Konsum große Gefahr für werdende Mütter
Crystal-Welle brechen

Der Konsum von Crystal ist besonders für werdende Mütter gefährlich. Die Droge kann über sie direkt in den Blutkreislauf des Kindes gelangen und zu lebenslangen Schäden führen. Bild: Götz
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Bayern
06.04.2016
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Die Droge Crystal gefährdet zunehmend die Gesundheit un- und neugeborener Kinder. Darauf hat der Ärztliche Direktor der Kinderklinik Dritter Orden Passau, Professor Matthias Keller hingewiesen.

München. Von werdenden Müttern konsumiertes Crystal gelange über die Plazenta direkt in den Blutkreislauf der Kinder im Mutterleib und richte dort zum Teil lebenslange Gesundheitsschäden an. "Wenn die Mutter konsumiert, konsumiert das Kind automatisch mit", sagte Keller im Gesundheitsausschuss des Landtags. Mit dem Regensburger Suchtmediziner Norbert Wodarz forderte Keller eine speziell auf Crystal abgestellte Präventionsstrategie sowie den Aufbau regionaler Hilfsnetzwerke aus Medizinern, Jugendämtern und Sozialeinrichtungen. Keller und Wodarz sprachen von einem wachsenden Problem, das derzeit vor allem den ostbayerischen Raum betreffe.

Konkrete Zahlen für ganz Bayern gebe es nicht, in seiner Klinik seien im vergangenen Jahr aber 15 Säuglinge mit Crystal-Schäden behandelt worden, berichtete Keller. In Sachsen lebten derzeit 600 geschädigte Kinder in 400 Familien. "Wir sollten alles dafür tun, dass diese Welle nicht auch über Bayern rollt", mahnte Keller. Ansonsten drohten immense soziale und gesundheitliche Folgekosten. Wie Keller erläuterte, führt Crystal in der Schwangerschaft zu einem reduzierten Blutfluss in der Gebärmutter und damit zu einer schlechten Sauerstoffversorgung der Föten. Akute Folgen können Fehlbildungen, Herzfehler und eine gestörte Entwicklung des Gehirns sein.

Nach der Geburt litten die Kinder oft wochenlang unter Entzugserscheinungen, die sich in Dauerschreien oder Krampfanfällen äußerten. Spätfolgen könnten motorische Schwächen, Lern- und Entwicklungsstörungen sein. Zusätzlich seien die Kinder stärker gefährdet, später selbst Konsumenten zu werden.

Wodarz sprach sich dafür aus, junge Frauen stärker für die Gefahren zu sensibilisieren und sie zur Abstinenz zu motivieren. Oft sei dies aber schwer, weil die unter Drogen- einfluss stehenden Frauen ihre Schwangerschaft sehr spät bemerkten und nur ein geringes Verantwortungsgefühl entwickelten.

Laut Wodarz müssten Gynäkologen und Hebammen stärker auf die Problematik hingewiesen werden. Dies gelte auch für die Phase nach der Geburt, weil Crystal in die Muttermilch übergehe. Ziel müsse es sein, das in Passau etablierte Hilfsnetzwerk auszudehnen.
Wenn die Mutter konsumiert, konsumiert das Kind automatisch mit.Professor Matthias Keller, Kinderklinik Dritter Orden in Passau
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