Krankenhaus-Personal immer öfter Opfer von gewalttätigen Patienten
Notfall in der Notaufnahme

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Bayern
05.11.2016
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Beleidigungen, Beschimpfungen und fliegende Monitore: In manchen Krankenhäusern kommt es fast täglich Gewalt. Für die Mitarbeiter sind das einschneidende Erlebnisse.

München. Gewalt in Kliniken ist zum Alltag geworden - diesen Eindruck jedenfalls erwecken Zahlen des Klinikums Nürnberg: 30 bis 40 Entgleisungen von Patienten oder ihren Angehörigen werden monatlich gezählt. "Meist sind es verbale Entgleisungen, manchmal aber auch Handgreiflichkeiten", sagt Sprecher Bernd Siegler. Zwei Drittel der Fälle ereignen sich auf der Intensivstation, die weiteren vor allem in der Notaufnahme. Und das Klinikum in Nürnberg ist mit diesen Problemen kein Einzelfall.

Vor allem in den Innenstädten scheint es verstärkt Probleme mit aggressiven und gewalttätigen Patienten zu geben. Bei der Uni-Klinik München zeigt sich das besonders am Campus in der Innenstadt. "Ein Problem ist die Nähe zu Brennpunkten wie dem Hauptbahnhof, dem Sendlinger-Tor-Park und der Partymeile in der Innenstadt", sagt der Leiter der Notaufnahme, Markus Wörnle. In den meisten Fällen seien die aggressiven Patienten alkoholisiert, stünden unter Drogen oder hätten psychiatrische Probleme. "Teilweise machen diese Problempatienten bis zu 30 bis 50 Prozent unserer gesamten Patienten aus."

Der zweite Campus am Stadtrand hat dagegen deutlich weniger Probleme mit Gewalt gegenüber Mitarbeitern. Zu verbalen Ausschreitungen komme es hier drei bis vier Mal pro Woche, körperliche Entgleisungen seien sehr selten, sagt der Mediziner Matthias Klein. "Gewalttätige Vorfälle als Resultat unzufriedener Patienten haben wir nicht verzeichnet." Die Ursache für aggressives Verhalten von Patienten liege fast immer in medizinischen Gründen.

Die Uni-Klinik in Würzburg meldet ebenfalls kaum Probleme mit aggressiven Patienten, zu tätlichen Angriffen in der Notaufnahme sei es bislang nicht gekommen. Eines haben die Kliniken in München, Nürnberg und Würzburg aber dennoch gemeinsam: Sie setzen alle auf Deeskalation- und Anti-Aggressions-Trainings für das Personal. "Für die Mitarbeiter sind solche Entgleisungen traumatische Geschichten. Jeder Fall ist einer zu viel", sagt der Nürnberger Kliniksprecher Siegler.

Fluchtweg für Personal


Daher gehen die Maßnahmen der Nürnberger auch deutlich weiter: Abends und an Wochenenden wird ein Nachtdienst eingesetzt, außerdem wurden Notfallknöpfe eingerichtet, mit denen schnell die Polizei gerufen werden kann. "Wir überlegen derzeit auch, die Sitzpositionen der Mitarbeiter zu verändern, damit sie geschützt sind oder flüchten können", sagt Siegler. Die Maßnahmen kosten die Klinik im Jahr rund eine halbe Million Euro.

Ob die Situation in den Kliniken damit grundlegend beruhigt werden kann, bleibt aber fraglich. Denn sowohl Siegler in Nürnberg als auch Wörnle in München glauben, dass die Patienten inzwischen eine andere Erwartung an den Besuch in der Notaufnahme haben. "Niemand ist mehr bereit zu warten. In einer Notaufnahme muss man das aber nun auch mal - gerade wenn man nichts Schlimmes hat", sagt Siegler. Mit mehr Geld für Sicherheitsmaßnahmen werde sich daran nichts ändern.
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