„Kein ewig gestriger Verein“
Krieger- und Kriegerkameradschaft sieht sich als Mahner für die Jugend

Sie zogen bei der Jahreshauptversammlung Bilanz: Kreisvorsitzender Thomas Semba (von links), Norbert Schröter, Klaus Lindner, Fritz Tanner, Markus Lindner, Vorsitzender Gernot Hammon. Bild: hia
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Bayern
11.01.2016
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Wirbenz. In der Vereinsgaststätte Schindler zog die Soldaten- und Kriegerkameradschaft Bilanz. Allen voran hatte Kassier Norbert Schröter eine Überraschung zur Jahreshauptversammlung mitgebracht: Die Kameradschaft lebe von ihren engagierten Mitgliedern, sagte er eingangs. Immer die gleichen seien das ganze Jahr da. Sie stellten ohne Anspruch auf Gegenleistung private Gerätschaften zur Verfügung und lagerten zu Hause Vereinsutensilien. Dazu gehören Klaus und Markus Lindner. Zum Dank überreichte Schröter ihnen Gutscheine, die Fritz Tanner gesponsert hatte.

Vorsitzender Gernot Hammon erinnerte an viele Aktivitäten wie das Johannisfeuer und die Silvesterfeier. Auch zum Volkstrauertag sorgten die Kameraden mit Pfarrer Dirk Grafe, dem Gesangsverein, Fahnenträgern, Böllerschützen für eine würdige Feier. "Wir sind kein ewig gestriger Verein. Wir sind Mahner für die Jugend, dass so ein Krieg auf deutschem Boden nicht mehr stattfindet."

Wirbenz verfügt über zwei Kriegerdenkmale zum deutsch-französischen und den beiden Weltkriegen. Hier werden zwei Kränze niedergelegt. An die Gemeinde richtete Hammon die Bitte, künftig die Kosten zu übernehmen. Angeschafft hat der Verein ein 100-Mann-Zelt, das auch verliehen wird. Bei der Silvesterfeier an der Haidenaab hat es seine Feuertaufe bestanden. Klaus Lindner kümmert sich um die Lagerung und Ausleihe. Für 2016 ist ein Sommerfest angedacht, 2017 ist der Verein wieder Ausrichter des Faschings. Trotz Anschaffungen, die zu einem kleinen Minus führten, ist die Kasse gut aufgestellt, teilte Kassierer Schröter mit.

Anschließend beschlossen die Mitglieder, sich mit einem Zuschuss am Anbau einer externen behindertengerechten WC-Anlage und einem Lagerraum am Feuerwehrhaus zu beteiligen. Feuerwehrvorsitzender Fritz Tanner erläuterte die 12 000 Euro teuren Planungen. Ebenfalls stimmten die Kameraden dafür, dass das Böllerschießen künftig auch am Grab von Bundeswehrsoldaten und Mitgliedern, die es wünschen, erfolgt.

Kreisvorsitzender Thomas Semba lud für den 22. April, 19.30 Uhr, zur Kreisversammlung nach Ölbrunn ein. Die Kameradschaft Kastl feiert 125-jähriges Bestehen Ende Mai mit Gottesdienst und Festzug. Dabei wird das Kreistreffen ausgerichtet.

Bürgermeister Manfred Porsch und Semba dankten für die Gestaltung des Volkstrauertages. Auch im 21. Jahrhundert sei es dringend nötig, auf die Vermissten und getöteten Soldaten und Zivilisten aufmerksam zu machen. Der Krieg rücke immer näher an die europäische Grenze. Die Zahl von weltweit 60 Millionen Menschen auf der Flucht sei unvorstellbar. Umso mehr sei es für die Kameraden nötig, Bindeglied zur jüngeren Generation zu sein und Klartext zu reden. Der Kriegerverein gehöre zu den tragenden Säulen des gesellschaftlichen Lebens. Vor allem lobte Porsch die Zusammenarbeit der Vereine untereinander.

Junge ansprechenKreis- und stellvertretender Bezirksvorsitzender Thomas Semba berichtete angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen von einer engagierten Zukunftsdiskussion auf Landesebene. Das Mahnen und Erinnern müssten weitergehen. Die Führung wolle daher nicht an den Mitgliedern vorbei modernisieren.

Der Kreisverband Kemnath sei zwar mit stabilen Mitgliederzahlen noch gut aufgestellt, jedoch forderte Semba, noch offensiver die Stimme in der Öffentlichkeit zu erheben. Den Bundeswehrsoldaten müsse mehr Solidarität und gesellschaftliche Anerkennung zuteil werden. "Ich habe den Eindruck, dass immer mehr viel reden und schreiben, obwohl sie gar nicht dabei waren, keine Ahnung von der Kriegsrealität haben, und glauben, dass wir keine Armee mehr brauchen."

Es müssten Wege gefunden werden, das Vereinsleben zeitgemäßer zu gestalten und die junge Generation anzusprechen. Man müsse Veranstaltungsforen finden, die mehr den Zeitgeist treffen. "Wenn der Letzte das Licht ausmacht, ist es zu spät. Dann stirbt alles." Das wäre ein Schlag ins Gesicht des geistigen und kulturellen Lebens in Europa. Semba lud jeden ein, sich in die Diskussion einzubringen und Vorschläge zu unterbreiten. (hia)
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