Lehrerverband will weniger Prüfungen am Gymnasium
Umdenken gefordert

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Bayern
10.06.2015
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Acht oder neun Jahre - darauf beschränkt sich die Diskussion um das Gymnasium häufig. Der BLLV fordert ein . Nicht überall stößt das auf Zustimmung.

Weniger Prüfungen und mehr fächerübergreifender Unterricht: So stellt sich der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) die Zukunft des Gymnasiums vor. "Es wird zu viel auswendig gelernt, zu viel benotet und zu viel vergessen", sagte Verbandspräsident Klaus Wenzel bei der Vorstellung eines BLLV-Konzepts Ende April in München.

Themen wie etwa die industrielle Revolution könnten in einem Projektfach unterrichtet werden, das Inhalte aus dem Geschichts-, Geografie- und Wirtschaftsunterricht bündelt. Analyse und Reflexion müssten im Mittelpunkt stehen, nicht das Auswendiglernen von Fakten. "Dazu muss die Anzahl der Themen im Lehrplan deutlich reduziert werden", sagte Wenzel. Im Entwurf "Lehrplan Plus" der Staatsregierung sei das zu wenig berücksichtigt worden.

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) begrüßte das BLLV-Konzept als Beitrag zur Diskussion, auch wenn man nicht immer einer Meinung sei. Die Anhörungen zum "Lehrplan Plus" hätten gerade erst begonnen. Eine vertiefte Allgemeinbildung gehöre zu den Bildungszielen des Gymnasiums.

Der BLLV will die Schüler vom Prüfungsdruck entlasten. "Was wichtig ist, muss geprüft werden und was geprüft wird, ist wichtig - davon müssen wir wegkommen", sagte Fritz Schäffer, beim BLLV zuständig für Schul- und Bildungspolitik. Der Verband fordert deshalb, keine unangekündigten Tests mehr zu schreiben. Beim Abitur könne man auf die verpflichtende Prüfung in Deutsch und Mathe verzichten.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) protestierte. "Deutsch und Mathematik sind zentrale Fächer, wenn es darum geht, Schüler gezielt auf eine Berufsausbildung vorzubereiten", sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Eine Reform der gymnasialen Oberstufe sei überflüssig.

Bedenken, dass weniger Prüfungen die Lern-Motivation der Schüler bremsen, hat der BLLV nicht. "Im Moment lernen die Kinder nicht aus Interesse an der Sache, sondern weil sie dafür einen Gegenwert bekommen", sagte Wenzel. Dieser "Sozialisierung" müsse entgegengewirkt und bei den Schülern wieder der Spaß am Lernen geweckt werden.
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