Lebendiger Vortrag in der Max-Reger-Halle klärt knapp 2700 Schüler über Sicherheitslücken auf
Medienkompetenz, statt Angst vor dem Internet

Knapp 2700 Schüler informierten sich in der Max-Reger-Halle zum Thema Sicherheit im Internet. Der lebhafte Vortrag von Erwin Markowsky animierte sie zum Mitmachen. (Bild: Christian Gold)
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Bayern
06.11.2014
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Text: Sonja Kaute, Videos: Christian Gold

„Gehirn einschalten ist das beste Antivirenprogramm“, betont IT-Spezialist Erwin Markoswsky in der Max-Reger-Halle in Weiden. Er sensibilisiert knapp 2700 Schüler aus der Region für die Sicherheit im Internet. Am Ende entscheidet sich so mancher Jugendliche, künftig einiges anders zu machen.

„Ich werde jetzt das W-Lan ausschalten, wenn ich unterwegs bin“, sagte Cedrik Zupfer nach der Veranstaltung am Donnerstag. Der 14-jährige Gymnasiast war wie viele seiner Mitschüler überrascht, wie einfach sich Erwin Markowsky in die Handys der Zuschauer hackte. Auf der riesigen Leinwand auf der Bühne erschienen plötzlich die Namen privater W-Lan-Netze und Handys.


Vortrag Sicherheit im Internet

Wäre ein Netzwerkgerät dazwischen geschaltet gewesen, hätte ein Hacker auslesen können, was die Handynutzer zum Beispiel bei Facebook schreiben, welche Fotos sie auf dem Handy haben und was sie ihren Kontakten geschrieben haben. Und das wäre nur ein Bruchteil der auswertbaren Daten gewesen.

Lauschangriff auf gehacktes Handy


Markowsky war bereits zum dritten Mal auf Einladung der Raiffeisenbanken in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN sowie der Volksbank Nordoberpfalz in die Max-Reger-Halle gekommen. Drei Vorträge hielt er vor den Schülern von 27 Schulen.



Der IT-Spezialist der Firma 8com aus Neustadt an der Weinstraße belauschte am Donnerstag mit einem gehackten Handy ein Gespräch außerhalb der Halle und zeigte private Daten, die eigentlich längst vom Handy gelöscht sein sollten: Fotos, Telefonnummern und Nachrichten. Leicht vorstellbar, was ein Fremder damit alles anstellen könnte.

Nicht auf Anruferanzeige verlassen


Für Unbehagen sorgte auch ein Anruf, den Markowsky auf ein Handy leitete. Auf dem Telefon angezeigter Anrufer: die Pannenhilfe. Die Erkenntnis: Kein Handybesitzer kann sicher sein, dass eine Nachricht oder ein Anruf wirklich vom angezeigten Absender beziehungsweise Anrufer kommt.

Markowsky wurde deutlich: „Stellt euch vor, eure beste Freundin schreibt am späten Abend, ob ihr sie vom Bahnhof abholen könnt. Natürlich fahrt ihr dort hin. Aber was ist, wenn dort ein Mann auf euch wartet, der diese Nachricht in Wahrheit geschrieben hat?“

"Ihr sollt ins Internet"


Das Motto lautet trotz solcher Gefahren allerdings nicht, nicht ins Internet zu gehen. "Ihr sollt ja im Internet sein", betonte Markowsky. "Aber bitte, Leute, passt auf und schaltet euer Gehirn ein!" Das hieße auch, Aktualisierungen immer zeitnah auf die Geräte zu installieren.

"Der Code für die Software eines IPhones umfasst heute rund 145 000 Seiten. Dieser Code wird geschrieben von Programmierern auf der ganzen Welt. 3000 bis 8000 Schreibfehler enthält dieser Code. Und die werden durch Aktualisierungen korrigiert", so Markowsky.

Das Netz vergisst nie


Ein Schreckens-Szenario malte der IT-Experte auch beim Thema Chats im Internet: „Keiner weiß, wer auf der anderen Seite sitzt.“ Das könne im schlimmsten Fall ein Sexualstraftäter sein. „Trefft euch nicht alleine mit Chat-Bekanntschaften“, mahnte Markowsky daher. „Ladet keine intimen Bilder oder Videos von euch hoch, egal wohin. Ihr könnt das nicht mehr rückgängig machen, wenn das missbraucht wird.“

Was auch damit im Zusammenhang steht: Cyber-Mobbing. Das geht los, wenn solche privaten Videos oder Fotos verbreitet werden. "Bitte macht Mobbing nicht mit! Schüler, die das mitmachen, sind dämlich!"

"Klebt eure Webcams ab"



Erwin Markowsky: "Schüler, die bei Mobbing mitmachen, sind dämlich!" (Bild: Christian Gold)

Wer im Internet mit sexueller Belästigung konfrontiert werde, solle es nicht einfach wegklicken und ignorieren, sondern die Polizei alarmieren. "Wehrt euch", so der Appell an die Schüler.

Und: „Klebt eure Webcams ab.“ Hacker können diese manipulieren und so unbemerkt beobachten, was im Zimmer vor sich geht. Magdalena Puff (13) und Dominik Egeler (13) vom Augustinus-Gymnasium in Weiden war dies bereits bewusst: Ihre Webcams am Laptop sind bereits abgeklebt.

Illegale Downloads haben schon Familien ruiniert


Sichtbar erwischt fühlten sich viele Schüler bei der deutlichen Mahnung, illegale Seiten für das Herunterladen von zum Beispiel Filmen zu nutzen. Das habe schon ganze Familien ruiniert, so Markowsky. Denn einige Anwälte haben sich auf genau solche Urheberrechtsverletzungen spezialisiert und kassieren kräftig ab.

„Bereits beim Ansehen solcher Filme reden wir von einer Urheberrechtsverletzung.“ Häufig kommen Schüler nach seinen Vorträgen zu ihm und fragen um Rat wegen solcher Downloads. Die illegale Seite, die er als Beispiel zeigte, kannten viele der anwesenden Jugendlichen.

Sie nahmen aber auch eine Menge mit von diesem Tag, das war deutlich spürbar. So wie diese Schüler des Augustinus Gymnasiums in Weiden:



Ebenfalls ums Urheberrecht geht es häufig beim Umgang mit Musik und Bildern. Gegen das Gesetz verstößt zum Beispiel das Unterlegen von eigenen Videos mit urheberrechtlich geschützter Musik. "Das ist eine massive Urheberrechtsverletzung. Passt auf", mahnte der Experte. Das gelte auch für das Weiterleiten und Speichern von Promi-Fotos. "Ich weiß, da gehen im Moment Nacktfotos von Promis rum. Das ist eine Straftat."

"Verbote bringen nichts"


Trotz der Negativ-Beispiele und aufgezeigten Sicherheitslücken lag der Fokus der Veranstaltung nicht darauf, die Schüler vom Internet fernzuhalten. „Verbote bringen nichts. Diese Generation ist im Netz und ihr sind die sozialen Medien enorm wichtig“, so Markowsky. Es gehe darum, bei den Jugendlichen das Interesse zu wecken, sie empfindlicher zu machen. Zwei seiner Ratschläge wiederholte der Vater von zwei Kindern immer wieder: „Gehirn einschalten und auf allen Geräten immer die Aktualisierungen durchführen.“

Klar wurde im Gespräch mit dem Experten auch Folgendes: Seine Warnungen und Ratschläge richten sich nicht nur an Jugendliche: „Die Medienkompetenz bei Schülern ist nicht schlecht. Bei den Eltern gibt es großen Nachholbedarf. Und bei den Lehrern ist die Frage, was sie zeigen können, wie weit sie selbst damit umgehen können.“

Medienkompetenz erfordert viel Fachwissen. Und vor allem auch gesunden Menschenverstand. Denn, so Markowsky: „Gegen Dummheit kann ich nichts machen.“ Bleibt zu hoffen, dass die Schüler ihr neues Wissen an ihre Eltern weitergeben.

Tipps für die Internetsicherheit


Erwin Markowsky stimmte seine Sicherheits-Tipps am Donnerstag auf die Bedürfnisse von Jugendlichen ab. Ein Auszug:

Handy & Apps

  • W-Lan unterwegs ausschalten. Bluetooth und GPS nicht dauerhaft einschalten.
  • Bei verdächtigen Nachrichten und Anrufen nachfragen. Man kann nie sicher sein, dass der angezeigte Anrufer / Absender der echte ist.
  • Bewertungen von Apps lesen. Bei vielen negativen Bewertungen die App nicht installieren.


Chats & soziale Medien

  • Niemals alleine mit einer Chat-Bekanntschaft treffen.
  • Vor- und Nachnamen verfremden oder Pseudonym verwenden.
  • Privatsphäreeinstellungen überprüfen, nicht öffentlich posten.
  • Keine privaten Angaben machen wie: Urlaubstermine, Adresse, Beruf der Eltern.
  • Keine privaten Fotos und Videos hochladen, auch nicht auf Drängen.
  • Bei sexueller Belästigung die Polizei alarmieren.


Geräteübergreifende Tipps

  • Aktualisierungen immer installieren, wegen der Datenmenge über das Heimnetz.
  • Firewall installieren. So können zum Beispiel Keylogger keine Tastatur-Eingaben mitlesen.
  • Antivirus-Programm installieren.
  • Passwörter nicht verraten, auch nicht besten Freunden.
  • Webcams abkleben.
  • Das Urheberrecht beachten: keine illegalen Download-Seiten nutzen, bei Youtube eigene Videos nicht mit geschützten Liedern unterlegen.


Mehr Tipps gibt es zum Download: "10 Gebote der Internetsicherheit für private Internetnutzer"