Jahresrückblick 2015
Bayernrückblick im Monatstakt

Die große Weltpolitik zu Gast im schönen Bayern: Am Rand des G7-Gipfel auf Schloss Elmau diskutiert Bundeskanzlerin Angela Merkel mit US-Präsident Barack Obama - im Hintergrund die Wettersteinspitze. Bilder: dpa
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Bayern
16.12.2015
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Beate Zschäpe im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts München.

Das Jahr 2015 war auch in Bayern ein ungemein bewegtes Jahr. Wir bringen ausgewählte Rücktritte, wichtige Gerichtsprozesse, Affären und große Aufregerthemen im freistaatlichen Monatsüberblick.

Januar

Sieben Monate nach Haftantritt wird Uli Hoeneß Freigänger. Der Ex-Präsident des FC Bayern München kann nun tagsüber das Gefängnis verlassen und einer geregelten Arbeit nachgehen, wie das bayerische Justizministerium bestätigt. Nur zum Schlafen muss Hoeneß abends wieder hinter Gitter.

Februar

Zentrales Thema auf der Münchner Sicherheitskonferenz (bis 8. Februar) ist die Ukraine-Krise. Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) US-Pläne für Waffenlieferungen an die Ukraine als "kontraproduktiv" ab.

März

Die Staatsregierung bringt eines ihrer wichtigsten Projekte dieser Legislaturperiode auf den Weg: In den kommenden Jahren werden mehr als 2000 Behördenstellen und nahezu 1000 Studienplätze in den ländlichen Bereich verlagert.

In der Verwandtenaffäre im bayerischen Landtag verurteilt das Amtsgericht Augsburg den ehemaligen CSU-Fraktionsvorsitzenden, Georg Schmid, wegen Sozialbetrugs und Steuerhinterziehung zu einer 16-monatigen Bewährungsstrafe und einer Geldauflage von 120 000 Euro. Schmid hatte seine Ehefrau 22 Jahre lang als Scheinselbstständige in seinem Wahlkreisbüro beschäftigt.

April

Am 70. Jahrestag der Befreiung von den Nationalsozialisten wird in München das NS-Dokumentationszentrum eröffnet. Es steht genau an der Stelle, von der aus das Grauen gesteuert wurde: Früher befand sich hier die NSDAP-Parteizentrale. Die Ausstellung soll zeigen, wie die weltoffene Kulturmetropole sich zum Sammelbecken antisemitischer und nationalistischer Kräfte entwickeln konnte. Der Anspruch: Kein Museum, sondern ein Lern- und Erinnerungsort. Um sie nicht museal aufzuwerten, gibt es keine Originale aus der Nazizeit wie Uniformen.

Mai

Bei Razzien in Bayern und anderen Bundesländern werden vier mutmaßliche Mitglieder einer bis dahin unbekannten rechtsextremen Terrorgruppe festgenommen. Die Bundesanwaltschaft beschuldigt die vier Deutschen, gemeinsam mit anderen die terroristische Vereinigung "Oldschool Society" (OSS) gegründet und Anschläge auf Islamisten, Moscheen und Asylbewerberheime geplant zu haben. In Augsburg wird der selbsternannte Anführer der Organisation, Andreas H., festgenommen.

Juni

Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden westlichen Industrieländer treffen sich zum G7-Gipfel auf Schloss Elmau (Landkreis Garmisch-Partenkirchen). Themen der Gespräche (bis 8. Juni) sind vor allem der Klimaschutz und der Ukraine-Konflikt. Die Gipfel-Teilnehmer einigen sich darauf, "im Laufe des Jahrhunderts" eine Weltwirtschaft ohne die Nutzung von fossilen Energieträgern zu ermöglichen. Angesichts der jüngsten Eskalation in der Ostukraine drohen sie Russland mit schärferen Sanktionen.

Juli

Ein vermutlich psychisch kranker Amokläufer erschießt zwei Menschen in Leutershausen in Mittelfranken. Auf seiner Flucht schießt er auch auf einen Landwirt und bedroht eine Autofahrerin, bevor ihn Mitarbeiter einer Tankstelle in Bad Windsheim überwältigen können. Die Polizei nimmt den zur Tatzeit 47-Jährigen fest. Der Sportschütze besaß legal eine Pistole und einen Revolver.

August

Der Deutsche Wetterdienst registriert am 7. August im unterfränkischen Kitzingen erneut den deutschen Rekordwert von 40,3 Grad Celsius. Dieser Temperaturhöchstwert für Deutschland war dort bereits am 5. Juli erreicht worden.

September

München kann erstmals seit Beginn der Flüchtlingswanderung nicht mehr allen Ankommenden eine Notunterkunft bieten. Bis zum Abend kommen 9000 Menschen an, bis zu 13 000 sind es geschätzt bis Mitternacht. Der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), berichten, Feldbetten seien kaum noch zu bekommen. Die Hilfsbereitschaft der Münchner ist ungebrochen. Sie bringen bis spät in die Nacht Decken, Schlafsäcke und Isomatten zum Hauptbahnhof.

Oktober

Im Prozess um einen tödlichen Messerangriff im Jobcenter von Rothenburg ob der Tauber (Landkreis Ansbach) wird der Angeklagte wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. Zugleich ordnet das Landgericht Ansbach die Unterbringung des psychisch kranken 29-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Nach Überzeugung der Kammer stach der Mann Anfang Dezember 2014 im Büro einer Jobvermittlerin mit einem Küchenmesser auf einen Psychologen ein und traf ihn dabei tödlich ins Herz.

November

In einem Haus in Oberfranken findet die Polizei acht Babyleichen - in Handtücher und Plastiktüten gewickelt. Einen Tag später nehmen die Beamten die mutmaßliche Mutter fest. Die 45-Jährige räumt ein, einige Kinder nach der Geburt getötet zu haben.

Dezember

Nach jahrelangem Schweigen bestreitet die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe jede Beteiligung an den Morden und Sprengstoffanschlägen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU). Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München lässt Zschäpe ihren Anwalt Mathias Grasel eine 53-seitige Aussage verlesen. Darin beteuerte sie, sie habe von den Morden und Anschlägen ihrer Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt immer erst im Nachhinein erfahren. Zschäpe bittet NSU-Opfer und deren Angehörige um Entschuldigung - die weisen das als unglaubwürdig zurück.
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