Kommentar zum Bahnunglück in Bad Aibling
Saubere Ermittlungen benötigen Zeit

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Bayern
11.02.2016
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Die schnelle Antwort auf das "Warum?" - es gibt sie nicht. Nach dem tragischen Zugunglück in Bad Aibling muss man sich aber natürlich trotzdem fragen, ob diese Katastrophe eines Frontalzusammenstoßes zweier Züge nicht hätte verhindert werden können. Nach allen geltenden Regeln des Eisenbahnverkehrs und angesichts der technischen Einrichtungen, die andernorts tausendfach im Einsatz sind, hätte der Unfall überhaupt nicht passieren dürfen. Er ist es aber dennoch.

Nicht einmal 24 Stunden nach dem Unfall verdichten sich die Hinweise auf menschliches Versagen, das angesichts der Lage der Dinge gut möglich erscheint. Aber eben nur erscheint. In einer technisch hochgerüsteten, komplexen Welt lassen sich selten einfache Antworten finden. Die Aufklärung komplexer Dinge hingegen braucht Zeit. In den heutigen Sicherungssystemen steckt Erfahrung aus 150 Jahren Eisenbahngeschichte, stecken die Lehren aus Katastrophen, die glimpflicher ausgingen, aber auch aus welchen, die noch schlimmer waren. In einem solch gewachsenen, umfangreichen System den Fehler zu finden, verlangt profunde Sachkenntnis und erfordert Zeit.

Diese Zeit sollen und müssen die Ermittler in Anspruch nehmen dürfen. Schließlich sollen sie die objektive Wahrheit ans Tageslicht befördern. Schnelle Antworten, so sehr sie sich die menschliche Neugierde wünschen mag, befördern Vorverurteilungen und falsche Verdächtigungen. Das macht das Leiden noch größer - auch bei Opfern und deren Angehörigen.

alexander.raedle@derneuetag.de
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