Maßnahmen am Baukörper der St.-Johannis-Kirche fast abgeschlossen
Sanierung einfach vergessen

Bis auf die Glocken ist in der Glockenstube so gut wie alles neu. Lediglich der Glockenstuhl, unter dem Pfarrer Dirk Grafe steht, ist noch der alte, wenn auch mit neuem Anstrich. Bilder: ak (2)
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Bayern
08.07.2016
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In wenigen Wochen werden unter anderem die Bänke, der Altar und die Kanzel ausgebaut. Dann beginnt in der St.-Johannis-Kirche die Innensanierung.

12 Uhr hat's für die Außensanierung der evangelisch-lutherischen Kirche St. Johannis geschlagen. Goldglänzend leuchten die nach der Instandsetzung angebrachten Zeiger der Turmuhr in der Sonne. Auf das gewohnte Glockengeläut müssen die Gläubigen aber noch länger warten. Erst die Hälfte der Sanierungsarbeiten und -zeit ist geschafft.

Wirbenz. Die imposante Pfarrkirche ist das erste, was Besucher von dem 200-Seelen-Dorf sehen. Ein Großteil ihrer Bausubstanz stammt aus ihrer Bauzeit in den Jahren 1903 bis 1905. Die letzte Generalsanierung erfolgte vor 50 Jahren. Seither seien nur Kleinigkeiten gemacht worden. "Eigentlich steht die Außenrenovierung für Kirchen alle 25 Jahre an, aber das Staatliche Bauamt hat uns einmal vergessen", berichtet Pfarrer Dirk Grafe. Jetzt müsse daher die Außen- und Innensanierung zusammen erfolgen.

Es seien größere Schäden im Baubestand vorhanden." Erst wenn man anfängt und reinschauen kann, ist der tatsächlich notwendige Umfang ersichtlich", erklärt der Seelsorger. So ergab sich unter anderem auch im Turmbereich, in der Glockenstube und wegen Lastrissen im Mauerwerk Handlungsbedarf.

Kosten fast verdoppelt


Die ursprünglichen Sanierungskosten von 980 000 Euro schnellten rund 1,7 Millionen Euro hoch. "Ich rechne damit, dass dies noch nicht das Ende der Gesamtkosten ist. Wer weiß, was bei der anstehenden Innensanierung noch alles an Schäden festgestellt wird. Eine Verdoppelung der Sanierungskosten ist durchaus drin", meint Grafe. "Unser Vorteil ist, dass die St.-Johannis-Kirche unter staatlicher Baulast steht. Der Freistaat trägt die Kosten des Baukörpers selbst." Einen Großteil der Innensanierung muss die Pfarrei aber selbst bezahlen. "Wir sind mit rund 200 000 Euro dabei. Dies bedeutet für unsere kleine Pfarrei einen großen finanziellen Kraftakt."

Schon seit Jahren laufen daher Spendenaktionen. Neben Kerzen- und Kirchenführerverkauf füllen zudem Spenden von Jubilaren und Gläubigen das Renovierungskonto. "Seit zwölf Jahren bin ich da und seit zehn am Renovieren, aber das Schmuckstück unserer Pfarrei ist es wert", versichert Grafe.

Die vor einem Jahr begonnene Außensanierung sei fast abgeschlossen. Zifferblätter und Zeiger seien montiert. Die Steinmetze erledigten die Restarbeiten, und die Maler strichen nach dem Verputzen Kirche und Turm zum dritten Mal. Im Sockelbereich aus Sandstein müssten noch Schäden behoben werden. Reparaturarbeiten und die Teilerneuerung der Dacheindeckung des Kirchenschiffes samt Erneuerung der Einblechungen erfolgten bereits.

Die Glockenstube im 45 Meter hohen Kirchturm hat einen neuen Boden erhalten. Der eiserne Glockenstuhl wurde instandgesetzt, gestrichen und wieder eingebaut. Neoprenlager samt neuem Turmringanker sollen die durch das Läuten verursachten Schwingungs- und Lastschäden am Glockenstuhl verhindern. Bei den beiden großen Glocken wurden die Klöppel ersetzt, ebenso die eisernen Glockenaufhängungen durch Eichenholzjoche. "Die Glocken sollen besser und reiner klingen, wir werden's bald hören", erklärt Grafe die Maßnahme. Oberhalb der Stube mussten tragende Balken des Turmdachstuhls großteils erneuert werden. In den nächsten Wochen werden die Glockenantriebe installiert und mit einer digitalen Steuerung versehen. Wenn noch Geld vorhanden ist, soll das Uhr- und Läutewerk von 1905 restauriert.

Komplett neuer Fußboden


Innen steht nun eine Komplettsanierung der 500 Gläubige fassenden Kirche an. Es wurden bereits Materialproben entnommen. Die Kanzel und der im 17. Jahrhundert in der Werkstatt von Elias Ränz aus Bayreuth gefertigte Altar werden ausgebaut und restauriert. Entfernt werden zudem Figuren aus der Hand vom Michael Doser aus Auerbach, ebenfalls 17. Jahrhundert. "Wenn's wieder so lange dauert, dann müssen's wir gscheit nach dem Stand der heutigen Technik machen", ist Grafe überzeugt. Das Gotteshaus wird komplett ausgeräumt, der Innenraum rund 40 bis 50 Zentimeter ausgekoffert. Der Fußboden wird komplett neu aufgebaut bis hin zum neuen Natursteinboden. Die zum Teil aus dem Jahr 1904 stammende und in den 1960er Jahren ergänzte Elektroinstallation wird ausgetauscht. Dazu gehören eine neue LED-Beleuchtung innen und außen, eine Bankheizung im Haupt- und in den beiden Nebenschiffen sowie eine moderne Lautsprecheranlage. Die farbigen, 112 Jahre alten Mosaikfenster aus Bamberger Grisailleglas wurden in den vergangenen Jahren restauriert.

Die romantische Strebel-Orgel von 1905 wurde untersucht und ist seit 1. Oktober 2015 unter Denkmalschutz gestellt. Sie wird jetzt mit saniert. "Die Kirche wird im Innenraum farblich anders gestaltet. Die Decke wird heller und die Steinstreben in dunklerem Ton gefasst, so dass die Kirche noch größer wirkt. Wobei sie schon mit 80 Plätzen auf der Empore und 420 im unteren Kirchenraum schon groß genug ist", scherzte Grafe.

Für die Innensanierung wird die Kirche Ende September/Anfang Oktober geschossen. "Ich hoffe, dass ich unsere Kirche nächstes Jahr zum ersten Advent einweihen kann" wünscht sich Grafe. Überraschungen seien bei einem denkmalgeschützten Kirchenhaus aber jederzeit drin. Für die Gottesdienste wird dann ins Gemeindehaus oder in die Filialkirchen ausgewichen.

Glockenläuten in MollDie älteste und kleinste Glocke ist die im Jahr 1905 geweihte Taufglocke. 1914 wurde die Pfarrei aufgefordert, die beiden großen Glocken für die kaiserliche Rüstungsindustrie zu liefern. "Darauf hin gab's einen Streit zwischen dem damaligen Wirbenzer Pfarrer und dem Kriegsministerium; er wehrte sich gegen das Einschmelzen der erst knapp zehn Jahre alten Glocken heftig. Der Streit zog sich bis einen Monat vor Kriegsende 1918 hin. Jetzt behalt's es, der Krieg is eh bald aus, war der Schlusssatz aus München", erzählt Grafe.

Doch 1939 fielen die großen Glocken der Rüstung zum Zweiten Weltkrieg zum Opfer. 1954 wurden die beiden jetzigen Ersatzglocken eingebaut. Das Wirbenzer Geläut erklang schon im Bayerischen Rundfunk. Das Besondere: Es läutet nicht wie kirchenüblich in Dur, sondern in Moll. (ak)
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