Mehr Borreliose- und FSME-Fälle
Zecken zwicken auch in der Oberpfalz

Die durch Zecken übertragene Krankheiten wie Borreliose und FSME können schwerwiegende Folgen haben. Bild: dpa
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Bayern
22.08.2016
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Weiden/Amberg. (dpa/üd) Die Zahl der durch Zecken verursachten Krankheitsfälle in Bayern ist in diesem Jahr bislang deutlich gestiegen. Zum Ende der ersten Augustwoche hatte das Landesamt für Gesundheit (LGL) in Erlangen bereits mehr als 2600 Infektionen mit Borreliose registriert - 40 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2015. Auch die Zahl der FSME-Fälle lag bereits bei etwa 100 - 26 Prozent mehr als im Vorjahr.

Eine LGL-Sprecherin bezeichnete dies dennoch als "erwartbare Schwankung im Verlauf der Meldejahre". 2013 beispielsweise habe die Zahl der Borreliose-Fälle im gleichen Zeitraum mit rund 3080 deutlich höher gelegen - obwohl die Meldepflicht in Bayern in jenem Jahr erst Anfang März eingeführt worden war.

Dr. Johannes Weig, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamts für den Landkreis Neustadt/WN und die Stadt Weiden, bestätigt gestiegene Zahlen von Borreliose-Infektionen für seinen Zuständigkeitsbereich: "Im vergangenen Jahr hatten wir insgesamt 33 gemeldete Fälle, heuer waren es bis Anfang August bereits 38." Laut Weig lag die Zahl im Jahr 2013 mit 84 deutlich höher, bevor sie im Folgejahr wieder auf 54 sank. Auch er führt die Veränderungen auf "normale Schwankungen" zurück. Die Zahl der gemeldeten FSME-Fälle liege für 2016 bisher bei 2 - nach 5 im Jahr 2015 (2014: 4, 2013: 10). Weig glaubt, dass es um die Impfbereitschaft der Oberpfälzer generell gut bestellt ist: "Die Menschen wissen mittlerweile um die Risiken."

"Zeckenkarten" begehrt


Christine Hollederer, Sprecherin des Landratsamts Amberg-Sulzbach, verweist auf Zahlen des Gesundheitsamts, die zumindest bei den gemeldeten Borreliose-Infektionen einen anderen Trend zeigen: Waren es 2015 noch 72 Fälle, sind es heuer bislang erst 56 (2014: 37, 2013: 81). Bei den FSME-Fällen gibt es allerdings bereits eine Zunahme von 10 (2015) auf bislang 11 im laufenden Jahr (2014: 12, 2013: 16). Auch sie glaubt, dass die Gefahr durch Zecken den Oberpfälzern bewusster ist als früher: "Die Nachfrage nach den Zeckenkarten, die uns das Gesundheitsministerium zur Verfügung gestellt hat, war so groß, dass wir Nachschub ordern mussten." Das scheckkartengroße Hilfsinstrument verfügt über eine eingebaute kleine Lupe und einen Schlitz, mit dem man eine Zecke wie mit einer Pinzette aus der Haut ziehen kann. Bedruckt ist die Zeckenkarte mit einer Hilfsanleitung.

Die Lyme-Borreliose ist die am häufigsten von Zecken übertragene Infektionskrankheit. Sie beginnt häufig mit der sogenannten Wanderröte - einem roten Ring, der sich um den Zeckenstich herum bildet und immer größer wird. Weitere Symptome können Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Fieber - auch erst Wochen nach dem Stich - sein. Unbehandelt kann die durch Borrelien verursachte Krankheit zu Spätfolgen wie Gelenk-, Herzmuskel- oder Nervenentzündungen führen. Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden.Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sind Viren. Die FSME ist eine fieberhafte Erkrankung unter Beteiligung der Hirnhäute. In besonders schweren Fällen kann es zur Gehirnentzündung und zur Schädigung des Rückenmarks kommen. Für die Behandlung gibt es keine Medikamente, man kann sich allerdings dagegen impfen lassen.

Huml: Senioren gefährdet


Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) warb deswegen erneut für eine Schutzimpfung, die auch um diese Jahreszeit noch sinnvoll sei: "Die Gefahren durch die Frühsommer-Meningoenzephalitis dürfen nicht unterschätzt werden. Die Folge können unter anderem Entzündungen des Gehirns sein." Vor allem bei älteren Menschen könne die Erkrankung schwer verlaufen.
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