Jüdisches Gebäck zu harter Kost

Die Vorsitzenden des Historischen Clubs Marktredwitz, Friedrich Haubner (links), Bernd Leuthäußer (Zweiter von rechts) und Hermann Meier (rechts), freuten sich über die Referenten vom Otto-Hahn-Gymnasium, Markus Hartung, Mary Möller und Christian Haas (von links). Bild: wro
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Bayern
12.04.2016
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Auch in Marktredwitz wurden Juden bedroht, verfolgt, vertrieben. Damit das nicht in Vergessenheit gerät, freut sich der Historische Club auch über moderne Methoden - etwa eine Quiz-App, entwickelt von Gymnasiasten.

Marktredwitz. Aufgabe des 2005 gegründeten "Historischen Clubs Marktredwitz" ist die geschichtliche Erforschung der Stadt Marktredwitz. Monatlich trifft man sich zum Gedankenaustausch, Zeitzeugen kommen zu Wort. Der aktuelle Vortrag "Juden in Marktredwitz - Geschichte erforschen mit dem Computer" sorgte wieder für ein großes Publikum.

Der Titel ließ bereits ahnen, dass es an diesem Abend nicht nur um die Aufarbeitung der in Marktredwitz ansässigen jüdischen Familien ging. Überrascht waren die Zuhörer auch über die Gestaltung des rund eineinhalbstündigen Referats. Längst gehören Beamer und Laptop zur Grundausstattung dazu, neu an diesem Abend aber waren ein Tablet-PC und der immer wiederkehrende Hinweis auf eine von Schülern des Otto-Hahn-Gymnasiums entwickelte Quiz-App für moderne Smartphones.

Die sollten jedoch erst im zweiten Teil des Vortrags eine Hauptrolle bekommen. Zwei Themen nämlich hatten die Gäste vom Gymnasium zu einer Symbiose vereinigt. Ungewöhnlich war auch, dass mit Mary Möller, Markus Hartung und Christian Haas gleich drei Referenten zu Wort kommen sollten. Informatikbetreuer Markus Hartung und der Schüler Christian Haas erläuterten den technischen Teil des Referates. Seminarleiterin Möller zeigte sich für den historischen, auch für den kulinarischen Part des Abends zuständig. Wenige Stunden zuvor hatte sie Hamantaschen gebacken, reichte die mit Mohn gefüllte jüdische Spezialität zum Probieren herum.

Mary Möller wagte im einleitenden Vortrag den Versuch, den Abend zu straffen, legte ihr Hauptaugenmerk auf die Zeit vor rund 80 Jahren. Die Seminarleiterin erinnerte daran, dass es 1937 eine Anweisung des Marktredwitzer Bürgermeisters an die Lehrer gab, vor Einkäufen bei Juden zu warnen. Der jüdische Kaufmann Max Hirschfeld sei zu einer Geldstrafe von 500 Reichsmark verurteilt worden, weil er ein arisches Dienstmädchen beschäftigte.

Stellvertretend für die damals noch 17 in Marktredwitz lebenden Juden wählte Möller drei Schicksale aus, versprach, den Menschen ein Gesicht zu verleihen. Die Referentin erinnerte an die Kaufmannsfamilie Fischer, die in den 1930er Jahren nach Bamberg "evakuiert" wurde. Weitere Akten wurden vernichtet. Zahlreiche Fotos und Dokumente sind von der Schleifscheibenfabrik Offenbacher erhalten geblieben. Emil Offenbacher emigrierte ins Ausland.

Möllers Rückschau in die Stadthistorie erreichte das ehemalige Kaufhaus Thorn und dessen Inhaber Richard Rosenthal, schließlich die Notsynagoge in der Klingerstraße und die Phoenixbaracken am südöstlichen Stadtrand. Viele Häuser der jüdischen Mitbürger stehen noch, haben neue Besitzer gefunden. Die einstigen Inhaber sind in den Köpfen vieler Marktredwitzer noch verankert. Persönliche Erinnerungen und versöhnliche Anekdoten würzten die Reise in diesen eher dunklen Teil der Stadtgeschichte.

Der abschließende Teil des Abends war den Schülern vorbehalten. Stellvertretend stellte Christian Haas die bei einem Projektseminar entwickelte Geschichts-App vor (wir berichteten). Zielgruppen seien geschichtlich interessierte Schüler, die sich gerne ans Otto-Hahn-Gymnasium wenden können, wenn sie die Quiz-Applikation nutzen wollen. Tatkräftige Unterstützung fanden die Projektteilnehmer bei Stadtarchivleiterin Edith Kalbskopf. Unterstützt von den Referenten durfte die zeitgeschichtliche App ausprobiert und auch gleich aufs Smartphone herunterladen werden.

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Weitere Informationen:

www.historischer-club-mak.de/presse/Juedischen_Leben_in_MAK.pdf
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