Keramik auch fürs Knie

Die Keramik spielt eine bedeutende Rolle in der Hüftendoprothetik: Es gibt nur geringen Abrieb und die Lebensdauer eines künstlichen Gelenks aus Keramik ist sehr hoch. Keramik löst keine Allergien aus.
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Bayern
19.04.2016
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Die Keramik in der Endoprothetik ist ein absoluter Zukunftstrend. Dieses Fazit zog der Referent bei einem Vortrag im Klinikum Fichtelgebirge.

Marktredwitz/Selb. Um Prothesen innerhalb des Körpers geht es, wenn von Endoprothetik die Rede ist: Sie helfen, eine gestörte Gelenkfunktion wieder zu erlangen. Wie sehr die medizinische Forschung immer wieder darum bemüht ist, für diese Endoprothesen das optimale Material zu finden, erläuterte Raymund Bay, Chefarzt des Endoprothetischen Zentrums am Klinikum Fichtelgebirge Haus Selb in seinem Vortrag "Keramik in der Endoprothetik".

"Wann braucht man definitiv ein künstliches Gelenk?" Diese Frage bewegt den Patienten wohl am meisten. "Gelenkverschleiß", so Bay, "ist immer zunächst eine Erkrankung des Knorpels und wird erst später, wenn dieser abgenutzt ist, zur Knochenerkrankung." Das Einsetzen eines künstlichen Gelenks stehe immer am Schluss, wenn Maßnahmen wie Knorpeltherapie oder Umstellungsoperationen ausgeschöpft sind. Eine Alternative gebe es dann nicht mehr. Die Medizin könne keinen neuen Knorpel erschaffen.

Knie- und Hüftgelenke würden am häufigsten ersetzt, allerdings handle es sich hierbei um "Medizin der Reichen" - nur in einer Wohlstandsgesellschaft sei dies gang und gäbe. Ende des 19. Jahrhunderts seien in Berlin bei Tuberkulosekranken erste Hüftendoprothesen eingebaut worden, was durchwegs erfolglos geblieben sei, da diese Patienten bereits Keime in den Knochen hatten. In den 1930er Jahren habe man in den USA mit ersten Implantaten Erfahrungen gesammelt, bevor in den 1950er und 1960er Jahren Metallträger entwickelt wurden, die den modernen Prothesen schon sehr ähnlich waren.

"Lange Lebensdauer war jedoch auch diesen Implantaten nicht bescheiden", sagte Bay. "Es gab das gleiche Modell für alle, das durch deutlichen Abrieb gekennzeichnet war." Mit der Entwicklung des Knochenzements 1965 habe man Implantate zum ersten Mal richtig fixieren können; 1969 kamen die ersten keramischen Schäfte auf den Markt. Seit etwa 1979 gebe es lang haltbare Modelle, die bis heute standardmäßig verwendet werden. Ähnlich sei die Entwicklung bei den künstlichen Kniegelenken verlaufen.

Tatsächlich sei es die Knie- und Hüftendoprothetik, für die es schon länger gesicherte, standardisierte Konzepte gebe. Mittlerweile betrachte man auch den Ersatz des Oberarmkopfs als Standard. "Die Keramik spielt eine bedeutende Rolle in der Hüftendoprothetik: Es gibt nur geringen Abrieb und die Lebensdauer eines künstlichen Gelenks ist sehr hoch. Keramik löst keine Allergien aus." Mittlerweile, erläuterte der Chirurg, befinde man sich schon "in der vierten Keramikgeneration". Auch für das kranke Knie gebe es erste Prothesenmodelle mit Keramik. Man dürfe nicht vergessen, dass massive wirtschaftliche Interessen hinter der Frage stünden, welches Material der Operateur wählt. Es werde auch viel in die Forschung investiert.
Die Keramik spielt eine bedeutende Rolle in der Hüftendoprothetik: Es gibt nur geringen Abrieb und die Lebensdauer eines künstlichen Gelenks aus Keramik ist sehr hoch. Keramik löst keine Allergien aus.Chefarzt Raymund Bay
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