Landkreis Tirschenreuth bei Immobilien mit am billigsten in Bayern
Günstiges Pflaster

Der Marktplatz von Tirschenreuth: Der Landkreis gehört in Sachen Immobilien zu den günstigsten Regionen im Freistaat. Das ergab die erste Studie für ganz Bayern. Archivbild: Grüner
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Bayern
20.06.2016
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"Für die Bürger mit einfachen und mittleren Einkommen sind die Immobilienpreise im Raum München praktisch nicht mehr bezahlbar." Zitat: Innenminister Joachim Herrmann (CSU)

Einfamilienhäuser sind im Landkreis Tirschenreuth fast fünfzehnmal günstiger als in München. Das geht aus dem Immobilienmarktbericht für den Freistaat hervor. Es gibt sogar noch billigere Ecken.

München/Weiden. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat den ersten umfassenden Immobilienmarktbericht für Bayern vorgelegt. Aus diesem geht hervor, dass in der Oberpfalz die Preise für Grundstücke, Häuser und Wohnungen zum Teil erheblich unter dem bayerischen Durchschnitt liegen. Besonders deutlich wird dies beim Vergleich des Preises für ein gebrauchtes Einfamilienhaus. Während dafür bei gleicher Größe und Ausstattung im Landkreis München rund 1,5 Millionen Euro bezahlt werden müssen, sind es im Landkreis Tirschenreuth nur 105 000 Euro. "Für die Bürger mit einfachen und mittleren Einkommen sind die Immobilienpreise im Raum München praktisch nicht mehr bezahlbar", sagte Herrmann.

In den ländlichen Regionen der Oberpfalz müssen Immobilienbesitzer dagegen mitunter Wertverluste beim Verkauf ihrer Immobilien hinnehmen. Zwar stiegen die Preise auch in der Oberpfalz während der vergangenen fünf Jahre im Durchschnitt leicht an, doch ergab eine demografische Sonderauswertung, dass vor allem in Gegenden mit rückläufiger Bevölkerung die Preise zurückgingen. Ausnahme war das Segment der Eigentumswohnungen. Hier sorgte eine hohe Nachfrage bei gleichzeitig geringem Angebot an qualitativ hochwertigen Immobilien für höhere Preise. Hintergrund ist wohl, dass in der aktuellen Niedrigzinsphase gerade vermietete Eigentumswohnungen als Geldanlage gesucht werden. Dieser Trend hat auch Agrar- und Forstflächen erfasst.

Für Flüchtlinge herrichten


Um der demografischen Entwicklung zu begegnen, empfahl Herrmann den betroffenen Gemeinden, leerstehende Wohnhäuser für die Unterbringung anerkannter Flüchtlinge und Asylbewerber herzurichten. Derartige Maßnahmen würden aus Mitteln der Städtebauförderung unterstützt. Dabei müsse jede Kommune für sich selbst entscheiden, wie viele Personen jeweils integrierbar seien. "Wir schreiben da nicht vor", betonte Herrmann.

Die Aufnahme bleibeberechtigter Flüchtlinge sei aber eine Möglichkeit, die Einwohnerentwicklung zu stabilisieren und den Immobilienmarkt wiederzubeleben. Der Freistaat helfe zudem mit der Regionalförderung und Behördenverlagerungen, neue Arbeitsplätze in die Regionen zu bringen, um sie als Wohn- und Lebensraum attraktiv zu halten. Man wolle hier "gezielt Akzente setzen". Ausweislich des Marktberichts ging die Zahl der Immobilienkaufverträge in Bayern von 2011 bis 2014 um 13 Prozent auf 151 000 zurück, gleichzeitig stieg der dabei getätigte Umsatz um 8 Prozent. Herrmann folgerte daraus, dass das Angebot nicht mit der Nachfrage Schritt halten konnte. Er appellierte an die Kommunen, den Wohnungsbau voranzutreiben, mehr Bauland auszuweisen und schneller zu planen.

Am unteren Ende der Skala kostet ein gebrauchtes Ein- oder Zweifamilienhaus im oberfränkischen Landkreis Kronach nur 85 000 Euro. Die Eigenheimpreise in der Region München sind nicht nur im Vergleich mit Kronach auf ein astronomisches Niveau gestiegen: Der bayernweite Durchschnittspreis eines Ein- oder Zweifamilienhauses liegt bei 340 000 Euro, ein Reihenhaus beziehungsweise eine Doppelhaushälfte kostet im Mittel 275 000 Euro.

Bamberg immer teurer


Die Immobilienpreise steigen aber keineswegs nur in der Region München, sondern im Großteil Bayerns. Teuerste Stadt außerhalb Oberbayerns ist mittlerweile Bamberg, wo sich der Durchschnittspreis für ein Ein- oder Zweifamilienhaus den 600 000 Euro nähert. Herrmann appellierte an die Kommunen, den Wohnungsbau voranzutreiben, mehr Bauland auszuweisen und schneller zu planen.

Für die Bürger mit einfachen und mittleren Einkommen sind die Immobilienpreise im Raum München praktisch nicht mehr bezahlbar.Innenminister Joachim Herrmann (CSU)


Immobilienpreise in der OberpfalzIn den Landkreisen der Oberpfalz kostete 2015 ein Einfamilienhaus durchschnittlich 165 000 Euro, 30 000 Euro mehr als 2011. Die Preise lagen bei 105 000 Euro im Landkreis Tirschenreuth, 160 000 Euro im Landkreis Neustadt/WN, 175 000 Euro im Landkreis Schwandorf und 180 000 Euro im Landkreis Amberg-Sulzbach. Teuerste Stadt war Regensburg mit 530 000 Euro, gefolgt von Weiden (220 000 Euro) und Amberg (180 000 Euro). Der Preis für ein Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte lag im Durchschnitt zwischen 20 000 und 50 000 Euro darunter. Für eine Eigentumswohnung mussten in der Oberpfalz durchschnittlich 1450 Euro je Quadratmeter für Gebrauchtimmobilien bezahlt werden, 2650 Euro für Neubauten. (jum)
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