Listerien in Wurstwaren: Nach Produktionsverbot bläst Sieber zum Gegenangriff
Großmetzgerei verklagt Staat

Der Inhaber der Fleischfirma Sieber, Dietmar Schach, kündigte am Firmensitz in Geretsried an, nach dem Fund von Bakterien in Wurstwaren gerichtlich gegen das behördlich angeordnete Produktionsverbot vorgehen zu wollen. Bild: dpa
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Bayern
01.06.2016
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Geretsried. Die Fleischwarenfirma Sieber geht nach dem Fund gesundheitsgefährdender Listerien in Wurstwaren gerichtlich gegen das behördlich angeordnete Produktionsverbot vor. Es sei Klage gegen den Freistaat Bayern eingereicht worden, sagte der Inhaber Dietmar Schach (51) am Dienstag am Firmenstandort in Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Der Rückruf sämtlicher Waren und die Werksschließung seien politisch motiviert. Er bezifferte den täglichen Schaden für sein Unternehmen mit 120 Beschäftigten auf 100 000 Euro. Insgesamt mehrere Hundert Tonnen Ware müssten vernichtet werden. Die Staatsanwaltschaft München II leitete Vorermittlungen gegen die Firma ein.

Das Landratsamt in Bad Tölz hatte am Freitag angeordnet, dass sämtliche Sieber-Produkte zurückgerufen und vernichtet werden müssen. Das Unternehmen beliefert nach seinen Angaben Lidl, Norma, Rewe und Penny, nicht jedoch Aldi. Außerdem verhängte die Behörde ein Betriebs- und Vertriebsverbot.

Schach äußerte den Verdacht, dass sein Unternehmen durch die staatlich angeordneten Sanktionen dafür missbraucht werde, politisch vorzeigbare Erfolge im Kampf gegen Lebensmittelskandale zu erzielen. Er nannte auf Nachfrage die Versäumnisse bei Bayern-Ei. Das Verbraucherschutzministerium wies die Vorwürfe zurück: "Die zuständigen Behörden handeln konsequent zum Schutz der Verbraucher", erklärte ein Sprecher. Die weitere Aufklärung der Lieferwege laufe.

Seit Montag wurden nach Schachs Worten auf einer Unternehmens-Hotline an die 1000 Anrufe mit Fragen vor allem zu Gesundheitsgefahren und der Erstattung bereits gekaufter Produkte beantwortet. Schach entschuldigte sich bei seinen Handelspartnern und den Verbrauchern. Er verwies darauf, dass rund 45 im Unternehmen genommene Proben frei von gesundheitsgefährdenden Listerien seien. "Es gibt bis jetzt keine gesicherten Erkenntnisse, wann und wo Keime in unser Unternehmen hineingetragen wurden", sagte Schach. Allerdings wurden vor Ostern in einem Schweinefleisch-Produkt von Sieber im Nürnberger Land Listerien nachgewiesen.
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