Lukratives Geschäft mit Drogen
Crystal-Flut schwillt weiter an

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Bayern
12.05.2016
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Die tschechische Polizei hat 2015 elf Crystal-Labore ausgehoben. Neun Tonnen des Stoffs wollten die Dealer alleine nach Deutschland schaffen.

Von Ann-Kristin Schmittgall

Asch. Das Geschäft mit Drogen - insbesondere Crystal Meth - sei für die Hersteller äußerst lukrativ, betont Jakub Frydrych, Leiter der nationalen Antidrogenzentrale der tschechischen Polizei. "An einem Kilogramm Crystal verdienen die Hersteller rund 10 000 Euro." Für 20 bis 35 Euro verkauft der Dealer die Kristalle in Asch, Eger oder Pilsen. 80 bis 120 Euro zahlt ein Abnehmer schon in Bayern oder Sachsen für die gleiche Menge an Methamphetamin, von dem sich der modische Name Meth ableitet. Wenige Zahlen erklären, warum die deutsch-tschechische Grenzregion in den vergangenen Jahren von einer Crystal-Welle überrollt wurde. "Im vergangenen Jahr wurden in Tschechien elf Crystal-Meth-Labore ausgehoben.

Neun Tonnen der Droge hat die Polizei sichergestellt, die alleine nach Deutschland geschafft werden sollten", berichtet Frydrych in Asch. Die gefährliche Droge werde weiterhin auf den tschechischen Vietnamesen-Märkten vertrieben. Ein Grund für den Hype des kristallinen Pulvers sei nicht nur die lukrative Produktion, sondern auch eine hohe Nachfrage aus Deutschland. "Die Zusammenarbeit mit den deutschen Drogenfahndern sei diesbezüglich schon auf höchstem Niveau angekommen", betont Jakub Frydrych. Die tschechische Polizei versuche den illegalen Handel mit mehr Personal zu bekämpfen. "Seit 2014 haben wir 150 weitere Polizisten, die für die nationale Antidrogenzentrale arbeiten. Bis 2020 sollen noch einmal 230 dazukommen - insgesamt also 380." Die nationale Antidrogenzentrale der tschechischen Polizei lässt sich mit der zuständigen Abteilung des deutschen Bundeskriminalamts (BKA) vergleichen. In Asch komme ein großer Teil der Methamphetamin-Konsumenten aus ärmlichen Verhältnissen, berichtet Tomás Jelinek von der örtlichen Polizei. "Sehr oft sind es Obdachlose, die sich den Stoff irgendwo klauen", berichtet Jelinek.

Zum Aufputschen


In Deutschland wird Crystal auch oft als Aufputsch- oder Lifestyledroge konsumiert. Ambitionierte Karrieremenschen nehmen die Kristalle beispielsweise, um leistungsstark zu bleiben. Junge Frauen schnupfen, spritzen oder rauchen den Stoff, um möglichst schnell möglichst viel abzunehmen.

"Revolution Train"Die Pressekonferenz zur Situation der Drogenszene im deutsch-tschechischen Grenzgebiet war Teil der Tour des "Revolution Train". Der Anti-Drogen-Zug ist eine neue Art der präventiven Arbeit. Der multimedial ausgestattete Zug macht derzeit in Asch halt. Mit allen Sinnen durchleben Besucher - vorwiegend Schüler - eine Drogensucht. "Durch die Aktivierung aller menschlichen Sinne ist es möglich, auf die Persönlichkeit äußerst effektiv einzuwirken und die Sicht auf legale und illegale Suchtmittel zu beeinflussen", erklärt Pavel Tuma vom Projekt "Revolution Train". Derzeit rollt der Zug durch Tschechien. Im Herbst wollen die Initiatoren auch nach Deutschland kommen. Für die Realisierung einer deutschen Tour suchen die Verantwortlichen allerdings noch Partner. Ein Bahnanschluss ist erforderlich. (fph)
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