schon heute hohe Präzisionsleistung mit Hilfe von Radartechnologie weiter zu steigern. Nur dort, wo Düngung auf fruchtbaren Boden fällt, sollen wertvolle Nährstoffe zugesetzt werden. Das Streubild, also das zugrundeliegende Muster der Substratausbringung, lässt sich mi Hilfe intelligenter Software koordinatengenau an die unterschiedlichen Fruchtbarkeitsniveaus des Schlages anpassen. Modernste Radartechnik hilft, die Querverteilung des Düngemittels zu optimieren. In welche Richtung das einzelne Düngerkorn ausgeworfen werden muss, errechnet der Computer auf Basis der vom Korn reflektierten Radarwellen. Da dies in Echtzeit geschieht, ist Präzision garantiert. (BBV)
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