Menschliches Versagen Grund für Zugunglück in Bad Aibling
Zwei folgenschwere Fehler

Zwei fatale Fehler des Fahrdienstleiters hätten nach Schilderung von Innenminister Joachim Herrmann zum Zugunglück von Bad Aibling geführt. Bild: dpa
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Bayern
29.03.2016
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Ein doppelter Irrtum des Fahrdienstleiters ist vermutlich Ursache des Zugunglücks von Bad Aibling mit elf Toten. "Menschliches Versagen", und das in tragischer Verkettung - wie konnte es dazu kommen?

Bad Aibling/Berlin. Ein fehlgeleiteter Notruf hat womöglich zu dem schweren Zugunglück in Bad Aibling mit elf Toten und vielen Schwerverletzten beigetragen. Der Fahrdienstleiter hatte nach den bisherigen Ermittlungen zuerst ein falsches Signal gesendet - und dann in der Hektik wohl die Tasten zweier verschiedener Warnrufe verwechselt. Das berichtete die "Bild"-Zeitung am Dienstag unter Berufung auf den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Notruf unter der Lupe


Das wollte die Staatsanwaltschaft zwar so konkret nicht bestätigen. Die Ermittler prüfen derzeit aber auch mögliche Fehlerquellen beim Notruf. Eine Fehlbedienung sei Gegenstand der Ermittlungen und der Begutachtung durch den Sachverständigen, teilte die Anklagebehörde in Traunstein am Dienstag mit. Es gelte insbesondere zu klären, weshalb und unter welchen Umständen beide Züge auf die eingleisige Strecke geschickt wurden und warum das Unglück nach der Fehlentscheidung nicht vermieden werden konnte.

Anhaltspunkte für rein technische Ursachen bei Gleis- oder Signalanlagen oder in den kollidierenden Zügen hätten sich nicht ergeben, erklärte die Behörde. "Deshalb steht nach wie vor menschliches Versagen etwa des zuständigen Fahrdienstleisters im Mittelpunkt der Ermittlungen."

Der Mann hatte den Erkenntnissen zufolge die eingleisige Strecke für zwei Züge gleichzeitig freigegeben. "Der Fahrdienstleiter hat, als er seinen ersten Irrtum bemerkte, einen ersten Warn-Funkspruch an die beiden Lokführer schicken wollen", sagte Innenminister Herrmann. Dabei habe er die falsche Taste gedrückt und anstelle der Lokführer andere Fahrdienstleiter alarmiert. "Daraufhin schickte der Fahrdienstleiter einen zweiten Funkspruch an die Lokführer. Diesmal drückte er die richtige Taste, aber da war es schon zu spät", sagte Herrmann. Laut "Bild" lägen die beiden Tasten für die unterschiedlichen Notrufe nebeneinander.

Herrmann zog ein bitteres Fazit: "Wäre der erste Funkspruch bei den Lokführern angekommen, hätte das Unglück womöglich noch verhindert werden können. Das ist ganz besonders tragisch." Nun laufe es auf eine Anklage des Fahrdienstleiters wegen fahrlässiger Tötung hinaus. "Es sind mittlerweile auch alle technischen Defekte ausgeschlossen: Die Züge waren technisch völlig in Ordnung."

Unterdessen wurde bekannt, dass die Stadt Bad Aibling eine Gedenkstätte für die Opfer des Unglücks plant. Sie solle wahrscheinlich am Theresienmonument in Sichtweite der Unglücksstelle errichtet werden, sagte der erste Bürgermeister Felix Schwaller (CSU). Die Gedenkstätte, deren Gestaltung noch offen ist, werde wahrscheinlich im Herbst nach den großen Ferien errichtet.
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